Fachthema: Wildunfälle & Infrastruktur

19 wissenschaftliche Arbeiten aus dem European Journal of Wildlife Research behandeln das Thema Wildunfälle & Infrastruktur im Zeitraum 2010 bis 2025.

Was die Arbeiten zeigen

Straßen töten Tiere und trennen Bestände. Die Arbeiten messen beides und prüfen Gegenmaßnahmen. An der A4 in Westpolen wurden 15 Querungshilfen untersucht: Grünbrücken funktionierten deutlich besser als Unterführungen, und Schalenwild stellte 77,4 % der Querungen durch Wildtiere. Amphibientunnel mit Leitzäunen in Nordengland wurden trotz vieler Kehrtwenden von der Mehrheit der Tiere genutzt, und der Kammmolchbestand wuchs.

Fallwildkartierungen zeigen Muster. In Südspanien trieb die Temperatur das Risiko, nicht die Kurvigkeit der Straße; an einer neuen Straße auf Teneriffa gingen die Verluste im zweiten Jahr trotz zunehmenden Verkehrs zurück. Systematisch erfasst liefert Fallwild darüber hinaus Daten zu Verbreitung, Bestandstrends und Krankheiten. Am Flughafen Dublin wurden in 30 Jahren 320 Kollisionen mit dem Irischen Hasen erfasst. Tragbare Licht-Ultraschall-Vergrämer senkten die Übertritte von Rotwild um 68 %, bis sich das Wild an sie gewöhnte.

Fallwild auf zehn Straßenabschnitten in Südspanien (Arca-Rubio et al., 2023)

Über ein Jahr wurden auf zehn Straßenabschnitten im Süden Spaniens die Kadaver überfahrener Wirbeltiere erfasst. Jeder Abschnitt war drei Kilometer lang und wurde zu Fuß abgegangen. Die höchste Fallwildsterblichkeit hatten Säugetiere, mit 45,72 %. Die Häufigkeit der Kollisionen war unabhängig von Zäunen und Niederschlag. Die Zahl der Kollisionen zeigte einen saisonalen Effekt. Das räumliche Muster der Kollisionen hing von der Wirbeltiergruppe ab. Die Autoren folgern daraus, dass gezielte Maßnahmen nötig sind, um die Folgen des Fallwilds für Wildtiere zu verringern, rechtzeitig an jeder kritischen Stelle und für jede Wirbeltiergruppe. Die Ergebnisse gelten damit für eine Region im Süden Spaniens und ein Jahr.

Hirschbestände, Konflikte und Verkehrsunfälle in Irland (Murphy et al., 2025)

Gegenstand ist die Sicht von Interessengruppen auf das Management von Hirschbeständen in Irland. Unter den Problemen, die mit steigenden Hirschbeständen verbunden wurden, standen Verlust an Biodiversität und das Risiko von Verkehrsunfällen obenan. Die Rangfolge hing unter anderem davon ab, ob die Befragten Grundeigentum hatten, ob sie sich selbst als städtisch oder ländlich einordneten und ob sie aus Irland stammten. Auch die Rangfolge der Managementoptionen und Hindernisse unterschied sich je nach Interessengruppe, etwa Jägern und Landwirten. Weitgehende Übereinstimmung gab es beim Abschuss als wichtigem Managementinstrument und bei der Zusammenarbeit, mit der sich Hindernisse überwinden lassen.

Redaktionelle Einordnung von JAGDNAVIGATOR, Stand 11. Oktober 2026, mit KI-Unterstützung aus den Zusammenfassungen (Abstracts) der unten verlinkten Arbeiten erstellt und am 11. Oktober 2026 von der Redaktion freigegeben. Die Arbeiten stammen aus einer einzigen Fachzeitschrift und bilden nicht den gesamten Forschungsstand ab.

Behandelte Wildarten in diesen Studien

Elch Gämse (Gamswild) Mufflon (Muffelwild) Reh Rothirsch Wildschwein (Schwarzwild) Alpensteinbock Wildkaninchen Wolf

19 Studien zum Thema Wildunfälle & Infrastruktur

2022 Zusammenfassung

Roadkill mortality decreases after road inauguration

Enrique Sacramento & Beneharo Rodríguez & Airam Rodríguez

European Journal of Wildlife Research 68, 31

Neue Straße auf Teneriffa: 694 Verkehrsopfer in zwei Jahren - im zweiten Jahr deutlich weniger, obwohl der Verkehr zunahm.

2020 Zusammenfassung

The elephant at the fence: almsman, panhandler, friend or foe?

Prithiviraj Fernando & Sampath K. K. Ekanayaka & Jennifer Pastorini

European Journal of Wildlife Research 66, 97

Über 50 Elefantenbullen am Zaun eines Nationalparks in Sri Lanka, täglich über 1.000 Zuschauer - die Fütterung schadete weder Tieren noch Umwelt und brachte den Anwohnern Geld.

2020 Zusammenfassung

The value of monitoring wildlife roadkill

Amy L. W. Schwartz & Fraser M. Shilling & Sarah E. Perkins

European Journal of Wildlife Research 66, 18

Fallwild an Straßen ist mehr als eine Verlustzahl: Systematisch erfasst liefert es Daten zu Verbreitung, Bestandstrends, Verhalten, Schadstoffen und Krankheiten.

2010 Zusammenfassung

Bat casualties on a road crossing a mosaic landscape

Grzegorz Lesiński & Anna Sikora & Adam Olszewski

European Journal of Wildlife Research 57, 217-223

61 überfahrene Fledermäuse aus sieben Arten auf 16,6 km Straße im Kampinos-Nationalpark - und die Annahme, tief fliegende Arten seien stärker betroffen, bestätigte sich nicht.

Geltung und Prüfstand

Gilt für
Fachthema Wildunfälle & Infrastruktur
Prüfvermerk
DOI, Autoren, Journal und Lizenz gegen Crossref geprüft
Primärquellen
19 DOI-Originalpublikationen