Lebensräume: Feldrevier, Wald, Auwald, Mittelgebirge

Übliche Jagdarten: Blattjagd (Lockjagd mit dem Fieblaut), Ansitz an Feld-Wald-Kanten, Pirsch

Brunft oder Paarung: Juli bis August (Blattzeit)

Jagdliche Klasse: Rehwild · Hirschartige

Rehbock mit kurzem Gehörn im grauen Winterhaar, schreitend über ein Feld am Waldrand im Morgenlicht
Foto: Sylvouille at French Wikipedia · CC BY-SA 1.0

Sichere Erkennung

Das Reh ist deutlich kleiner und leichter gebaut als Rot- oder Damwild. Im Sommer ist die Decke rotbraun, im Winter graubraun; der Spiegel ist hell und ohne den schwarzen Rand des Damwilds. Beim Bock sind Rosenstöcke und Gehörn nur während eines Teils des Jahres sichtbar. Geschlecht und Altersklasse werden deshalb nie aus einem Einzelmerkmal, sondern aus Körperbau, Verhalten, Jahreszeit und Genitalmerkmalen zusammen beurteilt.

Reh im natürlichen Lebensraum
Foto: Vera Buhl · CC BY-SA 3.0

Biologie und Lebensweise

Böcke besetzen im Frühjahr und Sommer Territorien, die sie durch Duftmarken, Plätzen und Fegen kenntlich machen. Ricken leben während der Setz- und Aufzuchtzeit eher einzeln; im Winter schließen sich Rehe in Feld- und Mischrevieren zu lockeren Sprüngen zusammen. Rehe sind keine kleinen Rothirsche: Ihre Raumnutzung ist kleinräumiger, und ihre Nahrungsauswahl ist stärker auf nährstoffreiche Pflanzenteile spezialisiert.

Reh in der Steiermark
Foto: Nxr-at · CC BY-SA 4.0

Brunft und Fortpflanzung

Die Paarung liegt im Sommer. Danach folgt eine mehrmonatige Keimruhe: Die Entwicklung des Embryos setzt erst im Winter verstärkt ein, sodass die meisten Kitze im späten Frühjahr geboren werden. Ricken legen die Kitze getrennt in Deckung ab und suchen sie zum Säugen auf. Das Drücken der Kitze schützt vor Fressfeinden, macht sie aber bei der Grünlandmahd besonders gefährdet.

Ein Reh steht am Waldrand und beobachtet.
Foto: Franziska Neubauer · CC BY-SA 4.0

Nahrung und Raumnutzung

Rehe wählen Kräuter, Blätter, Knospen, junge Triebe und Früchte mit hoher Verdaulichkeit. Eine europaweite Auswertung zeigt Kräuter im Frühjahr und Sommer als stabilen Kern der Nahrung; der Anteil von Gräsern und Gehölzen unterscheidet sich regional. Deckung, Äsung und Ruhe müssen räumlich zusammenpassen. Im Feld folgen Rehe dem Wechsel der Kulturen, im Wald nutzen sie Verjüngungsflächen, Säume und lichte Bestände.

Rehbock im Sommerhaar
Foto: Jerzystrzelecki · CC BY 3.0

Wildeinfluss und Wald

Verbiss an Terminaltrieben und Fegen an jungen Stämmen können die Baumartenmischung und die Entwicklung der Naturverjüngung beeinflussen. Aus einem einzelnen verbissenen Baum lässt sich jedoch keine Bestandsdichte ableiten. Belastbare Beurteilungen verbinden Vegetationsaufnahme, Vergleichsflächen, räumliche Verteilung des Verbisses, Waldziel und ein revierübergreifendes Monitoring.

Reh in freier Wildbahn
Foto: Przykuta · CC BY-SA 3.0

Anatomie und Fährtenbild

Das Trittsiegel ist klein, schmal und vorne zugespitzt; im weichen Boden oder in schneller Gangart können die Afterklauen sichtbar werden. Losung besteht aus kleinen, dunklen, meist länglichen Pillen. Nach dem Erlegen erlauben Zahnwechsel und Zahnabnutzung eine Altersansprache mit abnehmender Genauigkeit bei älteren Stücken. Eine jahrgenaue Altersbestimmung am lebenden Reh oder allein am Gehörn ist nicht möglich.

Trophäe und Bewertung

Das Gehörn wird jährlich abgeworfen und neu gebildet. Stangenform, Endenzahl und Masse hängen von Alter, Kondition, Genetik, Verletzungen und Umwelt ab; ein schwaches Gehörn beweist weder Jugend noch Krankheit. Formale Trophäenbewertung misst unter anderem Gewicht, Volumen und ausgewählte Formmerkmale, ersetzt aber keine populationsbiologische Begründung einer Entnahme.

