Lebensräume: Feldrevier, Wald, Auwald, Mittelgebirge
Übliche Jagdarten: Blattjagd (Lockjagd mit dem Fieblaut), Ansitz an Feld-Wald-Kanten, Pirsch
Brunft oder Paarung: Juli bis August (Blattzeit)
Jagdliche Klasse: Rehwild · Hirschartige

Sichere Erkennung
Das Reh ist deutlich kleiner und leichter gebaut als Rot- oder Damwild. Im Sommer ist die Decke rotbraun, im Winter graubraun; der Spiegel ist hell und ohne den schwarzen Rand des Damwilds. Beim Bock sind Rosenstöcke und Gehörn nur während eines Teils des Jahres sichtbar. Geschlecht und Altersklasse werden deshalb nie aus einem Einzelmerkmal, sondern aus Körperbau, Verhalten, Jahreszeit und Genitalmerkmalen zusammen beurteilt.

Biologie und Lebensweise
Böcke besetzen im Frühjahr und Sommer Territorien, die sie durch Duftmarken, Plätzen und Fegen kenntlich machen. Ricken leben während der Setz- und Aufzuchtzeit eher einzeln; im Winter schließen sich Rehe in Feld- und Mischrevieren zu lockeren Sprüngen zusammen. Rehe sind keine kleinen Rothirsche: Ihre Raumnutzung ist kleinräumiger, und ihre Nahrungsauswahl ist stärker auf nährstoffreiche Pflanzenteile spezialisiert.

Brunft und Fortpflanzung
Die Paarung liegt im Sommer. Danach folgt eine mehrmonatige Keimruhe: Die Entwicklung des Embryos setzt erst im Winter verstärkt ein, sodass die meisten Kitze im späten Frühjahr geboren werden. Ricken legen die Kitze getrennt in Deckung ab und suchen sie zum Säugen auf. Das Drücken der Kitze schützt vor Fressfeinden, macht sie aber bei der Grünlandmahd besonders gefährdet.

Nahrung und Raumnutzung
Rehe wählen Kräuter, Blätter, Knospen, junge Triebe und Früchte mit hoher Verdaulichkeit. Eine europaweite Auswertung zeigt Kräuter im Frühjahr und Sommer als stabilen Kern der Nahrung; der Anteil von Gräsern und Gehölzen unterscheidet sich regional. Deckung, Äsung und Ruhe müssen räumlich zusammenpassen. Im Feld folgen Rehe dem Wechsel der Kulturen, im Wald nutzen sie Verjüngungsflächen, Säume und lichte Bestände.

Wildeinfluss und Wald
Verbiss an Terminaltrieben und Fegen an jungen Stämmen können die Baumartenmischung und die Entwicklung der Naturverjüngung beeinflussen. Aus einem einzelnen verbissenen Baum lässt sich jedoch keine Bestandsdichte ableiten. Belastbare Beurteilungen verbinden Vegetationsaufnahme, Vergleichsflächen, räumliche Verteilung des Verbisses, Waldziel und ein revierübergreifendes Monitoring.

