Sichere Erkennung

Charakteristisch sind die kontrastreiche schwarz-weiße Gesichtsmaske (Zügelzeichnung), der dunkle Aalstrich und die nach hinten hakenden Krucken beider Geschlechter. Die Sommerdecke ist gelblich bis rötlich braun, die dichte Winterdecke tief dunkelbraun bis fast reinschwarz mit dichter Unterwolle. Geschlecht und Altersklasse werden im Feld aus Körperbau, Verhalten, Pinsel, Trägerstärke, Zügeln und Krucken gemeinsam angesprochen.

Gämse (Gamswild) – Jungtier im natürlichen Lebensraum
Foto: Giles Laurent · CC BY-SA 4.0

Biologie und Lebensweise

Geißen, Kitze und Jährlinge leben in sozial organisierten Scharwildrudeln unter Führung einer erfahrenen Leitgeiß, während reife Böcke außerhalb der herbstlichen Brunft weitgehend als Einzelgänger oder in kleinen Bocktrupps leben. Die Brunftzeit erstreckt sich von November bis Dezember und ist von rasanten Treibjagden und Kruckenkämpfen der Böcke an den Graten geprägt. Die Kruckenlänge unterscheidet sich zwischen den Geschlechtern kaum; die Krucken der Böcke sind an der Basis jedoch stärker dimensioniert und am oberen Ende enger nach hinten-unten gehakelt, während Geißkrucken schlanker bleiben und einen offeneren Haken zeigen. Nach einer Tragzeit von etwa sechs Monaten setzen die weiblichen Gämsen zwischen Ende Mai und Anfang Juni meistens ein bis zwei Junge in geschützten Fels- oder Bergwaldeinständen. Gämsen äsen als typische Raufutterfresser zähe Gräser, Kräuter, Zwergsträucher sowie im Winter Knospen, Nadeln und Baumflechten; ihr natürliches Lebensalter liegt im ungestörten Zustand bei 15 bis 20 Jahren.

Gämse im dunklen Winterhaar mit heller Gesichtsmaske und Krucken kniet auf den Vorderläufen an einer Graskante vor einem Schneefeld
Foto: Jakub Hałun · CC BY-SA 4.0

Lebensraum nach Höhenstufe

Gamswild ist nicht auf alpine Flächen oberhalb der Baumgrenze beschränkt. Es nutzt alpine Rasen, Felsbänder, Latschen, lichte Bergmischwälder und tief eingeschnittene Schluchten. Saisonale Wechsel verbinden sichere Felseinstände, nahrungsreiche Äsungsflächen und klimatisch begünstigte Hänge je nach Schneelage und Temperatur.

Gämsen an der Südseite des Grieskogels im Reiting-Massiv (Eisenerzer Alpen, Steiermark).
Foto: Schreckgespenst · CC BY-SA 4.0

Winterökologie und Störung

Im Winter senkt Gamswild Herzfrequenz und Grundumsatz drastisch, um mit den knappen Futterreserven auszukommen. Sonnige, windabgeblasene Steilhänge und ruhige Bergwaldeinstände sparen lebensnotwendige Energie. Unvorhersehbare Störungen durch Tourengeher, Freerider und Wintertourismus lösen energiezehrende Fluchten im Tiefschnee aus; verbindliche Wildruhezonen und gelenkte Wegeführung sind unverzichtbar.

Anatomie und Fährtenbild

Die Schalen besitzen harte, scharfe Hornränder und elastische Ballenpolster, die auf glattem Nassfels, Geröll und Schnee hervorragenden Halt garantieren. Über ein dehnbares Zwischenklauenband können die Schalen spreizen und wirken wie Steigeisen. Das Trittsiegel ist schmal, spitz zulaufend und zeigt im Steilhang oder auf Schnee deutliche Abdrücke des Aftergeäses. Zur Alters- und Geschlechtsansprache müssen Spurverlauf, Schrittlänge und Hangneigung herangezogen werden.

