Sichere Erkennung

Die Bezoarziege (Capra aegagrus) ist eine mittelgroße, extrem muskulöse und drahtige Wildziegenart mit ausgeprägtem Sexualdimorphismus. Adulte Böcke erreichen eine Schulterhöhe von 80 bis 100 cm und ein Gewicht von 60 bis 90 kg (kapitale Individuen im Spätherbst über 100 kg), während Geißen mit 35 bis 50 kg deutlich kleiner und leichter bleiben. Das herausragende Erkennungsmerkmal der Böcke sind die majestätischen, säbelförmig nach hinten geschwungenen Schläuche, die Längen von 100 bis über 135 cm (in Ausnahmefällen über 140 cm / 55 Zoll) erreichen. Sie besitzen im Querschnitt eine schmale, linsenförmige Gestalt mit einem messerscharfen Vorderbug (Kiel), auf dem wulstige Knötchen sitzen. Weibliche Tiere tragen lediglich kurze, dünne Schläuche von 20 bis 30 cm Länge ohne ausgeprägten Bug. Im Winterfell bieten alte Böcke einen atemberaubenden Anblick: Silberweiße Flanken kontrastieren scharf mit einer pechschwarzen Brust, einem breiten schwarzen Aalstrich, einer schwarzen Gesichtsmaske und dem charakteristischen Schulterkreuz sowie einem bis zu 18 cm langen Kinnbart.

Gestalt und Ansprache

Die anatomische Konstitution der Bezoarziege ist ein evolutionäres Meisterwerk für das Überleben in senkrechten Felswänden. Die Schalen sind relativ kurz, aber außergewöhnlich elastisch aufgebaut: Ein weicher, gummiartiger Innenballen sorgt für maximale Reibungshaftung auf glattem Kalkstein, während ein harter, messerscharfer Außenrand selbst auf millimeterbreiten Felsleisten sicheren Halt findet. Die Zwischenzehenbänder sind extrem dehnbar, sodass sich die Schalenhälften spreizen und Felsvorsprünge förmlich umgreifen können. Im Magen (Labmagen) bilden sich durch die Aufnahme harzreicher Pflanzen und Haare verhärtete Magensteine (Bezoare), die der Art ihren Namen gaben.

Biologie und Lebensweise

Bezoarziegen sind tag- und dämmerungsaktive Gebirgsbewohner mit ausgeprägter sozialer Differenzierung. Geißen, Kitze und Einjährige leben in lockeren Rudeln von 5 bis 25 Tieren zusammen, die von einer erfahrenen Leitgeiß geführt werden. Die Böcke schließen sich außerhalb der Fortpflanzungszeit zu separaten Junggesellengruppen zusammen oder ziehen als alte Einzelgänger durch unzugängliche Schluchten. Bei Gefahr flüchten Bezoarziegen nicht in die Weite, sondern suchen blitzschnell senkrechte Steilabbrüche und Felsbänder auf, die für Beutegreifer wie Wölfe und Bären unpassierbar sind. Zur Kommunikation dienen tiefe Warnpfiffe und heisere Schnaublaute.

Lebensraum und Ansprüche

Das Kernverbreitungsgebiet der Bezoarziege liegt in Kleinasien und dem Nahen Osten. Das weltweite Schutzzentrum befindet sich in den anatolischen Gebirgen der Türkei (West- und Zentral-Taurus, Anti-Taurus, Kaçkar-Gebirge, Munzur-Massiv). Weitere Vorkommen existieren im Iran (Zagros- und Alborz-Gebirge), in Armenien, Aserbaidschan, Georgien und Dagestan. Die Art besiedelt extreme Höhenstufen von 800 bis über 3.200 Metern. Bevorzugt werden sonnenexponierte, schroffe Kalksteinwände, Schluchten und Felsgrate, die mit lichten Nadelwäldern aus Schwarzkiefer (Pinus nigra), Kilikischer Tanne (Abies cilicica), Libanon-Zeder (Cedrus libani) sowie Wacholder- und Dornbuschvegetation durchsetzt sind.

Nahrung und Raumnutzung

Als anpassungsfähiger Mischäser (Intermediate Feeder) nutzt die Bezoarziege ein breites Spektrum an Gebirgspflanzen. Im Frühjahr und Sommer dominiert proteinreiche Äsung aus Gebirgsgräsern, Klee, Wicken und Alpenkräutern. Im trockenen Spätsommer und während des schneereichen Winters schaltet die Art auf holzige und dornige Vegetation um: Benagt werden Triebe und Rinde von Zwergeichen (Quercus coccifera), Nadeln von Kiefern und Wacholdern, dornige Tragant-Polster (Astragalus) sowie Flechten und Moose von den Felswänden. Dank ihrer Kletterkunst vermögen Bezoarziegen auch in die Kronen schiefstehender Bergwuchs-Bäume zu steigen, um an frisches Laub zu gelangen.

Brunft und Fortpflanzung

Die Brunft fällt in den Spätherbst und Frühwinter (Mitte November bis Ende Dezember). In dieser Zeit ziehen die starken Böcke zu den Geißenrudeln. Es kommt zu spektakulären Rivalenkämpfen an steilsten Abgründen: Die Böcke richten sich auf den Hinterläufen auf und lassen sich mit voller Wucht herabfallen, wobei die Schläuche mit lautem Knall aufeinanderschlagen. Nach einer Tragzeit von rund 150 bis 160 Tagen setzt die Geiß im April oder Mai meist ein, selten zwei Kitze. Das Setzen erfolgt in versteckten Felsnischen, wo das Kitz die ersten Lebenstage regungslos verharrt, bevor es der Mutter selbst über steilste Felsbänder folgt.

