Sichere Erkennung
Der Dachs ist an seiner gedrungenen, keilförmigen Gestalt mit breitem Rumpf, kurzem Hals und der unverwechselbaren Kopfzeichnung sofort anzusprechen: Das weiße Gesicht wird von zwei breiten, tiefschwarzen Längsstreifen ('Zügeln') durchzogen, die an der Oberlippe beginnen, die kleinen Augen sowie die Ohren einfassen und sich im Nacken verengen. Die Ohrenränder sind reinweiß gesäumt. Die Decke ist oberseits silbergrau bis schwärzlich meliert (durch das Zusammenspiel der schwarz-weiß geringelten Grannenhaare und der dichten Wollhaare), während Kehle, Brust, Bauch und Läufe einfarbig schwarz gefärbt sind. Charakteristisch sind die kräftigen, säulenförmigen Vorderläufe mit fünf Zehen und mächtigen, hornfarbenen, bis zu 3 cm langen Grabkrallen ('Nägel'), die im Gegensatz zu Katzenkrallen nicht einziehbar sind. Dachse sind Sohlengänger; ihr Trittsiegel ähnelt einer Miniatur-Bärenfährte mit deutlich vor den Ballen eingedrückten Krallenspitzen.

Biologie und Lebensweise
Der Dachs lebt in hochorganisierten Familiengruppen ('Clans') von meist 2 bis 8 (in optimalen Habitaten bis zu 12) Tieren, die ein festes, mit Duftmarken und Latrinen abgegrenztes Territorium bewohnen. Die Fortpflanzungsbiologie ist durch eine bemerkenswerte Keimruhe (Embryonale Diapause) gekennzeichnet: Die Paarungszeit erstreckt sich von Januar bis Oktober mit einem Höhepunkt im Spätwinter. Nach der Befruchtung nistet sich die Blastozyste jedoch erst im Dezember in der Gebärmutter ein. Nach einer variablen Tragzeit von 5 bis 12 Monaten (bedingt durch die Eiruhe) setzt die Fähe im Spätwinter (Februar/März) in einem tiefen, trocken ausgepolsterten Kessel 2 bis 4 weiße, behaarte, aber zunächst blinde Welpen. Der Dachs hält keinen echten Winterschlaf, sondern eine wetterabhängige Winterruhe: Bei sinkenden Außentemperaturen senkt er seinen Stoffwechsel und verharrt im Bau, zehrt von seinen im Herbst aufgebauten Fettreserven ('Feist'), verlässt den Bau jedoch an milden, frostfreien Wintertagen zur Kotabgabe und kurzen Nahrungssuche.
Lebensweise und Verhalten
Dachse sind streng dämmerungs- und nachtaktiv. Sie verlassen den Bau selten vor Einbruch der Dämmerung, prüfen vor dem Ausfahren minutenlang sichernd die Witterung und kehren vor Sonnenaufgang zurück. Sie nutzen über Jahre unveränderte, tief ausgetretene Wechsel ('Dachspfade') zwischen Bau, Tränke und Äsungsflächen. Zur Reviermarkierung und Kommunikation legen Dachse am Rande ihrer Bauten und entlang der Reviergrenzen charakteristische 'Dachslatrinen' an – kleine, flache Gruben (ca. 10 bis 15 cm tief), in denen die Losung unverscharrt deponiert wird. Der Aktionsradius schwankt je nach Nahrungsangebot zwischen 0,5 und 5 km² (in nahrungsarmen Regionen bis 15 km²); pro Nacht legen Dachse durchschnittlich 3 bis 8 km, in Einzelfällen bis zu 11 km zurück.
Nahrung und Raumnutzung
Als klassischer Allesfresser (Omnivore) passt der Dachs seine Nahrung flexibel dem jahreszeitlichen Angebot an. Energetische Schlüsselbeute in feuchten Nächten sind Regenwürmer (Lumbricus terrestris), von denen ein Dachs in einer Nacht mehrere hundert Stück auf Wiesen aufnehmen kann. Daneben gräbt er intensiv nach Engerlingen, Maikäferlarven, Mäusenestern und Wespen- bzw. Hummelnestern, deren Waben er samt Brut verzehrt. Pflanzliche Äsung bildet im Spätsommer und Herbst den Hauptteil der Nahrung: Fallobst (Äpfel, Zwetschgen), Beeren, Eicheln, Bucheckern sowie Feldfrüchte. Landwirtschaftlich bedeutsam ist seine Vorliebe für milchreifen Mais und Weizen: Dachse knicken Stängel um, höhlen Kolben aus und walzen typische Fraßnester in Maisschlägen ein.