Altersansprache und Grenzen

Die Altersansprache am lebenden Stück stützt sich auf Habitus, Verhalten und Kruckenmerkmale: Jährlinge sind schmächtig mit dünnen Krucken, mittelalte Böcke zeigen muskulösen Körperbau und wuchtige Träger, während alte Reifegämsen tiefgestellt und walzenförmig mit aufgehelltem Gesicht wirken. Am erlegten Stück ermöglicht das Zählen der Jahresringe (Pechringe) an den Krucken eine exakte Altersbestimmung, da nach dem Jugendwachstum jeder Winter eine ringförmige Wachstumsunterbrechung hinterlässt. Flankierend wird der Zahnabschliff der Schneidezähne im Unterkiefer beurteilt.

Gesundheit und Krankheiten

Gamsräude wird durch die Grabmilbe Sarcoptes rupicaprae verursacht und kann regional seuchenhaft mit Mortalitätsraten von bis zu 80 % auftreten. Die hochgradig kontagiöse Parasitose führt zu quälendem Juckreiz, dichter Borkenbildung, Haarausfall und Erfrieren im Winter. Gamsblindheit (Infektiöse Keratokonjunktivitis / IKK, Erreger Mycoplasma conjunctivae) führt zur Eintrübung der Hornhaut bis zum völligen Erblinden, wodurch viele Tiere im Steilgelände zu Tode stürzen (Absturzfallwild). Weideschafe auf Hochalmen fungieren als wesentliches Erregerreservoir. Zudem schwächen Lungenwürmer (Protostrongyliden) und Magen-Darm-Nematoden die Bestände im Frühjahr. Sichtbefund allein genügt nicht: Auffälliges oder gehäuft gefundenes Fallwild ist unverzüglich über den regionalen behördlichen Meldeweg veterinärdiagnostisch abzuklären.

Trophäe und Bewertung

Die Krucken von Bock und Geiß werden traditionell auf einem Trophäenschild aufgesetzt und nach internationalen CIC-Formeln bewertet; Kriterien sind Auslage, Höhe der Schläuche, Umfang an der stärksten Stelle und Ausprägung der Hakelung. Eine traditionelle Trophäe des Alpenraums ist der Gamsbart, der aus den bis zu 25 cm langen Haaren gebunden wird, die entlang des Widerristes eines reifen Platzbockes während der Brunft wachsen. Ein weiteres überliefertes Jagdzeichen ist das Herzkreuz (Os cordis), eine kreuzförmige Knorpel- und Knochenbildung älterer Gämsen an der Herzbasis.

Jagdliche Einordnung

Die alpine Jagd auf Gamswild verlangt exzellente körperliche Kondition, alpine Trittsicherheit, ballistisches Verständnis beim Schießen im steilen Bergauf- und Bergabgelände ('Bergauf, bergab – halt immer drunter!') sowie einen absolut sicheren natürlichen Kugelfang im Fels. Weite Schussdistanzen, wechselnde Fallwinde, plötzliche Wetterumschwünge und der oft fehlende Mobilfunkempfang müssen vor dem Aufstieg einkalkuliert werden. Bei der Bergung im Hochgebirge stehen Sicherung des Schützen und die rasche Kühlkette im Vordergrund; führende Geißen sind nach den Elterntierschutzbestimmungen (§ 22 Abs. 4 BJagdG und Landesjagdgesetze) absolut geschont.

Wildbret und Verwertung

Gamswild liefert ein herausragendes, dunkelrotes und feinfaseriges Wildbret mit edler, feinherber Kräuternote, das reich an Eisen und extrem fettarm ist. Rücken und Schlögel eignen sich ideal für kurzgebratene Medaillons und Festtagsbraten, während Träger, Blatt und Bauchlappen zu Berg-Ragout, Gulasch oder traditionellen Gamswürsteln verarbeitet werden. Wegen der anspruchsvollen Bergung im Hochgebirge ist die Wildbrethygiene zeitkritisch: Das Stück muss unmittelbar nach dem Erlegen im Steilhang aufgebrochen und gelüftet werden, um einen Hitzestau in der dichten Decke zu verhindern, bevor der Abtransport ins Tal und eine kontrollierte Kühlung auf unter +7 °C erfolgt.

