Herkunft und Zucht

Der Deutsche Jagdterrier entstand nach dem Ersten Weltkrieg aus der Abkehr engagierter Jäger von der Ausstellungszucht des Foxterriers. Rudolf Frieß, Walter Zangenberg und Carl-Erich Grünewald wollten einen Hund züchten, dessen Leistung im Jagdbetrieb die Hauptsache sein sollte.

Die Zuchtbasis bildeten vier schwarz-rote Terrier, die aus rein gezüchteten Foxterrierstämmen stammen sollten, ergänzt durch Einkreuzung des altenglischen drahthaarigen Ur-Terriers sowie des Welsh Terriers. 1926 gründeten die Pioniere den Deutschen Jagdterrier-Club e.V. mit dem Ziel, die Eignung für den praktischen Jagdbetrieb konsequent in den Mittelpunkt der Zucht zu stellen.

Durch diese Leistungszucht blieb der Deutsche Jagdterrier von Übertypisierungen verschont und bewährt sich als raubzeug- und schwarzwildscharfer Erdhund (FCI-Standard Nr. 103).

Rassestandard

Der offizielle FCI-Standard Nr. 103 stuft den Deutschen Jagdterrier in Gruppe 3, Sektion 1 (Hochläufige Terrier) mit Arbeitsprüfung ein. Er ist ein kleiner, wohlproportionierter, kompakter und muskulöser Gebrauchshund. Die Widerristhöhe beträgt bei Rüden und Hündinnen 33 bis 40 cm.

Ein für die Baujagd entscheidendes anatomisches Rassemerkmal ist die Brustspanne: Der Brustumfang muss um 10 bis 12 cm größer sein als die Schulterhöhe, wobei der Brustkorb tief, aber nicht tonnenförmig sein darf, damit der Hund enge Röhren im Naturbau mühelos befahren und wenden kann. Der Kopf ist keilförmig mit flachem Schädel, kaum ausgeprägtem Stop und kräftigem Fang mit 42 Zähnen und gewaltigem Scherengebiss. Die Augen sind klein, dunkel, mandelförmig und tief liegend, um sie vor Schmutz im Bau zu schützen. Die V-förmigen Kippohren liegen eng am Kopf an.

Das Haarkleid ist dicht, hart und wetterfest – entweder als Glatthaar oder als derbes Rauhaar mit ausgeprägtem Bart. Die Farbe ist überwiegend Schwarz-Rot (Schwarz mit rötlich-gelben Abzeichen an Augenbrauen, Fang, Brust, Läufen und After), seltener Dunkelbraun mit Loh oder Schiefergrau mit Loh.

Leistungsprofil

Der Deutsche Jagdterrier vereint die jagdlichen Tugenden mehrerer Rassegruppen in einem kompakten Körper und wird daher zu Recht als „Vollgebrauchshund im Kleinformat“ gerühmt:

  1. Baujagd: Unter Tage sprengt er den Fuchs aus Naturbauen, Kunstbauen und Strohdiemen mit schneidiger Raubwildschärfe. Vor dem Dachs verbellt er standlaut und beharrlich, ohne sich unüberlegt zu verbeißen.
  2. Stöbern & Bewegungsjagd: Auf Drückjagden schlägt der DJT selbst dichteste Schwarzdorndickungen, Brombeerverhaue und Schilfkomplexe durch. Mit sicherem, lautem Spurlaut bringt er Schalenwild auf die Läufe und beweist am wehrhaften Schwarzwild enormen Schneid und Respektabstand.
  3. Wasserarbeit: Viele Jagdterrier besitzen eine verblüffende Wasserpassion; sie stöbern dichte Schilfgürtel aus und apportieren erlegte Enten sicher aus tiefstem Wasser.
  4. Schweißarbeit: Am 10-Meter-Schweißriemen sucht der DJT mit tiefer, ruhiger Nase auf Schalenwildfährten. Seine Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer machen ihn zu einem verlässlichen Schweißhund für Nachsuchen auf Reh- und Schwarzwild.

Wesen und Arbeitsweise

Das Wesen des Deutschen Jagdterriers ist geprägt von unerschrockenem Mut, Härte gegen sich selbst und hoher Vitalität. Er ist ein temperamentvoller, arbeitsfreudiger und passionierter Jagdbegleiter, der jede Aufgabe mit kompromisslosem Eifer anpackt. Angst, Schreckhaftigkeit oder Weichheit sind ihm völlig fremd.

Entgegen manchem Vorurteil ist der DJT bei konsequenter, gerechter Führung keineswegs unkontrollierbar oder bösartig, sondern ausgesprochen führerbezogen, anhänglich und kooperationswillig. Im Haus verhält er sich bei ausreichender jagdlicher Auslastung erstaunlich ruhig, aufmerksam und kinderlieb.