Kolonien und Sozialverhalten
Die 'Dachsburg' ist eine architektonische Meisterleistung des Tierreichs. Ein über Generationen bewohnter Hauptbau umfasst oft drei bis vier Etagen, bis zu 50 Röhren ('Einfahrten') und erstreckt sich über mehrere hundert Quadratmeter Grundfläche bis in 5 Meter Tiefe. Das Gangsystem ist in Röhren und geräumige Wohnkessel ('Lager') untergliedert, die der Dachs penibel mit Moos, Laub und Farnen auspolstert. Der Erdauswurf vor den Hauptröhren bildet auffällige Halden mit rinnenartigen Rutschen, auf denen der Dachs das Aushubmaterial rückwärts herausdrückt. Oft bewohnen Dachse und Füchse denselben Baukomplex ('Burgfrieden'): Während der Fuchs meist die oberen, trockenen Röhren belegt, nutzt der Dachs die tiefer gelegenen Kessel; bei der Jungenaufzucht trennen sich die Arten jedoch meist räumlich.
Anatomie und Fährtenbild
Das Trittsiegel des Dachses ist unverwechselbar: Als Sohlengänger drückt er fünf Zehenballen in einer leicht gebogenen Querreihe ab. Unmittelbar vor den Zehen des Vorderlaufs zeichnen sich die fünf langen, kräftigen Grabkrallen ('Nägel') ab, die bis zu 2–3 cm vor den Ballen im Boden stehen. Das Vorderfußsiegel ist breit und rundlich (ca. 5–7 cm lang und breit), das Hinterfußsiegel länglicher und ähnelt einer Miniatur-Menschen- oder Bärensohle. Die Fährte ist durch einen leichten Einwärtsschwung der Spitzen geprägt. Im schnellen Troll oder bei der Flucht schnürt der Dachs nicht wie der Fuchs, sondern setzt die Tritte paarweise oder im schrägen Dreisprung.
Monitoring und Nachweis
Das Monitoring erfolgt primär über systematische Baukataster, in denen Hauptbaue, Nebenbaue und Fluchtröhren kartiert und regelmäßig auf Befahrung kontrolliert werden. Wildkameras an Einfahrten und Pässen liefern verlässliche Daten zu Wurfgrößen, Aktivitätsrhythmen und Sozialstruktur. Da aus der reinen Röhrenzahl kein Rückschluss auf die Besatzzahl gezogen werden kann, kombinieren moderne Wildforschungsanstalten Fotofallen-Indizes mit DNA-Analysen aus an Röhrenhaaren gewonnenen Haarproben (Hair-Trapping) und Jagdstreckenstatistiken.
Krankheiten und Fallwild
Dachse unterliegen einer Reihe relevanter Wildkrankheiten und Zoonosen: Sie sind empfänglich für Staupe (Canine Distemper), Räude (Sarcoptes-Milben) und Leptospirose. Historisch war der Dachs ein bedeutender Vektor der silvatischen Tollwut, die durch flächendeckende Impfköderkampagnen in Mitteleuropa erfolgreich getilgt wurde. Von herausragender Bedeutung für die Jagdpraxis ist der Befall mit Fadenwürmern der Gattung Trichinella (vor allem Trichinella britovi und Trichinella spiralis): Da Dachse regelmäßig Fleisch und Aas aufnehmen, weisen sie je nach Region Prävalenzen von 1 bis 3 % auf. Jeder Dachskörper, der für den menschlichen Verzehr bestimmt ist, unterliegt daher zwingend der amtlichen Trichinenuntersuchung. In Großbritannien und Irland ist der Dachs zudem ein Hauptüberträger der Rindertuberkulose (Mycobacterium bovis), was dort zu großflächigen Keulungsprogrammen führte; in Mitteleuropa gilt die Rindertuberkulose beim Dachs als Einzelfallgeschehen.
Jagdpraxis
Die Jagd auf den Dachs gliedert sich in drei traditionelle Verfahren:
- Ansitzjagd am Bau: Gilt als klassischste und selektivste Jagdart. Sie wird im Hochsommer und Frühherbst (Juli bis Oktober) ausgeübt. Der Jäger bezieht mit absolutem Wind kurz vor Sonnenuntergang in 30 bis 50 Metern Entfernung vom befahrenen Bau Stellung. Vor dem Verlassen des Kessels sichert der Dachs ('Winden und Verhoffen') oft minutenlang am Röhrenausgang. Erst wenn das Tier den Bau komplett verlassen hat und breit steht, wird der Schuss angetragen, um ein sofortiges Zurückfedern in die Röhre zu verhindern.