Anatomie und Fährtenbild
Das Trittsiegel ist klein, schmal und vorne zugespitzt; im weichen Boden oder in schneller Gangart können die Afterklauen sichtbar werden. Losung besteht aus kleinen, dunklen, meist länglichen Pillen. Nach dem Erlegen erlauben Zahnwechsel und Zahnabnutzung eine Altersansprache mit abnehmender Genauigkeit bei älteren Stücken. Eine jahrgenaue Altersbestimmung am lebenden Reh oder allein am Gehörn ist nicht möglich.
Trophäe und Bewertung
Das Gehörn wird jährlich abgeworfen und neu gebildet. Stangenform, Endenzahl und Masse hängen von Alter, Kondition, Genetik, Verletzungen und Umwelt ab; ein schwaches Gehörn beweist weder Jugend noch Krankheit. Formale Trophäenbewertung misst unter anderem Gewicht, Volumen und ausgewählte Formmerkmale, ersetzt aber keine populationsbiologische Begründung einer Entnahme.
Bestand und Management
Rehwildmonitoring stützt sich auf mehrere Indikatoren: Vegetationsentwicklung, Fallwild, Sichtbeobachtungen, Streckendaten und standardisierte Verfahren wie Fotofallen. Absolute Bestandszahlen bleiben schwierig. Managementziele müssen daher messbar formuliert werden, etwa über Verjüngungsziele und Schadensschwerpunkte, und regelmäßig an Waldentwicklung und Jagdergebnis angepasst werden.
Jagdliche Einordnung
Ansitz und Pirsch verlangen sichere Ansprache, Kugelfang und Rücksicht auf führende Ricken. Bei der Blattjagd kann ein imitierter Fieplaut Rehe heranführen; jedes unerwartet nahe auftauchende Stück muss neu angesprochen werden. Pauschale Monatsangaben ersetzen weder örtliche Beobachtung noch die Jagd- und Schonzeiten des jeweiligen Rechtsraums.
Wildbret und Verwertung
Rehwild liefert mageres, feinfaseriges Wildbret. Entscheidend sind ein sauberer Schuss, unverzügliches Aufbrechen beziehungsweise Versorgen und kontrollierte Kühlung. Rücken und Keulen eignen sich zum Kurzbraten, stärker beanspruchte Partien zum Schmoren; bei auffälligen Organen oder bedenklichen Merkmalen entscheidet die fachkundige Fleischuntersuchung.
Lebensraum und Ansprüche
Dieser redaktionelle Abschnitt befindet sich aktuell noch im Aufbau und wird in Kuerze durch unsere Fachredaktion mit vollstaendigen und geprueften Inhalten ergaenzt. Du findest hier bald fundierte und belegte Informationen zu diesem Thema.
Artenschutz & Handelsstatus: Reh
Status:Jagdbar / Nicht CITES-reguliert. Diese Art unterliegt nicht den CITES-Artenschutzbestimmungen. Für den grenzüberschreitenden Transport gelten die allgemeinen veterinär- und zollrechtlichen Vorschriften sowie das nationale Jagdrecht des Herkunfts- und Ziellandes.
- Keine CITES-Genehmigung erforderlich
- Beachtung des nationalen Jagd- und Schonzeitenrechts
- Veterinärrechtliche Bestimmungen bei Fleischtransport beachten
Was bei der Einfuhr einer Trophäe zusätzlich zu CITES gilt – TRACES NT, Veterinärbescheinigung, Zoll –, steht im Leitfaden zum Trophäenimport.
Alters- und Kategorieansprache
Merkmale zur Altersbeurteilung vor und nach dem Schuss (Gebissentwicklung, Trophäenmorphologie, Habitus und Klassen).
Ansprachemerkmale & Kriterien
Gebissentwicklung (P3-Zahnwechsel mit 12-14 Monaten von 3-teilig auf 2-teilig; M3-Molarendurchbruch); Zahnabschliff / freiliegendes Dentin; Rosenstöcke (kurz, dick, dachförmig geneigt beim alten Bock); Stirnnahtverknöcherung; Körperbau (tiefer Schwerpunkt, starker Träger, hängender Bauch beim alten Bock).
Gebissentwicklung & Zahnabschliff
Kitz (P3 3-teilig, M1 da, M2 bricht durch); Jährling/Schmalreh bis 14. Monat (P3 noch 3-teilig oder frischer 2-teiliger P3 ohne Schliff; M3 bricht durch); Mehrjährig (P3 2-teilig, M3 voll da; mit zunehmendem Alter vergrößern sich die braunen Dentinstreifen der Molaren bis zum Abschliff der Kunden).
Altersklassen & Klassifizierung
Klasse III (Jugendklasse: Kitze, Jährlinge, Schmalrehe bis 1 Jahr); Klasse II (Mittelklasse: 2- bis 4-jährige Böcke und Geißen, Zukunftsböcke); Klasse I (Ernteklasse: 5+ Jahre, reife Böcke mit zurückgesetztem Gehörnaufbau und starker Masse an der Basis).
Vergleichbare & verwandte Wildarten
Ökologische und jagdpraktische Einordnung innerhalb der Gruppe Mitteleuropäische Cerviden.
Das Reh ist die kleinste heimische Hirschart und zeichnet sich als Konzentratselektierer durch eine kurze Keimruhe (Eiruhe) nach der Blattzeit im Sommer aus. Im Gegensatz zum Rot- und Damwild wirft der Rehbock sein Gehörn bereits im Spätherbst (Oktober-Dezember) ab.
Verbreitung
Länder, in denen diese Art im Portal als vorkommend geführt wird. Die Karte zeigt die zugehörigen Regionsprofile, keine Reviergrenzen und keine Punktnachweise.
- Albanien
- Belgien
- Bosnien und Herzegowina
- Bulgarien
- Deutschland
- Dänemark
- Estland
- Georgien
- Griechenland
- Kroatien
- Lettland
- Liechtenstein
- Litauen
- Luxemburg
- Montenegro
- Niederlande
- Nordmazedonien
- Polen
- Rumänien
- Russland
- Schweden
- Schweiz
- Serbien
- Slowakei
- Spanien
- Tschechien
- Ukraine
- Ungarn
- Vereinigtes Königreich
- Österreich
Die Flächen zeigen Verwaltungsgrenzen, keine Reviergrenzen. Jagdeinrichtungen, Fütterungen und sensible Standorte werden bewusst nicht kartiert.
Wissenschaftliche Nachweise & Vorkommen: Reh