Bestand und Management

Rehwildmonitoring stützt sich auf mehrere Indikatoren: Vegetationsentwicklung, Fallwild, Sichtbeobachtungen, Streckendaten und standardisierte Verfahren wie Fotofallen. Absolute Bestandszahlen bleiben schwierig. Managementziele müssen daher messbar formuliert werden, etwa über Verjüngungsziele und Schadensschwerpunkte, und regelmäßig an Waldentwicklung und Jagdergebnis angepasst werden.

Jagdliche Einordnung

Ansitz und Pirsch verlangen sichere Ansprache, Kugelfang und Rücksicht auf führende Ricken. Bei der Blattjagd kann ein imitierter Fieplaut Rehe heranführen; jedes unerwartet nahe auftauchende Stück muss neu angesprochen werden. Pauschale Monatsangaben ersetzen weder örtliche Beobachtung noch die Jagd- und Schonzeiten des jeweiligen Rechtsraums.

Wildbret und Verwertung

Rehwild liefert mageres, feinfaseriges Wildbret. Entscheidend sind ein sauberer Schuss, unverzügliches Aufbrechen beziehungsweise Versorgen und kontrollierte Kühlung. Rücken und Keulen eignen sich zum Kurzbraten, stärker beanspruchte Partien zum Schmoren; bei auffälligen Organen oder bedenklichen Merkmalen entscheidet die fachkundige Fleischuntersuchung.

Lebensraum und Ansprüche

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Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES Nicht gelistet · EU Nicht gelistet

Artenschutz & Handelsstatus: Reh

Status:Jagdbar / Nicht CITES-reguliert. Diese Art unterliegt nicht den CITES-Artenschutzbestimmungen. Für den grenzüberschreitenden Transport gelten die allgemeinen veterinär- und zollrechtlichen Vorschriften sowie das nationale Jagdrecht des Herkunfts- und Ziellandes.

Bestimmungen für Ein- & Ausfuhr (Jagdtrophäen):
  • Keine CITES-Genehmigung erforderlich
  • Beachtung des nationalen Jagd- und Schonzeitenrechts
  • Veterinärrechtliche Bestimmungen bei Fleischtransport beachten

Was bei der Einfuhr einer Trophäe zusätzlich zu CITES gilt – TRACES NT, Veterinärbescheinigung, Zoll –, steht im Leitfaden zum Trophäenimport.

Alters- und Kategorieansprache

Merkmale zur Altersbeurteilung vor und nach dem Schuss (Gebissentwicklung, Trophäenmorphologie, Habitus und Klassen).

Ansprachemerkmale & Kriterien

Gebissentwicklung (P3-Zahnwechsel mit 12-14 Monaten von 3-teilig auf 2-teilig; M3-Molarendurchbruch); Zahnabschliff / freiliegendes Dentin; Rosenstöcke (kurz, dick, dachförmig geneigt beim alten Bock); Stirnnahtverknöcherung; Körperbau (tiefer Schwerpunkt, starker Träger, hängender Bauch beim alten Bock).

Gebissentwicklung & Zahnabschliff

Kitz (P3 3-teilig, M1 da, M2 bricht durch); Jährling/Schmalreh bis 14. Monat (P3 noch 3-teilig oder frischer 2-teiliger P3 ohne Schliff; M3 bricht durch); Mehrjährig (P3 2-teilig, M3 voll da; mit zunehmendem Alter vergrößern sich die braunen Dentinstreifen der Molaren bis zum Abschliff der Kunden).

Altersklassen & Klassifizierung

Klasse III (Jugendklasse: Kitze, Jährlinge, Schmalrehe bis 1 Jahr); Klasse II (Mittelklasse: 2- bis 4-jährige Böcke und Geißen, Zukunftsböcke); Klasse I (Ernteklasse: 5+ Jahre, reife Böcke mit zurückgesetztem Gehörnaufbau und starker Masse an der Basis).

Vergleichbare & verwandte Wildarten

Ökologische und jagdpraktische Einordnung innerhalb der Gruppe Mitteleuropäische Cerviden.

Das Reh ist die kleinste heimische Hirschart und zeichnet sich als Konzentratselektierer durch eine kurze Keimruhe (Eiruhe) nach der Blattzeit im Sommer aus. Im Gegensatz zum Rot- und Damwild wirft der Rehbock sein Gehörn bereits im Spätherbst (Oktober-Dezember) ab.

Verbreitung

Länder, in denen diese Art im Portal als vorkommend geführt wird. Die Karte zeigt die zugehörigen Regionsprofile, keine Reviergrenzen und keine Punktnachweise.