- Ansitz an Schadflächen: Im Spätsommer (Milchreife des Maises) werden Wechsel an Feldkanten, Hecken und Einlässen in Maisschlägen bejagt, oft in Kombination mit Wärmebild- oder Nachtsichttechnik gemäß den jeweiligen landesrechtlichen Vorgaben.
- Baujagd: Erfordert erfahrene, führige Erdhunde (Dackel/Teckel oder Jagdterrier). Der Hund arbeitet als Finder und Bedränger; er soll den Dachs im Kessel stellen und laut verbellen, ohne sich festzubeißen. Das Ausgraben ('Einschlagen') erfolgt mit Schaufel, Pickel und Peilsenderempfänger. Bei Frost oder während der Aufzuchtphase ist die Baujagd aus Tierschutzgründen tabu.
- Fangjagd: In Bundesländern mit geregelter Fangjagd erfolgt der Fang selektiv in abgedunkelten Betonrohr- oder Kastenfallen mit elektronischem Fangmelder.
Jagdliche Einordnung
Streckenentwicklung & Populationsdynamik: Nach dem Erlöschen der Tollwut durch die flächendeckende Schluckimpfung ab Mitte der 1980er Jahre erholten sich die Dachsbestände in Mitteleuropa rasant. Die Jagdstrecken verzeichnen seither einen kontinuierlichen Langzeittrend nach oben:
- Deutschland: Die jährliche Dachsstrecke stieg von unter 10.000 Tieren in den 1970er Jahren auf heute stabil 80.000 bis über 90.000 Dachse pro Jagdjahr (DJV-Handbuch). Schwerpunkte bilden die wald- und feldreichen Flächenländer Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen.
- Österreich: Die Bundesstrecke liegt konstant bei 11.000 bis über 12.000 Dachsen jährlich (Saison 2023/24: 11.655 Tiere laut Statistik Austria).
- Schweiz: Rund 3.000 bis 3.500 Tiere werden jährlich erlegt; mehr als 3.500 Dachse fallen zusätzlich als Fallwild dem Straßenverkehr zum Opfer.
Waffen, Kaliber & Schusswirkung: Der Dachs ist legendär schusshart ('im Schmalz sitzen'). Wird er nicht im Feuer gebannt, mobilisiert er selbst mit tödlichen Kammertreffern enorme Energie und zieht sich tief in die Röhren zurück, wo eine Nachsuche unmöglich ist.
- Büchsenschuss: Kleine Kugel ab .22 Hornet, ideal sind .222 Remington, .223 Remington oder 5,6×52R. Beim Ansitz auf Schalenwild können Standardkaliber (.308 Win, 8×57 IS, .30-06) mit Deformationsgeschossen waidgerecht genutzt werden. Treffersitz: Tiefes Blatt oder spitzer Schuss auf den Stich bei frontal austretendem Dachs.
- Schrotschuss: Ausschließlich auf kurze Distanz (unter 25 Meter). Es müssen schwere Schrote von 3,5 bis 4,0 mm (Schrot Nr. 1 oder 2) gewählt werden, um die dichte Unterwolle, das dicke Feist und die starken Knochen sicher zu durchschlagen.
Wildbret und Verwertung
Dachswildbret & Dachsschmalz:
- Kulinarik: Fleisch von jungen Herbstdachsen vor der Winterruhe ist eine traditionelle, feinfaserige Wildspezialität. Es besitzt eine kräftige, an dunkles Wildschwein oder Gans erinnernde Geschmacksnote. Es wird klassisch gebeizt, geschmort (Dachsgulasch, Sauerbraten) oder als kaltgeräucherter Dachsschinken verarbeitet.
- Gesetzliche Untersuchungspflicht: Jeder Dachskörper MUSS vor Verzehr oder Abgabe einer amtlichen Trichinenuntersuchung (Verdauungsmethode) unterzogen werden. Rohverzehr ist wegen Trichinen- und Zoonosenrisiko strikt untersagt; das Fleisch muss stets auf eine Kerntemperatur von mindestens 75 °C durchgegart werden.
- Dachsfett ('Dachsschmalz'): Das bis zu 3–4 kg schwere Herbstfeist wird von Drüsen befreit und im Wasserbad bei milder Hitze schonend ausgelassen. Durch den außergewöhnlich hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren bleibt Dachsfett bei Zimmertemperatur streichfähig-weich. In der traditionellen Alpen- und Volksmedizin ist Dachsschmalz ein hoch geschätztes Einreibemittel gegen rheumatische Beschwerden, Muskelverspannungen, Bronchitis und Gelenkschmerzen ('Dachssalbe').