Lebensraum und Ansprüche

Die Gämse ist von den Pyrenäen über Alpen und Balkan bis in die Karpaten verbreitet; in Deutschland liegt der Schwerpunkt in den Bayerischen Alpen (z. B. Karwendel, Berchtesgadener Alpen). GPS-Telemetriedaten belegen, dass Geißen im Mittel höheres Gelände nutzen als Böcke und beide Geschlechter raues Steilgelände präferieren. Der Bergmischwald wird ganzjährig weit stärker frequentiert, als Sichtbeobachtungen vermuten lassen: Gämsen sind hitzeempfindlich und suchen an warmen Sommertagen kühle Einstände im Schutz des Kronendaches sowie feuchte Hochstaudenfluren in Lawinenzügen auf. Im Winter bietet der Schutzwald Zuflucht vor Stürmen und extremer Schneelast.

Bestand und Management

Die Abschussplanung beim Gamswild folgt in den Alpenländern strengen Richtlinien nach Altersklassen (Klasse I, II, III), Kitzquote und Geschlechterverhältnis. Ziel ist der Erhalt einer natürlichen Alterspyramide mit hohem Anteil reifer Alttiere (Klasse I), da diese die Bestandsstabilität und Seuchenresistenz sichern. Schutzwaldsanierungsgebiete und forstliche Verjüngungsziele erfordern ein sorgfältig abgestimmtes Wildtiermanagement mit Beruhigungszonen, um eine Übernutzung und Destabilisierung der Bestände zu verhindern. In Schweizer Kantonen (wie GR, BE, VS) und österreichischen Bundesländern ergänzen koordinierte Zählungen von Jägerschaft und Wildhut die behördliche Planung.

Bestandszahlen und Jagdstrecke

Schneereiche Extremwinter und Seuchenzüge wie Räude oder Gamsblindheit führten regional zu spürbaren Bestandseinbrüchen. Eine Ursachenanalyse zeigt, dass neben klimatischen Faktoren vor allem der zunehmende Freizeit- und Bergsportdruck im Sommer wie im Winter Einstände einengt und den physiologischen Stress erhöht. Eine fundierte Auswertung der Jagdstrecken unterstreicht die Notwendigkeit, Abschussquoten dynamisch an Fallwildereignisse und Bestandserhebungen anzupassen, um eine nachhaltige Alters- und Sozialstruktur zu bewahren.

Krankheiten und Fallwild

Epidemiologische Untersuchungen der Veterinärmedizinischen Universitäten und der AGES belegen signifikante Zusammenhänge zwischen Almbeweidung durch Schafe und Ausbrüchen von Gamsblindheit (IKK) sowie Lungenentzündungen beim Gamswild. Ein aktives und passives Seuchenmonitoring über Fallwilduntersuchungen dient als unverzichtbares Frühwarnsystem. Eine intakte Altersstruktur mit ausreichend reifen Tieren stärkt die Herdenimmunität und senkt das Risiko großflächiger Seuchenzüge im Alpenraum.

Bejagung und Hege

Gamswild reagiert auf Bejagungsdruck mit Ausweichbewegungen in unzugängliche Felslagen oder dichte Bergwälder. In Deutschland zählt es nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 BJagdG zum Schalenwild mit Kaliberanforderung ab 6,5 mm und 2.000 Joule E100 (§ 19 Abs. 1 Nr. 2 lit. b BJagdG) sowie Bundesjagdzeit vom 1. August bis 15. Dezember (§ 1 Abs. 1 Nr. 1 lit. b JagdzeitV) unter Schutz führender Geißen (§ 22 Abs. 4 BJagdG). In der Schweiz ist die Gämse nach Art. 5 Abs. 1 Bst. e JSG mit Schonzeit vom 1. Januar bis 31. Juli jagdbar, während in Österreich eine behördliche Abschussplanung nach Altersklassen gilt.

