Sichere Erkennung

Der Erpel im Prachtkleid (etwa Oktober bis Juni) hat einen kastanienbraunen Kopf mit rahmgelber Stirn und Scheitel, eine rosagraue Brust, einen fein grau gewellten Rumpf, weiße Flanken hinten und schwarze Unterschwanzdecken. Im Flug fällt beim alten Erpel ein großes weißes Feld auf dem Vorderflügel auf, dazu ein grün glänzender, schwarz gesäumter Spiegel. Die Ente ist rötlich- bis graubraun, mit rundem Kopf, kurzem Hals und kleinem, blaugrauem Schnabel mit schwarzer Spitze; ihr fehlt das weiße Flügelfeld. Beide Geschlechter haben einen scharf abgesetzten weißen Bauch. Namengebend ist der helle, abfallende Pfiff des Erpels („wiiu“), der rastende Trupps schon aus der Entfernung verrät. Im Schlichtkleid ähnelt der Erpel der Ente, behält aber das weiße Flügelfeld.

Pfeifenten-Ente mit rötlich-brauner Färbung, rundem Kopf und kleinem blaugrauem Schnabel
Foto: Charles J. Sharp · CC BY-SA 4.0

Gestalt und Ansprache

Die Pfeifente misst 42 bis 50 cm, hat eine Spannweite von etwa 75 bis 86 cm und wiegt etwa 500 bis 1.000 g; Erpel sind schwerer als Enten. Sie ist damit kleiner und gedrungener als die Stockente. Der kurze, schmale Schnabel ist ein Werkzeug zum Abrupfen von Gräsern, der spitze Schwanz und die schmalen Flügel ergeben ein schnelles, wendiges Flugbild. Als Schwimmente liegt sie hoch auf dem Wasser und kann senkrecht aus dem Wasser auffliegen.

Pfeifenten-Erpel beim Weiden auf kurzem Gras, typisch für die Nahrungssuche an Land
Foto: Nimged · CC BY-SA 4.0

Biologie und Lebensweise

Die Paare finden sich bereits im Winterquartier. Gebrütet wird von Mai bis Juli am Boden, gut versteckt in Ufervegetation oder Zwergstrauchheide in Gewässernähe. Das Gelege umfasst meist 7 bis 10 Eier, die die Ente rund drei bis dreieinhalb Wochen allein bebrütet; die Küken sind Nestflüchter und werden nach etwa sechs Wochen flügge. Die Erpel verlassen die Brutgebiete früh und mausern in großen Ansammlungen. Pfeifenten weiden: Anders als die meisten Schwimmenten suchen sie ihre Nahrung überwiegend an Land oder im Flachwasser, oft in dichten Trupps und nicht selten zwischen Gänsen. In ungestörten Gebieten wird auch am Tag geweidet, bei Störung verlagert sich die Nahrungssuche in die Nacht.

Pfeifenten-Enten beim Auffliegen vom Wasser mit sichtbarem weißem Bauch
Foto: Hari K Patibanda · CC BY 2.0

Lebensraum und Ansprüche

Zur Brutzeit bewohnt die Art flache, vegetationsreiche Seen, Moore und Flussufer der borealen Nadelwaldzone und der Waldtundra von Island über Skandinavien bis Ostsibirien. Im Herbst zieht sie nach West- und Mitteleuropa. Im Winterhalbjahr sucht sie flache Meeresbuchten, das Wattenmeer, Salzwiesen, Flussmündungen sowie große Binnenseen mit angrenzendem Überschwemmungsgrünland auf. Tagsüber ruhen die Trupps häufig auf offenem Wasser.

Pfeifenten-Erpel im Schlichtkleid, entenähnlich braun gefärbt
Foto: Alpsdake · CC BY-SA 3.0

Nahrung und Raumnutzung

Die Pfeifente ernährt sich fast rein pflanzlich. Sie rupft kurze Gräser, Klee, Queller und Wintergetreide, an der Küste vor allem Seegras, im Binnenland auch Wasserpflanzen, Algen und Sämereien. Auf Äckern mit Wintersaat kann sie in großen Trupps auftreten. Tierische Nahrung spielt nur eine geringe Rolle.

Trupp rastender Pfeifenten auf dem Wasser, ein Erpel ruft
Foto: Alpsdake · CC BY-SA 3.0

Zugverhalten und Rastgebiete

Die Pfeifente ist Kurz- bis Langstreckenzieher. Der Wegzug aus den Brutgebieten beginnt im August, die Hauptmasse erreicht Mitteleuropa von Ende September bis November. Der Heimzug läuft von Februar bis April. Bei Frost weichen die Trupps nach Westen und Südwesten aus, sodass die Zahlen an einem Rastplatz stark mit dem Wetter schwanken.