- Trophäen: Der 'Dachsbart' – ein Fächer aus den elastischen, silbergrauen Grannenhaaren des Rückens – ist ein klassischer, begehrter Jagdhutschmuck. Dachshaare dienen traditionell zur Herstellung edler Rasierpinsel; der gegerbte Balg wird zu Vorlegern oder wärmenden Jagdmuffen verarbeitet.
Lebensraum und Ansprüche
Der Europäische Dachs besiedelt die gesamte gemäßigte Zone Europas und Asiens von der Iberischen Halbinsel bis nach Sibirien. In den Alpen steigt er bis auf über 2.000 Meter über dem Meeresspiegel auf. Bevorzugt werden strukturreiche Kulturlandschaften mit einem engen Mosaik aus Laub- und Mischwäldern, Feldfluren, Gehölzinseln und Hecken. Für den Bau wählt er meist südexponierte Hanglagen in tiefgründigen, gut entwässernden Lehm- oder Sandböden, die trocken bleiben und leicht zu graben sind. Reine Nadelholzforste, staunasse Böden oder ausgeräumte Agrarsteppen werden gemieden; dagegen dringt der Dachs zunehmend in Siedlungsrandzonen, Parkanlagen und Friedhöfe mit reichem Nahrungsangebot vor.
Bestand und Management
Das Management des Dachses bewegt sich zwischen Artenschutz, Schadensabwehr und Niederwildhege:
- Landwirtschaftliche Wildschäden: In Getreide- und Maisschlägen können Dachsfamilien beträchtliche Lager- und Fraßschäden verursachen. Um Dämme, Bahntrassen, Hochwasserschutzdeiche und Feldwege vor Unterhöhlung zu schützen, sind vielerorts behördlich angeordnete Regulierungseingriffe erforderlich.
- Prädationsdruck auf Bodenbrüter: In Biotopen bedrohter Offenland- und Wiesenbrüter (Kiebitz, Brachvogel, Rebhuhn, Auerhuhn, Birkhuhn) stellt der Dachs als nachtaktiver Gelegeräuber einen maßgeblichen Prädationsfaktor dar. Die gezielte Bejagung an Bauen und Wiesenrändern ist integraler Bestandteil moderner Artenschutz- und Niederwildhegekonzepte.
- Schonzeitregime: Jagdzeiten müssen strikt auf den Schutz der abhängigen Elterntiere (§ 22 Abs. 4 BJagdG in DE / Art. 7 Abs. 5 JSG in CH) im Frühjahr und Frühsommer abgestimmt sein.
Bestandszahlen und Jagdstrecke
Der Europäische Dachs wird auf der Roten Liste der IUCN sowie in den nationalen Roten Listen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz als nicht gefährdet (Least Concern – LC) eingestuft. Nach dem Einbruch der Populationen während der Tollwutepizootie der 1970er Jahre wächst der Bestand seit über drei Jahrzehnten kontinuierlich. Hauptursache für anthropogene Mortalität ist das dichte mitteleuropäische Straßennetz: Jährlich werden zehntausende Dachse an Autobahnen und Bundesstraßen überfahren (allein in der Schweiz über 3.500 registrierte Fallwildtiere pro Jahr).
Schutz und rechtlicher Rahmen
Der Dachs unterliegt dem Bundesjagdgesetz (BJagdG) in Deutschland, den Landesjagdgesetzen in Österreich sowie dem Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (JSG) in der Schweiz. Er genießt europarechtlichen Schutz nach Anhang III der Berner Konvention (geschützte Tierart, deren Nutzung reguliert werden darf). Die Bejagung ist an feste gesetzliche Schonzeiten gebunden (Deutschland: Jagdzeit im Bund vom 1. August bis 31. Oktober; viele Bundesländer haben die Jagdzeit bis 31. Dezember oder für Jungdachse ab 1. Juni/Juli erweitert, stets unter Wahrung des Schutzes der säugenden Fähen).
Artenschutz & Handelsstatus: Dachs
Status: Jagdbar / Nicht CITES-reguliert. Diese Art unterliegt nicht den CITES-Artenschutzbestimmungen. Für den grenzüberschreitenden Transport gelten die allgemeinen veterinär- und zollrechtlichen Vorschriften sowie das nationale Jagdrecht des Herkunfts- und Ziellandes.