Schutz und rechtlicher Rahmen

Die Gämse (Rupicapra rupicapra) ist in Anhang V der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) gelistet, was die Mitgliedstaaten zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung und regelmäßigen Berichterstattung (Art. 17) verpflichtet. Zudem ist sie in Anhang III der Berner Konvention geschützt. In der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands wird das Gamswild auf der Vorwarnliste (Kategorie V) geführt, was den hohen Handlungsbedarf für Lebensraumschutz und störungsarme Rückzugsräume unterstreicht.

Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES Nicht CITES (außer R. pyrenaica ornata Anh. I) / Berner Konv. Anh. III / FFH Anh. V · EU FFH Anhang V (VO (EG) 338/97 nicht gelistet)

Artenschutz & Handelsstatus: Gämse (Gamswild)

Status: Jagdbar nach FFH-Richtlinie Anhang V & Berner Konvention Anhang III / Nicht CITES-reguliert. Die alpine Gämse (Rupicapra rupicapra) ist nicht CITES-gelistet (die Unterart R. pyrenaica ornata ist in CITES Anhang I gelistet). Auf europäischer Ebene unterliegt die Art Anhang V der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) und Anhang III der Berner Konvention (geschützte Tierart mit geregelter jagdlicher Nutzung). Für den grenzüberschreitenden Transport von Trophäen (Krucken auf Schädel/Brett, Gamsbart, Decke) und Wildbret innerhalb der EU bzw. des Schengen-Raums ist keine CITES-Einfuhrgenehmigung erforderlich. Erforderlich sind jedoch der amtliche Erlegungs-/Abschussnachweis (Streckenliste/Abschussbestätigung), die Beachtung der Seuchenhygiene (vollständig ausgekochter und desinfizierter Schädelknochen bei Krucken) sowie die veterinärrechtlichen Beförderungsregeln für Schalenwildfleisch.

Bestimmungen für Ein- & Ausfuhr (Jagdtrophäen):
  • Keine CITES-Genehmigung für Rupicapra rupicapra erforderlich (Hinweis: Unterart ornata in CITES I)
  • Gelistet in FFH-Richtlinie Anhang V (nachhaltige Entnahme) und Berner Konvention Anhang III
  • Amtlicher Abschussnachweis / Jagderlaubnis des Herkunftslandes erforderlich
  • Trophäenhygiene: Vollständig ausgekochte und gebleichte Schädelknochen (Krucken)
  • Veterinärrechtliche Vorgaben beim Mitführen von Wildbret beachten

Was bei der Einfuhr einer Trophäe zusätzlich zu CITES gilt – TRACES NT, Veterinärbescheinigung, Zoll –, steht im Leitfaden zum Trophäenimport.

Alters- und Kategorieansprache

Merkmale zur Altersbeurteilung vor und nach dem Schuss (Gebissentwicklung, Trophäenmorphologie, Habitus und Klassen).

Ansprachemerkmale & Kriterien

Die Altersansprache am erlegten Stück basiert primär auf dem Zählen der Jahresringe (Pechringe) an den Krucken. Nach dem Hornknöpfchen im 1. Lebensjahr und dem stärksten Zuwachsschub im 2. Lebensjahr prägt jede winterliche Wachstumsruhe einen markanten Ring ein. Bei reifen Tieren schrumpft der jährliche Zuwachs an der Hornbasis auf feine Millimeterringe, ergänzt durch die Beurteilung des Zahnabschliffs im Unterkiefer.

Gebissentwicklung & Zahnabschliff

Gebiss der Boviden (Zahnformel: I 0/3, C 0/1, P 3/3, M 3/3 = 32 Zähne; im Oberkiefer befindet sich anstelle von Schneidezähnen eine harte Kauplatte). Der Schneidezahnwechsel im Unterkiefer ermöglicht eine präzise Altersbestimmung bis zum 4. Lebensjahr: Die Zangen (I1) wechseln mit ca. 15 Monaten, die inneren Mittelzähne (I2) mit ca. 27 Monaten, die äußeren Mittelzähne (I3) mit ca. 39 Monaten und die Eckzähne (C/I4) mit ca. 48–52 Monaten. Ab dem 5. Lebensjahr ist das Dauergebiss vollständig; das Alter wird fortan anhand des fortschreitenden Abschliffs der Schmelzleisten der Zangen und Molaren sowie des Zahnfleischrückgangs beurteilt.