Bestandszahlen und Jagdstrecke

Die Art ist weit verbreitet; die IUCN führt sie als nicht gefährdet (Least Concern). In Deutschland ist die Pfeifente ein sehr seltener Brutvogel mit wenigen Paaren, vor allem an der Küste Schleswig-Holsteins. Als Rastvogel tritt sie dagegen in sehr großen Zahlen auf, mit Schwerpunkten im Wattenmeer und an der Ostseeküste. In Österreich und der Schweiz brütet sie nicht, ist aber regelmäßiger Durchzügler und Wintergast an großen Seen und Stauhaltungen. Belastbar sind die abgestimmten Wasservogelzählungen über mehrere Winter, nicht die Zählung an einem einzelnen Tag.

Bejagung und Hege

Deutschland: Die Pfeifente gehört zu den Wildenten, die nach § 2 BJagdG dem Jagdrecht unterliegen. § 1 Abs. 1 Nr. 22 der Jagdzeitenverordnung setzt für Pfeif-, Krick-, Spieß-, Berg-, Reiher-, Tafel-, Samt- und Trauerenten die Jagdzeit vom 1. Oktober bis 15. Januar fest; die Länder können Jagdzeiten abkürzen oder aufheben. Schweiz: Wildenten sind nach Art. 5 Abs. 1 Bst. o JSG jagdbar mit Schonzeit vom 1. Februar bis 31. August; die Pfeifente steht nicht in der Liste der geschützten Entenarten nach Art. 5 Abs. 2 JSG. Die Kantone können die Liste der jagdbaren Arten einschränken und Schonzeiten verlängern (Art. 5 Abs. 4 JSG). Österreich: Jagd- und Schonzeiten der Wildenten regeln die Landesjagdgesetze. Die geltenden Zeiten stehen in der Tabelle der Jagdzeiten auf dieser Seite.

Jagdliche Einordnung

Die Bejagung erfolgt am herbstlichen Abend- und Morgenstrich sowie bei der Lockjagd an Rast- und Äsungsflächen. Pfeifenten sind oft mit anderen, teils geschützten oder geschonten Enten vergesellschaftet; geschossen wird nur bei sicherer Ansprache, die im Dämmerlicht schnell an ihre Grenzen kommt. In der EU ist seit 15. Februar 2023 das Verschießen von Bleischrot in Feuchtgebieten und im Umkreis von 100 m verboten, ebenso das Mitführen bei der Jagd dort (Verordnung (EU) 2021/57). Für das Verlorenbringen aus dem Wasser ist ein brauchbarer, wasserfreudiger Jagdhund unverzichtbar. In vielen Rastgebieten gelten Schutzgebietsverordnungen mit Jagdruhezonen.

Wildbret

Wegen der fast rein pflanzlichen Ernährung ist das Wildbret der Pfeifente fein, zart und mild, ohne tranigen Beigeschmack. Junge Enten lassen sich im Ganzen braten, die ausgelösten Brüste kurz und rosa braten; ältere Stücke eignen sich zum Schmoren. Wichtig sind rasches Auskühlen und Rupfen nach der Jagd.

Schutz und rechtlicher Rahmen

Die Pfeifente (in der Richtlinie noch als Anas penelope geführt) steht in Anhang II Teil A der EU-Vogelschutzrichtlinie 2009/147/EG und darf damit im Geltungsbereich der Richtlinie nach nationalem Recht bejagt werden; nach Anhang III Teil B können die Mitgliedstaaten auch den Handel zulassen. Sie fällt unter das Afrikanisch-Eurasische Wasservogelabkommen (AEWA). Auf der Roten Liste der IUCN gilt sie als nicht gefährdet.

Bestand und Management

Für den Bestand zählt vor allem die Qualität der Rast- und Überwinterungsgebiete: ungestörte Flachwasserzonen, Salzwiesen und kurzrasiges Grünland in Gewässernähe. Störungen durch Freizeitnutzung und Jagd in Rastgebieten zwingen die Trupps zu energiezehrenden Ausweichflügen. Jagdruhezonen, gestaffelte Jagdtage und ein Verzicht auf Jagd bei strengem Frost entlasten die Bestände. Wo Pfeifenten auf Wintersaaten weiden, entstehen gebietsweise Konflikte mit der Landwirtschaft, die über Ablenkflächen und Vergrämung statt über verstärkte Bejagung gelöst werden sollten.