- Keine CITES-Genehmigung erforderlich
- Beachtung des nationalen Jagd- und Schonzeitenrechts
- Veterinärrechtliche Bestimmungen bei Fleischtransport beachten
Was bei der Einfuhr einer Trophäe zusätzlich zu CITES gilt – TRACES NT, Veterinärbescheinigung, Zoll –, steht im Leitfaden zum Trophäenimport.
Alters- und Kategorieansprache
Merkmale zur Altersbeurteilung vor und nach dem Schuss (Gebissentwicklung, Trophäenmorphologie, Habitus und Klassen).
Ansprachemerkmale & Kriterien
Die Altersansprache des Dachses erfolgt anhand von Schädelmerkmalen, Krallenbeschaffenheit, Körpermasse und Deckenfärbung. Jungdachse (Welpen im 1. Lebensjahr): Schlanker, spitzschnäuziger Kopf mit abgerundeter Schädeldecke ohne knöchernen Kamm; die Krallen an den Vorderläufen sind scharf, schlank und spitz; das Gewicht liegt im Sommer bei 6 bis 9 kg und erreicht erst im Spätherbst 10 bis 12 kg. Überläufer (2. Lebensjahr): Körperlich ausgewachsen, Schädeldach beginnt zu verknöchern, aber Scheitelkamm noch kaum fühlbar. Altdachse (3+ Jahre): Schwerer, walzenförmiger Körperbau mit breitem, stiernackigem Kopf; bei älteren Rüden ist die Crista sagittalis (ein markanter Knochenkamm am Scheitel zur Verankerung der mächtigen Schläfen- und Kaumuskulatur) durch die Decke deutlich tastbar; die Vorderkrallen sind durch intensives Graben stark abgestumpft und abgewetzt; im Spätherbst bauen Altdachse enormes Feist auf (14 bis über 18 kg, vereinzelt bis 20 kg). Geschlechtsdimorphismus: Rüden sind massiger gebaut, haben einen breiteren, plumperen Schädel und stumpfere Schnauzen; Fähen wirken im Gesicht zierlicher, schmaler und länger ausgezogen.
Gebissentwicklung & Zahnabschliff
Zahnformel: 3/3 I, 1/1 C, 3-4/3-4 P, 1/2 M × 2 = 34 bis 38 Zähne. Der erste Prämolar (P1) ist winzig und fällt häufig schon in den ersten Lebensjahren aus. Im Gegensatz zu den scharfkantigen Scherengebissen anderer Raubsäuger sind die Molaren des Dachses (besonders der M1 im Oberkiefer) stark verbreitert und mit stumpfen Höckern (bunodont) ausgestattet, um pflanzliche Nahrung und harte Chitinteile zu zermahlen. Bei alten Dachsen sind die Schneidezähne im Unterkiefer bis auf den Zahnfleischsaum heruntergeschliffen, und die Höcker der Molaren sind flachpoliert. Wissenschaftlich erfolgt die Altersbestimmung über die Schliffflächen der Zähne und die Zementzonenanalyse (Zementringe an der Wurzel der Canini).
Altersklassen & Klassifizierung
Jungdachs (0–1 Jahr): Welpe / Jungtier mit rundem Schädeldach, feinen spitzen Krallen und geringem Körpergewicht; Überläufer (1–2 Jahre): Ausgewachsen, Schädeldach flach, Zähne ohne starken Abschliff; Altdachs (3+ Jahre): Ausgeprägter Scheitelkamm (besonders Rüden), abgenutzte Schneidezähne und stumpfe Grabkrallen, hohes Herbstfeist (14–20 kg).
Vergleichbare & verwandte Wildarten
Ökologische und jagdpraktische Einordnung innerhalb der Gruppe Raubwild (Mustelidae / Beutegreifer).
Der Dachs (Meles meles) ist der mit Abstand schwerste und stärkste heimische Marderartige. Vom Rotfuchs (Canidae) unterscheidet er sich morphologisch und biologisch grundlegend: Der Dachs ist ein Sohlengänger mit fünf Zehen und mächtigen Grabkrallen (Fuchs: Zehengänger, 4 Zehen mit geschnürter Fährte); er besitzt ein breitkroniges Mahlzahngebiss eines Allesfressers (Fuchs: scharfes Reißgebiss) und legt saubere Kotlatrinen an, während der Fuchs seine Losung erhöht auf Steinen oder Erdhügeln absetzt. Gegenüber Marderhund und Waschbär besitzt der Dachs eine längsgestreifte schwarz-weiße Kopfmaske (Zügel) ohne Gesichtsmaske um die Augen und baut tiefere, gigantische Erdbauanlagen.