Altersklassen & Klassifizierung

Altersklassen nach forst- und jagdlichen Richtlinien: Klasse III (Jugendklasse) umfasst Jährlinge sowie zwei- und dreijährige Stücke bis zum vollendeten 4. Lebensjahr, während Kitze gesondert geführt werden. Klasse II (Mittelklasse) umfasst Stücke vom vollendeten 4. bis zum 8. Lebensjahr (bei Geißen teils bis zum 9. Lebensjahr), und Klasse I (Reifeklasse) reife Böcke ab 8 sowie Geißen ab 10 bis 11 Jahren.

Vergleichbare & verwandte Wildarten

Ökologische und jagdpraktische Einordnung innerhalb der Gruppe Alpine Boviden / Ziegenartige (Caprinae).

Die Gämse (Rupicapra rupicapra) unterscheidet sich von den anderen Hornträgern (Boviden) des europäischen Berglandes — dem Alpensteinbock (Capra ibex) und dem Muffelwild (Ovis gmelini musimon) — durch deutliche Merkmale: 1. Hörner: Beide Geschlechter der Gämse tragen schlanke, hakenförmig nach hinten gebogene Krucken. Beim Steinwild tragen Böcke mächtige, bis zu 1 m lange Hörner mit Querwülsten (Geißen kurze Hörnchen), beim Muffelwild trägt der Widder schneckenförmig gedrehte Schnecken, während Schafe meist hornlos sind. 2. Schalenanatomie: Die Schalen der Gämse besitzen harte Ränder und elastische Ballenkerne mit dehnbarem Zwischenklauenband, die hervorragenden Halt auf glattem Fels und Schnee bieten. 3. Lebensraum: Gamswild nutzt alpine Rasen ebenso wie steile Bergmischwälder und Schluchten. 4. Trophäen: Neben den Krucken sind der aus den Widerristhaaren gebundene Gamsbart und das Herzkreuz (Os cordis) traditionsreich.

Verwandte Arten im Atlas:

Verbreitung

Nachgewiesene Vorkommen von Gämse (Gamswild) nach Ländern. Die Karte markiert die Jagdregionen mit Vorkommen, keine Reviergrenzen.

Kartengrundlage: Natural Earth (Public Domain, CC0) · Kartenstand: · Darstellung: JAGDNAVIGATOR
Die Flächen zeigen Verwaltungsgrenzen, keine Reviergrenzen. Jagdeinrichtungen, Fütterungen und sensible Standorte werden bewusst nicht kartiert.

Verbreitung von Gämse (Gamswild)

Grün: Länder mit Nachweis. Punkte: Jagdregionen mit eigenem Profil.

  • Land mit Nachweis
  • Jagdregion mit Profil

Staatsgrenzen: Natural Earth (gemeinfrei) · Darstellung: JAGDNAVIGATOR · Die Grenzen zeigen Staaten, keine Jagdgebiete.

Global Biodiversity Information FacilityGBIF Taxon #5220170

Wissenschaftliche Nachweise & Vorkommen: Gämse (Gamswild)

GBIF Taxon
GBIF-Nachweise von Gämse (Gamswild) (Rupicapra rupicapra) in Europa. Gelbe bis rote Punkte: Dichte wissenschaftlicher Beobachtungen.
Dichte wissenschaftlicher Nachweise
EinzelfundeHohe Dichte

Kartengrundlage: GBIF-Basiskarte, © OpenStreetMap contributors, © OpenMapTiles · Nachweise: GBIF.org, CC0 · Stand: 23. Oktober 2026 · Darstellung: JAGDNAVIGATOR

Bürgerwissenschaften & MonitoringiNaturalist

Bürgerbeobachtungen & Fotobelege: Gämse (Gamswild)

Neben amtlichen Zählungen liefern wissenschaftlich verifizierte Sichtungen (Research Grade) von Jägern, Förstern und Naturbeobachtern Daten zu Ausbreitung, Wechseln und Vorkommen dieser Art in ihrem Verbreitungsgebiet.