Seine ausgeprägte Schärfe richtet sich naturgemäß gegen Raubwild und wehrhaftes Wild. Im Umgang mit Artgenossen verlangt er von Welpenbeinen an eine konsequente Sozialisierung, um Raufereien vorzubeugen. Er benötigt einen souveränen, wesensfesten Hundeführer mit klarer Autorität – inkonsequente Haltung quittiert er mit Dominanz und Eigensinn.

Gesundheit und Vorsorge

Der Deutsche Jagdterrier ist dank der strengen Leistungszucht eine der gesundheitlich stabilsten und langlebigsten Jagdhunderassen überhaupt.

Die wichtigste rassespezifische Erkrankung ist die Primäre Linsenluxation (PLL), eine erbliche Augenerkrankung, die zur Linsenverlagerung und Erblindung führen kann. Durch das vom DJT-Club eingeführte, verpflichtende DNA-Screening ist die Erkrankung heute fest im Griff: Trägertiere (Carrier) dürfen ausnahmslos nur mit genetisch freien Tieren (Clear) verpaart werden. Zudem werden Zuchttiere auf Myotonia congenita und Patellaluxation untersucht.

Im Jagdeinsatz erfordert der schneidige Terrier wirksame Unfallprophylaxe: Bei der Baujagd ist ein Senderhalsband (Terrier-Finder) unverzichtbar, um den Hund bei Verschüttung orten und ausgraben zu können. Auf Drückjagden schützt eine maßgefertigte Kevlar-Schutzweste den Rumpf vor tödlichen Schlägen wehrhafter Keiler.

Haltung und Auslastung

Der Deutsche Jagdterrier gehört grundsätzlich in Jägerhände. Als reiner Begleit- oder Familienhund für Nichtjäger verkümmert er seelisch oder entwickelt aufgrund chronischer Unterforderung schwere Verhaltensauffälligkeiten. Er braucht die regelmäßige Konfrontation mit Wild, Schweiß, Wasser und Boden.

Ideal gehalten wird der DJT in einem geräumigen Außenzwinger mit gut isolierter Hütte in Kombination mit täglichem Auslauf und engem Familienanschluss. Reine Wohnungshaltung ohne intensiven Reviereinsatz wird seinem enormen Bewegungsdrang nicht gerecht.

In der Erziehung verlangt der Jagdterrier von Beginn an unbedingte Konsequenz, absolute Gehorsamsdisziplin (insbesondere der Pfiff-Down und das Halt-Kommando) und frühe Gewöhnung an Artgenossen. Bei gerechter, verlässlicher Führung schließt er sich seinem Führer mit unverbrüchlicher Treue an.

Prüfungen und Zuchtzulassung

Das Jagdprüfungswesen für den Deutschen Jagdterrier wird maßgeblich vom Deutschen Jagdterrier-Club e.V. (im JGHV/VDH) sowie dem Österreichischen Club für Deutsche Jagdterrier (ÖCDJT) geregelt.

Typischer Ausbildungsgang für den Jagdgebrauch:

  1. Zuchtprüfung (ZP): Obligatorische Anlagenprüfung; prüft Schussfestigkeit, Spurlaut auf der Hasenspur, Wasserfreude, Nasenführung, Führigkeit und Gehorsam.
  2. Bauprüfung (BP): Nachweis der Baueignung und Schärfe am Bau (Raubwildschärfe).
  3. Gebrauchsprüfung (GP): Die anspruchsvolle Vollgebrauchsprüfung für Terrier; umfasst 400 m Schweißfährte auf Schalenwild, Buschieren, Standruhe, Schleppenarbeit auf Haar- und Federwild, Schilfwasserarbeit und Gehorsamsfächer.
  4. Verbandsprüfungen des JGHV: Der DJT ist zur Verbandsjugendprüfung (VJP), Herbstzuchtprüfung (HZP) und zur Verbandsgebrauchsprüfung (VGP / „Meisterprüfung der Jagdhunde“) zugelassen.
  5. Jagdliche Brauchbarkeitsprüfung (BP): Nachweis der vollen Brauchbarkeit nach den jeweiligen Landesjagdgesetzen für Stöbern, Baujagd und Schalenwildnachsuche.
  6. Verbandsschweißprüfung (VSwP): Schweißsonderprüfung auf 1.000 m Schalenwild-Übernachtfährte.

Zur Zuchtzulassung im DJT-Club sind Bestnoten im Form- und Haarwert, der DNA-Nachweis der PLL-Freiheit (oder Träger-Status für kontrollierte Verpaarung) sowie das Bestehen der Zuchtprüfung mit Spurlautnachweis und Bauprüfung bindend vorgeschrieben.