Alters- und Kategorieansprache

Merkmale zur Altersbeurteilung vor und nach dem Schuss.

Ansprachemerkmale & Kriterien

Im Feld ist der Erpel im ersten Winter am besten am Flügel zu erkennen: Das große weiße Vorderflügelfeld des Altvogels fehlt ihm, die Decken sind graubraun bis grauweiß gemischt. Das Prachtkleid am Körper wird dagegen schon im ersten Winter weitgehend angelegt. Weibchen lassen sich im Feld kaum nach dem Alter unterscheiden. Am erlegten Vogel helfen Steuerfedern mit V-förmiger Dunenkerbe an der Spitze bei Jungvögeln und schmalere, abgenutzte Schwingendecken.

Schnabel und anatomische Merkmale

Sicherstes Merkmal am erlegten Vogel ist die Bursa Fabricii (Kloakentasche), die nur bei Jungvögeln im ersten Lebensjahr tastbar ist und sich bis zum ersten Frühjahr zurückbildet. Ergänzend gibt der Brustbeinkiel Hinweise: Bei Jungvögeln ist er vorne noch biegsam, bei Altvögeln fest verknöchert.

Altersklassen & Klassifizierung

Erpel im Prachtkleid (Altvogel, mit weißem Flügelfeld); Erpel im ersten Winter (Prachtkleid am Körper, kein reinweißes Flügelfeld); Erpel im Schlichtkleid (Spätsommer, entenähnlich, weißes Flügelfeld bleibt); Ente (ganzjährig braun); Jungvögel im Jugendkleid (bis zur Herbstmauser).

Vergleichbare & verwandte Wildarten

Ökologische und jagdpraktische Einordnung innerhalb der Gruppe Schwimmenten und Wasservögel (Anatidae).

1. Stockente (Anas platyrhynchos): größer, Erpel mit grünem Kopf und weißem Halsring, blauer, weiß gesäumter Spiegel. 2. Schnatterente (Mareca strepera): nächste Verwandte; grauer Erpel mit schwarzem Heck, beide Geschlechter mit weißem Spiegel, Ente mit orangen Schnabelseiten. 3. Krickente (Anas crecca): deutlich kleiner, Erpel mit kastanienbraunem Kopf und grünem Augenstreif, Steilstart. 4. Tafelente (Aythya ferina): Tauchente mit rotbraunem Kopf ohne helle Stirn, schwarzer Brust und silbergrauem Rumpf; braucht Anlauf zum Auffliegen. 5. Reiherente (Aythya fuligula): Tauchente, Erpel schwarz-weiß mit Schopf und gelber Iris. Außerdem: Amerikanische Pfeifente (Mareca americana, seltener Irrgast) mit grauem Kopf, grünem Augenband und weißem Scheitel; Spießente mit langem Hals und Spieß. Bei schlechtem Licht ist an Rastplätzen mit geschützten Arten zu rechnen.

Verbreitung

Nachgewiesene Vorkommen von Pfeifente nach Ländern.

Global Biodiversity Information FacilityGBIF Taxon #8000602

Wissenschaftliche Nachweise & Vorkommen: Pfeifente

GBIF Taxon
GBIF-Nachweise von Pfeifente (Mareca penelope) in Europa. Gelbe bis rote Punkte: Dichte wissenschaftlicher Beobachtungen.
Dichte wissenschaftlicher Nachweise
EinzelfundeHohe Dichte

Kartengrundlage: GBIF-Basiskarte, © OpenStreetMap contributors, © OpenMapTiles · Nachweise: GBIF.org, CC0 · Stand: 23. Oktober 2026 · Darstellung: JAGDNAVIGATOR

Jagd- und Schonzeiten nach Rechtsraum

Jagdzeiten setzt jedes Bundesland und jeder Kanton selbst fest, oft getrennt nach Wildklasse. Die Tabelle gibt die Zeiten für Pfeifente aus 10 Verordnungen wieder. Verbindlich ist die amtliche Fassung, die auf der jeweiligen Rechtsraumseite verlinkt ist.