Kartengrundlage: Natural Earth (Public Domain, CC0) · Kartenstand: · Darstellung: JAGDNAVIGATOR
Die Flächen zeigen Verwaltungsgrenzen, keine Reviergrenzen. Jagdeinrichtungen, Fütterungen und sensible Standorte werden bewusst nicht kartiert.
Global Biodiversity Information FacilityGBIF Taxon #5220126

Wissenschaftliche Nachweise & Vorkommen: Reh

GBIF Taxon
GBIF-Nachweise von Reh (Capreolus capreolus) in Europa. Gelbe bis rote Punkte: Dichte wissenschaftlicher Beobachtungen.
Dichte wissenschaftlicher Nachweise
EinzelfundeHohe Dichte

Kartengrundlage: GBIF-Basiskarte (OpenMapTiles) · Nachweise: GBIF.org, CC0 · Stand: 2026-08-27 · Darstellung: JAGDNAVIGATOR

Bürgerwissenschaften & MonitoringiNaturalist

Bürgerbeobachtungen & Fotobelege: Reh

Neben amtlichen Zählungen liefern wissenschaftlich verifizierte Sichtungen (Research Grade) von Jägern, Förstern und Naturbeobachtern Daten zu Ausbreitung, Wechseln und Vorkommen dieser Art im DACH-Raum.

Movebank · GPS-Telemetrie & BewegungsökologieMax-Planck-Institut für Verhaltensbiologie

Raum-Zeit-Verhalten & Aktionsräume: Reh (Rehwild)

Aktionsraum (Sommer)
35ha
ca. 0,4 km²
Aktionsraum (Winter)
45 ha
ca. 0,5 km²
Nächtliche Marschstrecke
0.8 – 2.5 km
Max. Tagesstrecke: 6 km

Raumnutzung:Sehr standorttreu: 15–50 ha je Bockterritorium bzw. Geiß. Im Winter Zusammenschluss zu Sprüngen auf Feldfluren.

Saisonales Wanderverhalten:Geringe Distanzen; im Gebirge Abstieg um 200–500 Höhenmeter in geschützte Tallagen.

Wo diese Art vorkommt

Wissenschaftliche Arbeiten zu Reh

Ausgewählte Studien zur Biologie, Raumnutzung, Nahrung oder dem Management dieser Art.

Häufige Fragen zu Reh

Was ist die Blattzeit beim Rehwild?

Als Blattzeit wird die sommerliche Paarungszeit bezeichnet. Ihr genauer Verlauf schwankt regional und mit der Witterung; Fieplaute können zur Beobachtung oder Lockjagd imitiert werden. Jagdzeiten sind davon getrennt und ausschließlich regional zu prüfen.

Was bedeutet 'Fegen' beim Rehbock?

Das Gehörn wächst unter einer durchbluteten Hauthülle (Bast). Im Frühjahr streift der Bock diesen vertrockneten Bast an Sträuchern und Bäumen ab - diesen Vorgang nennt man Fegen.

Wie unterscheidet man Geiß und Bock im Winterkleid?

Nach dem Abwerfen des Gehörns reicht ein einzelnes Merkmal nicht. Körperform, Verhalten, Stellung im Sprung sowie Schürze beziehungsweise Pinsel werden gemeinsam beurteilt; verdeckte oder ungünstig stehende Stücke bleiben unbestimmt.

Kann man das Alter eines Rehbocks am Gehörn sicher erkennen?

Nein. Gehörnmasse, Endenzahl und Rosen liefern im Feld keine jahrgenaue Altersangabe. Vor dem Schuss ist nur eine vorsichtige Altersklassenschätzung aus Körperbau, Verhalten und mehreren Merkmalen vertretbar.

Warum ist Kitzrettung vor der Mahd wichtig?

Ricken setzen Kitze häufig in hohes Grünland; die Jungtiere drücken sich bei Gefahr. Flächenabsprache, Suche unmittelbar vor der Mahd und Mähen von innen nach außen senken das Risiko, ersetzen aber nicht die örtlichen Sicherheits- und Tierschutzvorgaben.

Quellen und Evidenz

2 Einträge
  1. Amtliche Primärquelle Abruf: 10.8.2026

    BFW-Praxisinformation 57: Mischwälder sind stärker vom Wildeinfluss betroffen

    Bundesforschungszentrum für Wald Primärdokument öffnen ↗
  2. Peer-Review Studie Abruf: 10.8.2026

    Characterising the dietary patterns of the European Roe Deer across biogeographical regions

    European Journal of Wildlife Research DOI: 10.1007/s10344-025-02038-8 ↗

Erstmalig erstellt: Zuletzt geändert: Redaktionelle Verantwortung: Dr. Wolfgang Spiess-Knafl