Vor der Anschaffung

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Häufige Fragen zu Deutscher Jagdterrier

Warum gilt der Deutsche Jagdterrier als „Vollgebrauchshund im Westentaschenformat“?

Trotz seiner kompakten Schulterhöhe von nur 33 bis 40 cm meistert der Deutsche Jagdterrier fast alle jagdlichen Arbeiten, die man sonst von großen Vorstehhunden oder Schweißhunden erwartet: Neben seiner Spezialität, der Baujagd unter Tage, stöbert er mit sicherem Spurlaut auf Bewegungsjagden, beweist Härte am wehrhaften Schwarzwild, apportiert Wasserwild aus tiefem Schilfwasser und arbeitet Schweißfährten am Riemen mit tiefer Nase aus. Viele DJT bestehen sogar die anspruchsvolle Verbandsgebrauchsprüfung (VGP) des JGHV.

Warum wird der Deutsche Jagdterrier grundsätzlich nur an Jäger abgegeben?

Der Deutsche Jagdterrier-Club e. V. (DJT-Club) verfolgt seit seiner Gründung im Jahr 1926 das unumstößliche Prinzip „von Jägern für Jäger“. Die Rasse wurde bewusst frei von Schönheits- und Ausstellungsmode rein auf jagdliche Höchstleistung, Härte und Passion selektiert. Ein DJT besitzt ein enormes Energiepotenzial und einen unbändigen Jagdtrieb, der in einem reinen Familien- oder Begleithundehaushalt zwangsläufig zu Frustration, Dominanzverhalten und massiven Problemen führen würde. Er braucht den echten Praxiseinsatz im Revier.

Was ist die Primäre Linsenluxation (PLL) und wie wird sie züchterisch bekämpft?

Die Primäre Linsenluxation (PLL) ist eine erbliche Augenerkrankung, bei der die Aufhängungsbänder der Augenlinse reißen, was zu schmerzhaftem grünem Star (Glaukom) und vollständiger Erblindung führen kann. Durch die Einführung eines verpflichtenden DNA-Gentests im DJT-Club ist es gelungen, die Rasse zu sanieren: Trägertiere (Carrier) dürfen ausschließlich mit genetisch absolut freien Hunden (Clear) verpaart werden. Dadurch wird das Auftreten erkrankter Welpen (Affected) in der kontrollierten Zucht zu 100 Prozent verhindert.

Wie läuft die Baujagd mit dem Deutschen Jagdterrier in der Praxis ab?

Bei der Baujagd wird der Terrier an den befahrenen Kunst- oder Naturbau herangeführt und geschnallt. Ausgestattet mit einem modernen Senderhalsband (z. B. Bellman & Flint), dringt er lautlos in die Röhre ein, sucht den Kessel ab und bedrängt den Fuchs mit scharfem, unnachgiebigem Verbellen. Ziel ist es, den Fuchs zum Verlassen des Baues („Sprengen“) vor die Schrotflinten der wartenden Schützen zu bringen. Beim Dachs hält der Terrier das Wild auf Distanz fest, während die Jäger den Hund mittels Empfangsgerät oberirdisch orten und gegebenenfalls einen Einschlag graben.

Welche Zucht- und Jagdprüfungen muss ein Deutscher Jagdterrier im JGHV absolvieren?

Die Zucht- und Prüfungsordnung des DJT-Clubs im JGHV sieht einen anspruchsvollen Werdegang vor: Zunächst absolviert der Junghund die Zuchtprüfung (ZP), bei der Schussfestigkeit, Spurlaut auf der Hasenspur, Wasserfreude, Nase und Führigkeit bewertet werden. Hinzu kommt der Nachweis der Raubwildschärfe bzw. Baueignung (BP). Als Krönung der Ausbildung folgt die Gebrauchsprüfung (GP) mit Schweißarbeit auf Schalenwild, Standruhe, Buschieren und Gehorsam.

Quellen und Evidenz

3 Einträge
  1. Fachverband / Körperschaft Abruf: 9.8.2026

    Erdhunde

    Kärntner Jägerschaft Primärdokument öffnen ↗
  2. Fachverband / Körperschaft Abruf: 11.9.2026

    FCI-Nomenklatur der Hunderassen

    Fédération Cynologique Internationale (FCI) Primärdokument öffnen ↗
  3. Fachverband / Körperschaft Abruf: 13.9.2026

    FCI-Standard Nr. 103: Deutscher Jagdterrier

    Fédération Cynologique Internationale (FCI) Primärdokument öffnen ↗

Geltung und Prüfstand

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