Wo diese Art vorkommt

Jagd- und Schonzeiten nach Rechtsraum

Jagdzeiten setzt jedes Bundesland und jeder Kanton selbst fest, oft getrennt nach Wildklasse. Die Tabelle gibt die Zeiten für Gämse (Gamswild) aus 39 Verordnungen wieder. Verbindlich ist die amtliche Fassung, die auf der jeweiligen Rechtsraumseite verlinkt ist.

Jagdzeiten für Gämse (Gamswild) nach Rechtsraum
Rechtsraum Wildklasse Jagdzeit
Burgenland (AT) alle Klassen 1. August bis 31. Dezember
Wien (AT) alle Klassen ganzjährig geschont
Salzburg (AT) alle Klassen 16. Juli bis 15. Dezember
Kärnten (AT) alle Klassen 1. August bis 31. Dezember
Niederösterreich (AT) Bock 1. Juli bis 31. Dezember
Niederösterreich (AT) Geiß der Altersklasse III 1. Juli bis 31. Dezember
Niederösterreich (AT) sonstige Geißen und Kitze 1. August bis 31. Dezember
Oberösterreich (AT) einjähriges Gamswild 1. Mai bis 31. Dezember
Oberösterreich (AT) sonstiges Gamswild 1. August bis 31. Dezember
Steiermark (AT) alle Klassen 1. August bis 31. Dezember
Tirol (AT) Gamswild allgemein (im Bezirk Lienz bis 31.12.) 1. August bis 15. Dezember
Vorarlberg (AT) Gamsböcke, Gamsgeißen und Gamskitze 1. August bis 31. Dezember
Zürich (CH) alle Klassen 2. August bis 31. Dezember
Aargau (CH) alle Klassen 1. August bis 31. Dezember
Solothurn (CH) alle Klassen 1. August bis 31. Oktober
Luzern (CH) Fassung bis alle Klassen 1. September bis 15. Dezember
Zug (CH) Fassung bis Hochwildjagd 1. September bis 23. September
St. Gallen (CH) Fassung bis Böcke 15. August bis 31. Oktober
St. Gallen (CH) Geissen, Jährlinge, Kitze 15. August bis 19. Dezember
Appenzell Ausserrhoden (CH) Fassung bis Hochjagd 1. September bis 19. September
Appenzell Innerrhoden (CH) Fassung bis Hochwildjagd 7. September bis 3. Oktober
Graubünden (CH) Fassung bis erste Phase 3. September bis 13. September
Graubünden (CH) zweite Phase, ohne Verlängerungsgebiete 21. September bis 26. September
Schwyz (CH) Fassung bis alle Klassen 1. September bis 19. September
Nidwalden (CH) Fassung bis Hochjagd 1. September bis 22. September
Obwalden (CH) Fassung bis Hochjagd, längstens 1. September bis 24. September
Bern (CH) Patent A 10. September bis 30. September
Waadt (CH) Fassung bis Alpen einschliesslich Chablais 14. September bis 18. September
Waadt (CH) Alpen einschliesslich Chablais 21. September bis 24. September
Waadt (CH) Jura, Pied du Jura und Ebene 17. September bis 18. September
Waadt (CH) Jura, Pied du Jura und Ebene 17. Dezember bis 18. Dezember
Neuenburg (CH) Fassung bis Patent B, nur 12., 14., 16., 17., 19., 23. und 24. September 2026 12. September bis 24. September
Jura (CH) Fassung bis Permis D 2. September bis 30. September
Wallis (CH) Fassung bis Permis A, Montag bis Samstag 21. September bis 3. Oktober
Tessin (CH) Fassung bis Hochjagd, nach Tagesraster der Tabelle 5. September bis 27. September
Bayern (DE) alle Klassen 1. August bis 15. Dezember
Baden-Württemberg (DE) Jährlinge beider Geschlechter 1. Juli bis 31. Januar
Baden-Württemberg (DE) Geißen und Kitze 1. September bis 31. Januar
Baden-Württemberg (DE) Böcke 1. September bis 31. Januar
Niedersachsen (DE) alle Klassen 1. August bis 15. Dezember (nach JagdzeitV des Bundes)
Brandenburg (DE) alle Klassen 1. August bis 15. Dezember (nach JagdzeitV des Bundes)
Sachsen (DE) alle Klassen 1. August bis 31. Januar
Berlin (DE) alle Klassen 1. August bis 15. Dezember (nach JagdzeitV des Bundes)
Bremen (DE) alle Klassen 1. August bis 15. Dezember (nach JagdzeitV des Bundes)
Hamburg (DE) alle Klassen 1. August bis 15. Dezember (nach JagdzeitV des Bundes)
Sachsen-Anhalt (DE) alle Klassen 1. August bis 15. Dezember
Schleswig-Holstein (DE) alle Klassen 1. August bis 15. Dezember (nach JagdzeitV des Bundes)
Thüringen (DE) Fassung bis alle Klassen 1. August bis 15. Dezember (nach JagdzeitV des Bundes)
Mecklenburg-Vorpommern (DE) alle Klassen 1. August bis 15. Dezember (nach JagdzeitV des Bundes)

