Lebensräume: Feldrevier, Eichen- & Buchenwälder, Auwald, Schilfgebiete

Übliche Jagdarten: Nachtansitz an Kirrungen mit Wärmebild, Großräumige Drückjagd / Bewegungsjagd

Brunft oder Paarung: November bis Januar (Rausche)

Jagdliche Klasse: Schwarzwild · Schweineartige

Wildschwein im Seitenprofil — Aufnahme im Wild-Erlebnispark Daun, also im Gehege
Foto: Superbass · CC BY-SA 3.0

Sichere Erkennung

Schwarzwild wirkt gedrungen, mit keilförmigem Haupt, kräftigem Vorderkörper und dünnen Läufen. Frischlinge tragen im ersten Lebensabschnitt Längsstreifen; Überläufer verlieren diese Zeichnung. Geschlecht und Führungsstatus sind auf Distanz oft schwer zu erkennen. Pinsel, Gesäuge, Körperform, Verhalten und Stellung in der Rotte werden gemeinsam beurteilt; fehlt Sicherheit, unterbleibt der Schuss.

Wildschwein (Schwarzwild) in freier Wildbahn
Foto: U.S. Department of Agriculture Tyler Campbell/USDA photo by Tyler Campbell · Public domain

Biologie und Lebensweise

Bachen, Frischlinge und jüngere Stücke bilden matrilineare Rotten. Erwachsene Keiler leben überwiegend einzeln und schließen sich zur Rauschzeit zeitweise an. Schwarzwild kann sich bei gutem Nahrungsangebot früh fortpflanzen; Reproduktion und Überleben reagieren stark auf Mastjahre, Feldfrüchte, Witterung und Bejagung. Der sogenannte Schild älterer Keiler ist eine verdickte Bindegewebsschicht im Schulterbereich.

Bronzeplastik „Herkules und der erymanthische Eber“ im Berliner Tiergarten
Foto: Georg Slickers · CC BY-SA 3.0

Nahrung und Raumnutzung

Als Allesfresser nutzt Schwarzwild Eicheln, Bucheckern, Wurzeln, Gräser, Feldfrüchte, Wirbellose und Aas. Wühlen schafft offene Bodenstellen, kann aber Grünland, Äcker und sensible Lebensräume erheblich beeinträchtigen. GPS-Studien zeigen: Bei hoher Dichte wird Agrarland stärker genutzt, während individuelle Streifgebiete kleiner werden können. Schäden sind deshalb räumlich und zeitlich zu erfassen, nicht nur aus der Jahresstrecke abzuleiten.

Wildschwein (Schwarzwild) im Lebensraum
Foto: John and Karen Hollingsworth · Public domain

Anatomie und Fährtenbild

Das Trittsiegel ist breit, die Schalen stehen häufig gespreizt. Afterklauen können sich besonders in weichem Boden oder bei schneller Bewegung abzeichnen; sie sind nicht in jedem Abdruck sichtbar und kein alleiniger Größen- oder Altersindikator. Wühlflächen heißen Gebrech, hinzu kommen Suhlen, Malbäume und kräftige Wechsel als typische Revierzeichen.

Wildschwein (Schwarzwild) – erlegtes Stück
Foto: Mikael Tham · CC BY 3.0

Trophäe und Bewertung

Die Eckzähne des Keilers werden zusammen als Waffen bezeichnet: Im Unterkiefer sitzen die Gewehre, im Oberkiefer die Haderer. Sie wachsen fortlaufend und schleifen aneinander. Formale Bewertung erfasst Maße und Schleifflächen; aus der sichtbaren Zahnspitze am lebenden Stück lässt sich weder das genaue Alter noch die verborgene Gesamtlänge sicher bestimmen.

Eberkopfterrine (boar head tureen), Modell: Gottfried Becker; Maler: vermutlich Ignaz Zoschinger; Höchst, um 1748 Gallery: Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim
Foto: Photo: Andreas Praefcke · Public domain

Bestand und Management

Freizeitjagd allein kann wachsende Bestände unter günstigen Umweltbedingungen häufig nicht stabilisieren. Wirksamkeit entsteht aus revierübergreifender Planung, abgestimmten Bewegungsjagden, konsequenter Entnahme geeigneter nichtführender Stücke, Schadenserfassung und laufendem Monitoring. Kirrungen dürfen nicht zu zusätzlicher Fütterung werden. Jede Maßnahme bleibt an Jagdrecht, Tierschutz und Muttertierschutz gebunden.

Seuchenprävention und Hygiene

Die Afrikanische Schweinepest ist für Menschen ungefährlich, für Haus- und Wildschweine jedoch meist tödlich und wirtschaftlich schwerwiegend. Verdächtiges Fallwild wird nicht eigenmächtig bewegt; Fundort und Behörde sind nach regionalem Verfahren zu melden. Ausrüstung, Schuhe, Fahrzeuge und Wildtransport können Erreger verschleppen. Deshalb gelten Trennung sauberer und unreiner Bereiche, behördlich vorgegebene Desinfektion und das Verbot, Speisereste in die Landschaft zu bringen.