Kartengrundlage: GBIF-Basiskarte (OpenMapTiles) · Nachweise: GBIF.org, CC0 · Stand: 2026-08-27 · Darstellung: JAGDNAVIGATOR
Bürgerbeobachtungen & Fotobelege: Reh
Neben amtlichen Zählungen liefern wissenschaftlich verifizierte Sichtungen (Research Grade) von Jägern, Förstern und Naturbeobachtern Daten zu Ausbreitung, Wechseln und Vorkommen dieser Art im DACH-Raum.
Raum-Zeit-Verhalten & Aktionsräume: Reh (Rehwild)
Raumnutzung:Sehr standorttreu: 15–50 ha je Bockterritorium bzw. Geiß. Im Winter Zusammenschluss zu Sprüngen auf Feldfluren.
Saisonales Wanderverhalten:Geringe Distanzen; im Gebirge Abstieg um 200–500 Höhenmeter in geschützte Tallagen.
Wo diese Art vorkommt
DACH 46
Bundesländer und Kantone mit eigenem Jagdrecht
- Aargau
- Appenzell Ausserrhoden
- Appenzell Innerrhoden
- Baden-Württemberg
- Basel-Landschaft
- Bayern
- Bern
- Brandenburg
- Burgenland
- Freiburg
- Genf
- Glarus
- Graubünden
- Hessen
- Jura
- Kärnten
- Luzern
- Mecklenburg-Vorpommern
- Neuenburg
- Nidwalden
- Niederösterreich
- Niedersachsen
- Nordrhein-Westfalen
- Oberösterreich
- Obwalden
- Rheinland-Pfalz
- Saarland
- Sachsen
- Sachsen-Anhalt
- Salzburg
- Schaffhausen
- Schleswig-Holstein
- Schwyz
- Solothurn
- St. Gallen
- Steiermark
- Tessin
- Thurgau
- Thüringen
- Tirol
- Uri
- Vorarlberg
- Waadt
- Wallis
- Zug
- Zürich
Weltweit 0
Ziele außerhalb Europas
Keine Region zugeordnet.
Wissenschaftliche Arbeiten zu Reh
Ausgewählte Studien zur Biologie, Raumnutzung, Nahrung oder dem Management dieser Art.
- Distinctive antler morphology in European roe deer: implications for evolution, conservation and game management
- Spatial strategies and harvest dynamics in roe deer hunting
- Exploring the use of REM in compact hunting grounds comparing site specific to average parameters
- Characterising the dietary patterns of the European Roe Deer across biogeographical regions
- Food security and the value of game animals-a study of Sweden
- Cost-effectiveness of lures in attracting mammals: a large scale camera-trapping field test on European species
Häufige Fragen zu Reh
Was ist die Blattzeit beim Rehwild?
Als Blattzeit wird die sommerliche Paarungszeit bezeichnet. Ihr genauer Verlauf schwankt regional und mit der Witterung; Fieplaute können zur Beobachtung oder Lockjagd imitiert werden. Jagdzeiten sind davon getrennt und ausschließlich regional zu prüfen.
Was bedeutet 'Fegen' beim Rehbock?
Das Gehörn wächst unter einer durchbluteten Hauthülle (Bast). Im Frühjahr streift der Bock diesen vertrockneten Bast an Sträuchern und Bäumen ab - diesen Vorgang nennt man Fegen.
Wie unterscheidet man Geiß und Bock im Winterkleid?
Nach dem Abwerfen des Gehörns reicht ein einzelnes Merkmal nicht. Körperform, Verhalten, Stellung im Sprung sowie Schürze beziehungsweise Pinsel werden gemeinsam beurteilt; verdeckte oder ungünstig stehende Stücke bleiben unbestimmt.
Kann man das Alter eines Rehbocks am Gehörn sicher erkennen?
Nein. Gehörnmasse, Endenzahl und Rosen liefern im Feld keine jahrgenaue Altersangabe. Vor dem Schuss ist nur eine vorsichtige Altersklassenschätzung aus Körperbau, Verhalten und mehreren Merkmalen vertretbar.
Warum ist Kitzrettung vor der Mahd wichtig?
Ricken setzen Kitze häufig in hohes Grünland; die Jungtiere drücken sich bei Gefahr. Flächenabsprache, Suche unmittelbar vor der Mahd und Mähen von innen nach außen senken das Risiko, ersetzen aber nicht die örtlichen Sicherheits- und Tierschutzvorgaben.
Quellen und Evidenz
2 Einträge- Amtliche Primärquelle Abruf: 10.8.2026
BFW-Praxisinformation 57: Mischwälder sind stärker vom Wildeinfluss betroffen
- Peer-Review Studie Abruf: 10.8.2026
Characterising the dietary patterns of the European Roe Deer across biogeographical regions
Erstmalig erstellt: Zuletzt geändert: Redaktionelle Verantwortung: Dr. Wolfgang Spiess-Knafl