Jagdrecht und Verordnungen aller Bundesländer und Kantone

Wissenschaftliche Arbeiten zu Gämse (Gamswild)

Ausgewählte Studien zur Biologie, Raumnutzung, Nahrung oder dem Management dieser Art.

Häufige Fragen zu Gämse (Gamswild)

Tragen auch weibliche Gämsen (Geißen) Hörner?

Ja. Im Gegensatz zu den meisten anderen Hornträgern tragen beim Gamswild beide Geschlechter dauerhaft wachsende Hörner, die sogenannten Krucken. Krucken von Böcken sind an der Basis dicker, stehen oft paralleler und hakeln am oberen Ende enger (über 180°), während Geißkrucken an der Basis schlanker sind, V-förmig spreizen und einen offeneren Haken aufweisen.

Woran unterscheidet man Bock und Geiß beim Ansprechen im Feld?

Die Unterscheidung erfordert das Zusammenspiel mehrerer Merkmale: Der Gamsbock wirkt gedrungener mit starkem, muskulösem Träger, tiefer gelegter Brust und trägt an der Bauchunterseite einen deutlichen Pinsel; beim Nässen knickt er die Hinterläufe kaum ein. Die Gamsgeiß ist langhalsiger, hochläufiger, hat ein schlankeres Gesicht, uriniert in hockender Stellung und führt im Sommer und Herbst meist ein Kitz bei Fuß.

Was ist der Gamsbart und wie wird er gewonnen?

Der Gamsbart ist ein traditionsreicher Hutschmuck im Alpenraum. Er wird aus den bis zu 25 cm langen Haaren gebunden, die entlang des Widerristes eines reifen Platzbockes während der Brunft wachsen.

Was versteht man unter dem Herzkreuz beim Gamswild?

Das Herzkreuz (Os cordis) ist eine kleine, kreuzförmige Knorpel- und Knochenbildung, die sich bei älteren Gämsen an der Basis der Herzklappen im Herzmuskel entwickelt. Es galt im überlieferten alpinen Jagdbrauchtum als begehrtes Waidmannszeichen und glücksbringendes Amulett.

Warum sind Winterstörungen für Gamswild kritisch?