Jagdliche Einordnung

Ansitz und Bewegungsjagd verlangen besonders sichere Ansprache. Wärmebildtechnik unterstützt das Finden, ersetzt aber weder Identifikation noch Kugelfang. Auf Bewegungsjagden werden Schusssektoren, zulässige Stücke, Hundeeinsatz und Nachsuche vor Beginn eindeutig festgelegt. Nachtjagd und Technikgebrauch sind rechtlich unterschiedlich geregelt und werden hier nicht pauschal beschrieben.

Wildbret und Verwertung

Schwarzwild liefert aromatisches, je nach Alter unterschiedlich kräftiges Wildbret. Vor der Abgabe oder dem Eigenverzehr sind die vorgeschriebenen Untersuchungen, insbesondere auf Trichinen, abzuwarten. Radiocäsiumkontrollen gelten nur in bestimmten belasteten Gebieten nach regionalen Vorgaben. Sauberes Aufbrechen, Schutz vor Magen-Darm-Inhalt, rasche Kühlung und vollständiges Durchgaren bei ungeklärten Risiken sind zentrale Hygieneschritte.

Lebensraum und Ansprüche

Dieser redaktionelle Abschnitt befindet sich aktuell noch im Aufbau und wird in Kuerze durch unsere Fachredaktion mit vollstaendigen und geprueften Inhalten ergaenzt. Du findest hier bald fundierte und belegte Informationen zu diesem Thema.

Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES Nicht gelistet · EU Nicht gelistet

Artenschutz & Handelsstatus: Wildschwein (Schwarzwild)

Status:Jagdbar / Nicht CITES-reguliert. Diese Art unterliegt nicht den CITES-Artenschutzbestimmungen. Für den grenzüberschreitenden Transport gelten die allgemeinen veterinär- und zollrechtlichen Vorschriften sowie das nationale Jagdrecht des Herkunfts- und Ziellandes.

Bestimmungen für Ein- & Ausfuhr (Jagdtrophäen):
  • Keine CITES-Genehmigung erforderlich
  • Beachtung des nationalen Jagd- und Schonzeitenrechts
  • Veterinärrechtliche Bestimmungen bei Fleischtransport beachten

Was bei der Einfuhr einer Trophäe zusätzlich zu CITES gilt – TRACES NT, Veterinärbescheinigung, Zoll –, steht im Leitfaden zum Trophäenimport.

Alters- und Kategorieansprache

Merkmale zur Altersbeurteilung vor und nach dem Schuss (Gebissentwicklung, Trophäenmorphologie, Habitus und Klassen).

Ansprachemerkmale & Kriterien

Gebissentwicklung: I3- und C-Wechsel mit ca. 6-10 Monaten; P4-Wechsel mit ca. 12-14 Monaten; Durchbruch des hintersten Backenzahns (M3) erst mit ca. 22-24 Monaten; Gewaff (Länge, Schliff und Basisdicke der Haderer und Gewehre); Körperbau (Karpfenrücken, Quaste, Pinsel).

Gebissentwicklung & Zahnabschliff

Frischling (<12 Monate: Milchgebiss, M1/M2 brechen durch); Überläufer (12-24 Monate: P4 wechselt, M3 bricht durch); Mehrjährig (24+ Monate: M3 vollständig herausgewachsen mit 4-5 Höckern).

Altersklassen & Klassifizierung

Frischling (bis 1. Lebensjahr, Gewicht meist <35 kg); Überläufer (2. Lebensjahr, 35-65 kg); Mehrjähriges Stück / Keiler / Altbache (ab 3. Lebensjahr, voll ausgebildetes Gewaff, Masse über 70-120+ kg).

Vergleichbare & verwandte Wildarten

Ökologische und jagdpraktische Einordnung innerhalb der Gruppe Suidae (Echte Schweine).

Schwarzwild ist die einzige Schalenwildart mit Allesfressergebiss und mehrfachen Würfen pro Jahr bei hoher Reproduktionsrate (bis über 250-300%).

Verwandte Arten im Atlas:

Verbreitung

Länder, in denen diese Art im Portal als vorkommend geführt wird. Die Karte zeigt die zugehörigen Regionsprofile, keine Reviergrenzen und keine Punktnachweise.