Verbreitung
Nachgewiesene Vorkommen von Dachs nach Ländern. Die Karte markiert die Jagdregionen mit Vorkommen, keine Reviergrenzen.
- Belgien
- Bosnien und Herzegowina
- Deutschland
- Dänemark
- Estland
- Georgien
- Lettland
- Liechtenstein
- Litauen
- Luxemburg
- Niederlande
- Schweiz
- Slowakei
- Ukraine
- Österreich
Die Flächen zeigen Verwaltungsgrenzen, keine Reviergrenzen. Jagdeinrichtungen, Fütterungen und sensible Standorte werden bewusst nicht kartiert.
Verbreitung von Dachs
Grün: Länder mit Nachweis. Punkte: Jagdregionen mit eigenem Profil.
- Land mit Nachweis
- Jagdregion mit Profil
Staatsgrenzen: Natural Earth (gemeinfrei) · Darstellung: JAGDNAVIGATOR · Die Grenzen zeigen Staaten, keine Jagdgebiete.
Wissenschaftliche Nachweise & Vorkommen: Dachs

Kartengrundlage: GBIF-Basiskarte, © OpenStreetMap contributors, © OpenMapTiles · Nachweise: GBIF.org, CC0 · Stand: 23. Oktober 2026 · Darstellung: JAGDNAVIGATOR
Bürgerbeobachtungen & Fotobelege: Dachs
Neben amtlichen Zählungen liefern wissenschaftlich verifizierte Sichtungen (Research Grade) von Jägern, Förstern und Naturbeobachtern Daten zu Ausbreitung, Wechseln und Vorkommen dieser Art in ihrem Verbreitungsgebiet.
Wo diese Art vorkommt
DACH 46
Bundesländer und Kantone mit Regionsprofil
- Aargau
- Appenzell Ausserrhoden
- Appenzell Innerrhoden
- Baden-Württemberg
- Basel-Landschaft
- Bayern
- Bern
- Brandenburg
- Burgenland
- Freiburg
- Genf
- Glarus
- Graubünden
- Hessen
- Jura
- Kärnten
- Luzern
- Mecklenburg-Vorpommern
- Neuenburg
- Nidwalden
- Niederösterreich
- Niedersachsen
- Nordrhein-Westfalen
- Oberösterreich
- Obwalden
- Rheinland-Pfalz
- Saarland
- Sachsen
- Sachsen-Anhalt
- Salzburg
- Schaffhausen
- Schleswig-Holstein
- Schwyz
- Solothurn
- St. Gallen
- Steiermark
- Tessin
- Thurgau
- Thüringen
- Tirol
- Uri
- Vorarlberg
- Waadt
- Wallis
- Zug
- Zürich
Jagd- und Schonzeiten nach Rechtsraum
Jagdzeiten setzt jedes Bundesland und jeder Kanton selbst fest, oft getrennt nach Wildklasse. Die Tabelle gibt die Zeiten für Dachs aus 42 Verordnungen wieder. Verbindlich ist die amtliche Fassung, die auf der jeweiligen Rechtsraumseite verlinkt ist.
| Rechtsraum | Wildklasse | Jagdzeit |
|---|---|---|
| Burgenland (AT) | alle Klassen | 1. Juni bis 31. Januar |
| Wien (AT) | alle Klassen | 1. Juni bis 31. Dezember |
| Salzburg (AT) | alle Klassen | 16. Juli bis 31. Dezember |
| Kärnten (AT) | alle Klassen | 1. Juni bis 31. Januar |
| Niederösterreich (AT) | alle Klassen | 16. Juni bis 31. Januar |
| Oberösterreich (AT) | alle Klassen | 1. Juli bis 15. Januar |
| Steiermark (AT) | alle Klassen | ganzjährig |
| Tirol (AT) | alle Klassen | 15. Juli bis 15. Februar |
| Vorarlberg (AT) | Jungdachse | 1. Mai bis 31. Januar |
| Vorarlberg (AT) | Dachse | 1. Juli bis 31. Januar |
| Zürich (CH) | alle Klassen | 16. Juni bis 15. Januar |
| Basel-Landschaft (CH) Fassung bis | alle Klassen | 16. Juni bis 15. Januar |
| Basel-Stadt (CH) Fassung bis | alle Klassen | 16. Juni bis 15. Januar |
| Solothurn (CH) | alle Klassen | 16. Juni bis 15. Januar |
| Luzern (CH) Fassung bis | alle Klassen | 16. Juni bis 15. Januar |
| Zug (CH) Fassung bis | alle Klassen | 1. Oktober bis 15. Januar |
| St. Gallen (CH) Fassung bis | alle Klassen | 16. Juni bis 15. Januar |
| Appenzell Ausserrhoden (CH) Fassung bis | alle Klassen | 1. Juli bis 15. Januar |