Gamswild senkt im Hochwinter seinen Stoffwechsel und seine Herzfrequenz drastisch ab, um mit dem spärlichen Äsungsangebot unter der Schneedecke zu überleben. Unvorhergesehene Störungen durch Skitourengeher, Freerider oder Wanderer lösen Panikfluchten im Tiefschnee aus, die enorme Energiereserven aufzehren und rasch zu Entkräftung, Aborten und Kältetod führen können.

Wie bestimmt man das Alter einer Gämse?

Am erlegten Stück lässt sich das Alter anhand der Krucken ablesen: Nach dem Jugendwachstum hinterlässt jeder Winter eine ringförmige Einkerbung (den Jahres- bzw. Pechring) durch Wachstumsstillstand. Bei älteren Tieren drängen sich an der Kruckenbasis feine Millimeterringe.

Was ist Gamsräude und wie verläuft sie?

Gamsräude ist eine durch die Milbe Sarcoptes rupicaprae hervorgerufene, hochkontagiöse Parasitose. Sie führt zu extremem Juckreiz, Borken- und Schorfbildung sowie massivem Haarausfall. Befallene Tiere verlieren die Thermoisolation der Winterdecke und magern ab. In dichten Populationen kann die Räude bis zu 80 % der Tiere eines Talkessels dahinraffen.

Was ist Gamsblindheit (IKK) und welche Rolle spielen Weideschafe?

Die Gamsblindheit (Infektiöse Keratokonjunktivitis / IKK) wird durch das Bakterium Mycoplasma conjunctivae ausgelöst. Sie verursacht schwere Hornhautentzündungen mit eitriger Trübung und Erblindung. Hausschafe auf Hochalmen fungieren als wesentliches Erregerreservoir, weshalb eine strikte Weidehygiene zwischen Viehwirtschaft und Wildtiermanagement erforderlich ist.

Lebt die Gämse immer oberhalb der Baumgrenze?

Nein. Telemetriestudien und forstliche Erfassungen belegen, dass Gamswild steile, lichte Bergmischwälder (das sogenannte Waldgamswild) ganzjährig intensiv nutzt. Steilhänge, Felsbänder und Schluchten im Wald bieten reichhaltige Hochstaudenäsung, Kühle im Hochsommer und Schutz vor winterlichen Stürmen.

Quellen und Evidenz

10 Einträge
  1. Amtliche Primärquelle Abruf: 9.8.2026

    Wald und Wild - Grundlagen für die Praxis

    Bundesamt für Umwelt BAFU Primärdokument öffnen ↗
  2. Amtliche Primärquelle Abruf: 9.8.2026

    Was macht unser Gamswild krank?

    Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit Primärdokument öffnen ↗
  3. Ergänzende Fachquelle Abruf: 9.8.2026

    End-pH-Werte im Rückenmuskel von erlegten Gämsen und Einfluss der Lage der Schusswunde

    Veterinärmedizinische Universität Wien Primärdokument öffnen ↗
  4. Amtliche Primärquelle

    Lebensräume der Gams

    Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) Primärdokument öffnen ↗
  5. Amtliche Primärquelle

    Lebensräume der Gams in den bayerischen Alpen

    Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) Primärdokument öffnen ↗
  6. Fachverband / Körperschaft

    Das Gamswild in den Bayerischen Alpen

    Deutsche Wildtier Stiftung Primärdokument öffnen ↗
  7. Amtliche Primärquelle

    Richtlinie 92/43/EWG

    Rat der Europäischen Gemeinschaften Primärdokument öffnen ↗
  8. Amtliche Primärquelle Abruf: 12.10.2026

    Rote Liste und Gesamtartenliste der Säugetiere Deutschlands

    Rote-Liste-Zentrum / BfN Primärdokument öffnen ↗
  9. Amtliche Primärquelle

    Jagdstatistik 2023/2024

  10. Fachverband / Körperschaft

    Richtlinien für die Abschussplanung beim Gamswild

    Steirische Landesjägerschaft Primärdokument öffnen ↗

Geltung und Prüfstand

Gilt für
Biologie und jagdliche Einordnung. Jagd- und Schonzeiten gelten nur im jeweiligen Rechtsraum.
Inhalt geprüft