Kartengrundlage: Natural Earth (Public Domain, CC0) · Kartenstand: · Darstellung: JAGDNAVIGATOR
Die Flächen zeigen Verwaltungsgrenzen, keine Reviergrenzen. Jagdeinrichtungen, Fütterungen und sensible Standorte werden bewusst nicht kartiert.
Global Biodiversity Information FacilityGBIF Taxon #7705930

Wissenschaftliche Nachweise & Vorkommen: Wildschwein (Schwarzwild)

GBIF Taxon
GBIF-Nachweise von Wildschwein (Schwarzwild) (Sus scrofa) in Europa. Gelbe bis rote Punkte: Dichte wissenschaftlicher Beobachtungen.
Dichte wissenschaftlicher Nachweise
EinzelfundeHohe Dichte

Kartengrundlage: GBIF-Basiskarte (OpenMapTiles) · Nachweise: GBIF.org, CC0 · Stand: 2026-08-27 · Darstellung: JAGDNAVIGATOR

Bürgerwissenschaften & MonitoringiNaturalist

Bürgerbeobachtungen & Fotobelege: Wildschwein (Schwarzwild)

Neben amtlichen Zählungen liefern wissenschaftlich verifizierte Sichtungen (Research Grade) von Jägern, Förstern und Naturbeobachtern Daten zu Ausbreitung, Wechseln und Vorkommen dieser Art im DACH-Raum.

Movebank · GPS-Telemetrie & BewegungsökologieMax-Planck-Institut für Verhaltensbiologie

Raum-Zeit-Verhalten & Aktionsräume: Wildschwein (Schwarzwild)

Aktionsraum (Sommer)
1.800ha
ca. 18,0 km²
Aktionsraum (Winter)
650 ha
ca. 6,5 km²
Nächtliche Marschstrecke
5 – 18 km
Max. Tagesstrecke: 34 km

Raumnutzung:Rotten 500–2.500 ha. Hohe Dynamik abhängig von Mastjahren (Eiche/Buche) und landwirtschaftlichen Schlägen (Mais/Raps).

Saisonales Wanderverhalten:Verlagerung im Sommer in dichte Raps- und Maiskomplexe; im Spätherbst Rückzug in masttragende Laubalthölzer.

Wo diese Art vorkommt

Wissenschaftliche Arbeiten zu Wildschwein (Schwarzwild)

Ausgewählte Studien zur Biologie, Raumnutzung, Nahrung oder dem Management dieser Art.

Häufige Fragen zu Wildschwein (Schwarzwild)

Was ist die Trichinenschau und warum ist sie Pflicht?

Trichinen sind parasitische Fadenwürmer, die über nicht ausreichend erhitztes Fleisch auf Menschen übertragen werden können. Erlegtes Schwarzwild darf erst nach dem vorgeschriebenen negativen Untersuchungsergebnis als Lebensmittel verwendet werden; Probenahme und Freigabe richten sich nach dem jeweiligen Recht.

Was versteht man unter den 'Waffen' des Keilers?

Als Waffen bezeichnet man die Eckzähne des Keilers: Das sind die nach oben stehenden Hacker im Unterkiefer und die kürzeren Haderer im Oberkiefer, die sich gegenseitig scharf schleifen.

Warum ist die Leitbache im Rudel so wichtig?

Erfahrene Bachen prägen Wege, Ruheplätze und Reaktionen der Rotte. Die Aussage, eine Leitbache synchronisiere allein sämtliche Frischzeiten oder ihre Entnahme lasse die Fortpflanzung automatisch außer Kontrolle geraten, ist zu pauschal. Unstrittig bleibt der Muttertierschutz: führende Bachen dürfen nicht erlegt werden.

Woran erkennt man eine Schwarzwildfährte?

Das Trittsiegel ist breit und rundlicher als beim Reh. Afterklauen können sichtbar sein, sind aber kein Einzelbeweis. Spurverlauf, Schrittlänge, Boden und weitere Zeichen wie Wühlstellen oder Suhlen müssen gemeinsam passen.

Was ist bei einem ASP-verdächtigen Kadaver zu tun?

Nicht berühren oder bergen, Fundort sichern beziehungsweise markieren und unverzüglich die regional zuständige Veterinär- oder Jagdbehörde informieren. Deren Anweisungen zu Probenahme, Bergung und Desinfektion sind verbindlich.

Quellen und Evidenz

3 Einträge
  1. Amtliche Primärquelle Abruf: 10.8.2026

    African swine fever

    European Food Safety Authority Primärdokument öffnen ↗
  2. Peer-Review Studie Abruf: 10.8.2026

    Density-dependent dinner: Wild boar overuse agricultural land at high densities

    European Journal of Wildlife Research DOI: 10.1007/s10344-024-01766-7 ↗
  3. Peer-Review Studie Abruf: 10.8.2026

    Wild boar population control needs more than recreational hunting

    European Journal of Wildlife Research DOI: 10.1007/s10344-026-02073-z ↗

Erstmalig erstellt: Zuletzt geändert: Redaktionelle Verantwortung: Dr. Wolfgang Spiess-Knafl