| Appenzell Ausserrhoden (CH) | Passjagd | 9. November bis 15. Januar |
| Appenzell Innerrhoden (CH) Fassung bis | Hochwildjagd | 7. September bis 3. Oktober |
| Appenzell Innerrhoden (CH) | Bau- und Vogeljagd | 5. Oktober bis 19. Dezember |
| Appenzell Innerrhoden (CH) | verlängerte Bau- und Vogeljagd | 2. Januar bis 15. Januar |
| Appenzell Innerrhoden (CH) | Passjagd | 16. November bis 15. Januar |
| Graubünden (CH) Fassung bis | Hochjagd, erste Phase | 3. September bis 13. September |
| Graubünden (CH) | Hochjagd, zweite Phase | 21. September bis 30. September |
| Uri (CH) Fassung bis | Passjagd | 2. Januar bis 15. Januar |
| Schwyz (CH) Fassung bis | Hochwildpatente | 1. September bis 28. November |
| Schwyz (CH) | Patent III, Ansitz/Drückjagd | 1. Oktober bis 30. November |
| Schwyz (CH) | Baujagd | 1. Oktober bis 12. Januar |
| Schwyz (CH) | Lusserjagd | 2. November bis 12. Januar |
| Nidwalden (CH) Fassung bis | Hochjagd | 1. September bis 22. September |
| Nidwalden (CH) | Niederjagd | 15. Oktober bis 30. November |
| Nidwalden (CH) | Winterjagd | 1. Dezember bis 15. Januar |
| Obwalden (CH) Fassung bis | Hochjagd | 1. September bis 24. September |
| Obwalden (CH) | Niederjagd | 5. Oktober bis 30. November |
| Obwalden (CH) | Winterjagd | 1. Dezember bis 15. Januar |
| Bern (CH) | Basispatent | 1. September bis 31. Dezember |
| Waadt (CH) Fassung bis | alle Klassen | 1. September bis 15. Januar |
| Neuenburg (CH) Fassung bis | Patent A und H, nur Patent H in dieser Periode | 3. August bis 30. September |
| Neuenburg (CH) | Patent A und H | 1. Oktober bis 14. Januar |
| Wallis (CH) Fassung bis | Permis A, Montag bis Samstag | 21. September bis 3. Oktober |
| Wallis (CH) | Permis B, Dienstag und Samstag | 6. Oktober bis 24. Oktober |
| Wallis (CH) | Permis B, Dienstag, Donnerstag, Samstag | 27. Oktober bis 28. November |
| Wallis (CH) | Permis C | 3. November bis 28. November |
| Wallis (CH) | Permis C | 1. Dezember bis 31. Januar |
| Wallis (CH) | Permis E, Montag bis Samstag | 16. November bis 27. Februar |
| Tessin (CH) Fassung bis | Hochjagd, unbeschränkt | 5. September bis 27. September |
| Bayern (DE) | adulte | 1. August bis 31. Januar |
| Bayern (DE) | juvenile | 16. April bis 31. Januar |
| Baden-Württemberg (DE) | alle Klassen | 1. August bis 31. Dezember |
| Baden-Württemberg (DE) | Jungdachse | 1. Juni bis 31. Dezember |
| Nordrhein-Westfalen (DE) Fassung bis | Jungdachse | ganzjährig |
| Nordrhein-Westfalen (DE) | alle Klassen | 1. September bis 31. Dezember |
| Niedersachsen (DE) | alle Klassen | 1. August bis 31. Januar |
| Brandenburg (DE) | alle Klassen | 1. August bis 31. Januar |
| Sachsen (DE) | alle Klassen | ganzjährig |
| Berlin (DE) | alle Klassen | ganzjährig geschont |
| Bremen (DE) | alle Klassen | ganzjährig geschont |
| Hamburg (DE) | alle Klassen | 16. September bis 31. Oktober |
| Sachsen-Anhalt (DE) | alle Klassen | 1. August bis 31. Januar |
| Schleswig-Holstein (DE) | alle Klassen | 1. August bis 31. Oktober (nach JagdzeitV des Bundes) |
| Saarland (DE) | alle Klassen | 1. August bis 31. Januar |
| Thüringen (DE) Fassung bis | alle Klassen | 1. August bis 15. Januar |
| Mecklenburg-Vorpommern (DE) | alle Klassen | ganzjährig |
Wissenschaftliche Arbeiten zu Dachs
Ausgewählte Studien zur Biologie, Raumnutzung, Nahrung oder dem Management dieser Art.