Jagdzeiten für Pfeifente nach Rechtsraum
Rechtsraum Wildklasse Jagdzeit
Burgenland (AT) Stock-, Krick-, Knäk-, Pfeif-, Schnatter-, Spieß-, Löffel-, Tafel-, Reiher- und Schellente 1. September bis 15. Januar
Kärnten (AT) Stock-, Krick-, Pfeif-, Schnatter-, Spieß-, Löffel-, Tafel-, Reiher- und Knäkente 1. September bis 31. Dezember
Niederösterreich (AT) Krick-, Knäk-, Pfeif-, Schnatter-, Spieß-, Löffel-, Tafel-, Reiher- und Schellente 1. Oktober bis 31. Dezember
Oberösterreich (AT) alle Klassen ganzjährig geschont
Bayern (DE) Pfeif-, Krick-, Spieß-, Berg-, Reiher-, Tafel-, Samt- und Trauerente 1. Oktober bis 15. Januar
Baden-Württemberg (DE) alle Klassen 1. Oktober bis 15. Januar
Berlin (DE) alle Klassen ganzjährig geschont
Sachsen-Anhalt (DE) Pfeif-, Krick-, Spieß-, Berg-, Reiher-, Tafel-, Samt- und Trauerente 1. Oktober bis 15. Januar (nach JagdzeitV des Bundes)
Thüringen (DE) Fassung bis alle Klassen ganzjährig geschont
Mecklenburg-Vorpommern (DE) Pfeif-, Krick-, Spieß-, Berg-, Reiher-, Tafel-, Samt- und Trauerente 1. Oktober bis 15. Januar (nach JagdzeitV des Bundes)

Jagdrecht und Verordnungen aller Bundesländer und Kantone

Häufige Fragen zu Pfeifente

Brütet die Pfeifente in Mitteleuropa?

Nur ausnahmsweise. Das Brutgebiet liegt in Island, Skandinavien, Finnland und Sibirien; in Deutschland brüten nur sehr wenige Paare. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Art ganz überwiegend Durchzügler und Wintergast.

Woran erkennt man die Pfeifente im Flug?

Sie ist kleiner als die Stockente, hat einen kurzen Hals, einen spitzen Schwanz und einen scharf abgesetzten weißen Bauch. Der alte Erpel zeigt ein großes weißes Feld auf dem Vorderflügel und einen grünen Spiegel. Dazu kommt der helle, pfeifende Ruf des Erpels.

Wie unterscheidet man die Pfeifente von Schnatter- und Krickente?

Die Schnatterente hat einen weißen Spiegel, orange Schnabelseiten bei der Ente und einen eher eckigen Kopf. Die Pfeifente wirkt mit rundem Kopf und kleinem, blaugrauem Schnabel gedrungen.

Wann darf die Pfeifente gejagt werden?

In der Schweiz gehört sie zu den jagdbaren Wildenten mit Schonzeit vom 1. Februar bis 31. August, die Kantone können die Liste einschränken. In Österreich gilt das jeweilige Landesjagdgesetz.

Welche Munition ist bei der Entenjagd vorgeschrieben?

Verwendet werden bleifreie Schrote, etwa aus Weicheisen oder Bismut.

Wie schmeckt das Wildbret der Pfeifente?

Weil sie sich fast nur von Gräsern und Wasserpflanzen ernährt, ist das Wildbret mild und ohne tranigen Beigeschmack. Die kleinen Brüste eignen sich zum kurzen Braten, ganze Enten zum Schmoren oder Braten im Ofen.

Quellen und Evidenz

7 Einträge
  1. Fachverband / Körperschaft Abruf: 10.10.2026

    Wigeon (Mareca penelope)

    British Trust for Ornithology Primärdokument öffnen ↗
  2. Amtliche Primärquelle Abruf: 13.10.2026

    GBIF Backbone Taxonomy: Mareca penelope

    Global Biodiversity Information Facility Primärdokument öffnen ↗
  3. Amtliche Primärquelle Abruf: 13.10.2026

    Richtlinie 2009/147/EG über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten (Vogelschutzrichtlinie)

  4. Amtliche Primärquelle Abruf: 13.10.2026

    Bundesjagdgesetz (BJagdG)

    Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de Primärdokument öffnen ↗
  5. Amtliche Primärquelle Abruf: 13.10.2026

    Verordnung über die Jagdzeiten (JagdzeitV 1977)

    Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de) Primärdokument öffnen ↗
  6. Amtliche Primärquelle Abruf: 13.10.2026

    Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (JSG, SR 922.0)

    Bundeskanzlei, Fedlex Primärdokument öffnen ↗
  7. Amtliche Primärquelle Abruf: 13.10.2026

    Verordnung (EU) 2021/57 der Kommission (REACH, Blei in Schrotmunition in Feuchtgebieten)

    Europäische Kommission Primärdokument öffnen ↗

Geltung und Prüfstand

Gilt für
Biologie und jagdliche Einordnung. Jagd- und Schonzeiten gelten nur im jeweiligen Rechtsraum.
Inhalt geprüft