Häufige Fragen zu Dachs
Woran erkennt man einen befahrenen Dachsbau?
Typische Erkennungszeichen sind breite, querovale Röhreneinfahrten (ca. 30 × 20 cm) mit tief ausgetretenen Rinnen und Rutschen im Erdauswurf, ausgehobene Blätter- und Moosreste ('Polstermaterial'), an Wurzelfräsen hängende Dachshaare sowie nahe gelegene 'Dachslatrinen' (flache, unverscharrte Kotgruben). Ein Fuchsbau ist dagegen meist steiler, kreisrunder und riecht intensiv nach Aas oder Fuchsharn mit herumliegenden Beuteresten.
Wie erfolgt die Alters- und Geschlechtsansprache beim Dachs?
Altdachse (ab dem 3. Lebensjahr) besitzen einen gedrungenen, walzenförmigen Rumpf mit schwerem Nacken; bei alten Rüden ist der Scheitelkamm (Crista sagittalis) am Oberschädel zur Verankerung der Kaumuskulatur durch die Decke deutlich tastbar, und die Vorderbrillantkrallen sind stumpf abgetreten. Jungdachse wirken schlanker, spitzschnäuziger, tragen scharfe, feine Krallen und besitzen eine runde, kammfreie Schädelform. Rüden sind breiter geschädelt mit dickerem Hals, Fähen wirken im Kopf schmaler und feiner gezeichnet.
Welche Jagdmethoden und Kaliber sind in der Praxis optimal?
Die sicherste Methode ist der stille Ansitz am Bau bei gutem Wind kurz vor Sonnenuntergang, wenn der Dachs die Röhre vorsichtig sichernd verlässt ('Winden und Verhoffen'), oder im Spätsommer an Schadflächen im Mais. Bei der Baujagd mit Teckel oder Jagdterrier sind Peilsenderhalsbänder Pflicht. Da der Dachs im Wundbett extrem schusshart ist, sind präzise Schüsse auf Blatt oder Stich erforderlich; bewährt haben sich Raubwildbüchsen (.22 Hornet, .222 Rem, .223 Rem, 5,6×52R) oder kombiniertes Schalenwildkaliber sowie Schrotstärken von 3,5 bis 4,0 mm auf Distanzen unter 25 Metern.
Was ist beim Verzehr von Dachswildbret und bei Dachsfett zu beachten?
Dachse sind als Allesfresser und Aasvertilger Träger von Trichinen (Trichinella spp.); eine amtliche Trichinenuntersuchung ist vor jeder Verwertung gesetzlich zwingend vorgeschrieben. Das Fleisch junger Herbstdachse gilt als geschätzte Delikatesse (Schmorbraten, Dachsschinken). Das reichlich vorhandene Herbstfett wird traditionell im Wasserbad zu reinem Dachsschmalz ausgelassen, das in der Volksmedizin wegen seines hohen Gehalts an ungesättigten Fettsäuren für wärmende Brust- und Gelenksalben geschätzt wird.
Quellen und Evidenz
8 Einträge- Amtliche Primärquelle Abruf: 12.10.2026
Trichinellennachweis bei Rotfüchsen in Westösterreich
- Amtliche Primärquelle Abruf: 12.10.2026
Meles meles (Dachs) - Artdatensatz
- Peer-Review Studie Abruf: 12.10.2026
The challenge of estimating wildlife populations at scale: the case of the European badger in Ireland
- Amtliche Primärquelle Abruf: 12.10.2026
Der Dachs im Kanton Luzern
- Amtliche Primärquelle Abruf: 12.10.2026
Rote Liste und Gesamtartenliste der Säugetiere Deutschlands
- Fachverband / Körperschaft Abruf: 12.10.2026
Österreichische Jagdstatistik 2023/24
- Amtliche Primärquelle Abruf: 12.10.2026
Wildtierportal Baden-Württemberg: Dachs Meles meles
- Fachverband / Körperschaft Abruf: 12.10.2026
Internationaler Expertenbericht Wildtiermanagement
Geltung und Prüfstand
- Gilt für
- Biologie und jagdliche Einordnung. Jagd- und Schonzeiten gelten nur im jeweiligen Rechtsraum.
- Inhalt geprüft
- Primärquellen
- 6 Primärquellen hinterlegt