Bestandszahlen und Jagdstrecke

Die Türkei beherbergt mit schätzungsweise über 35.000 bis 40.000 Bezoarziegen den mit Abstand vitalsten und besterforschten Bestand weltweit. Durch das konsequente, partizipative Wildtiermanagement der türkischen Naturschutzbehörde DKMP hat sich die Population seit den 1990er-Jahren mehr als vervierfacht. Im Iran wird der Bestand auf 20.000 bis 30.000 Tiere geschätzt. In den Kaukasusstaaten (Armenien, Aserbaidschan) leben isolierte Reliktvorkommen von jeweils wenigen Hundert bis Tausend Tieren. Auf Kreta lebt die verwilderte Form der Kri-Kri-Ziege (Capra aegagrus cretica), die genetisch jedoch starke Einflüsse früher Haustierformen aufweist.

Jagdliche Einordnung

Die Bezoarjagd im anatolischen Taurusgebirge zählt zu den renommiertesten und anspruchsvollsten Gebirgsjagden weltweit. Sie wird von Anfang August bis Ende März durchgeführt, wobei die Hauptsaison in die Brunftmonate November und Dezember fällt, wenn die Böcke ihr prachtvolles Winterkleid tragen und im Fels aktiv nach Geißen suchen.

Körperliche Anforderungen: Die Jagd verlangt exzellente Kondition, Schwindelfreiheit und absolute Trittsicherheit im steilen Karstgestein. Häufig werden täglich 800 bis 1.500 Höhenmeter zu Fuß bewältigt. Die Felsen sind scharfkantig und brüchig; Steinschlag und plötzliche Wetterumschwünge (Nebel, Schnee, Hitzestau in Südwänden) erfordern volle Konzentration.

Führung & Ablauf: Jeder Jagdgast wird von lizenzierten türkischen Jagdführern und einem beamteten Game Scout der staatlichen Naturschutzbehörde DKMP begleitet. Vor dem Schuss wird der Bock über Spektive angesprochen; der DKMP-Scout überprüft die Einhaltung der gesetzlichen Mindesthornlänge (in der Regel mindestens 100 cm) und gibt den Schuss frei.

Ballistik, Kaliber & Ausrüstung: Schussdistanzen liegen im offenen Hochgebirge meist zwischen 200 und 350 Metern, vereinzelt darüber. Durch extreme Schusswinkel steil nach oben oder unten muss der Jäger die ballistische Distanzverkürzung (Winkelsprung) präzise beherrschen. Als Mindestkaliber gilt die 6.5 PRC / 7mm Remington Magnum; die weltweite Praxis setzt überwiegend auf .300 Winchester Magnum, .300 PRC oder 8x68 S mit schweren, windstabilen Deformationsgeschossen (160 bis 210 Grain). Ein stabiler Dreibein-Zielstock, ein winkelkompensierender Laser-Entfernungsmesser und hochwertige Optik (10x42 Fernglas plus 20-60x Spektiv) sind obligatorisch.

Trophäe und Bewertung

Die Trophäe des Bezoarbocks wird international nach den Formeln des CIC (Internationaler Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd) und des SCI (Safari Club International) bewertet.

Bewertungsmethoden:

  • CIC-Formel: Gemessen wird die Länge beider Schläuche entlang des vorderen Buges (Kiel) von der Unterkante der Hornbasis über alle Krümmungen bis zur Spitze. Hinzu kommen der Umfang an der Hornbasis sowie der Umfang an den Viertelpunkten (1/4, 1/2, 3/4). Es werden Punkte für die Ausladung (Spannweite) und Schönheit der Knötchen vergeben, während Abzüge bei starker Asymmetrie erfolgen. CIC-Medaillengrenzen: Bronze ab 370 Punkte, Silber ab 385 Punkte, Gold ab 400 Punkte (Goldmedaillen-Böcke weisen in der Regel Hornlängen von über 115 bis 130 cm auf).
  • SCI-Formel: SCI erfasst die Gesamtlänge beider Hörner entlang der Hauptkante zuzüglich des Basisumfangs und der drei Quartilsumfänge. Mindestmaß für die Aufnahme liegt bei 80 Zoll, Gold ab 100 Zoll.

Trophäenbehandlung: Die Decke wird für ein Schulter- oder Ganzpräparat fachgerecht abgezogen, sorgfältig entfleischt und mit reichlich unjodiertem Salz konserviert. Der Schädel wird vollständig ausgekocht, gereinigt und gebleicht.

Wildbret und Verwertung

Das Wildbret der Bezoarziege ist feinfasrig, tief dunkelrot und besitzt einen ausgeprägten, edlen Gebirgscharakter, der durch die ätherischen Öle der gefressenen Zwergeichen, Wacholderbeeren und Bergkräuter veredelt wird. Es ist extrem fettarm und reich an Eisen und Mineralstoffen. Im Expeditionszeltlager wird das Fleisch traditionell als anatolische 'Kavurma' (sanft geschmortes Fleisch im eigenen Saft mit Zwiebeln und Tomaten) oder als Kebab über offenem Wacholderholz zubereitet. Aus veterinärrechtlichen Seuchenschutzgründen der Europäischen Union ist die Einfuhr von Wildbret aus Drittländern wie der Türkei in die EU ausnahmslos untersagt; das gesamte Wildbret verbleibt daher bei den einheimischen Begleitern und den Dorfgemeinschaften vor Ort.

Rechtlicher Rahmen und CITES

Die Bezoarziege (Capra aegagrus) ist in CITES-Anhang III gelistet (auf Antrag Pakistans; domestizierte Hausziegen sind ausdrücklich ausgenommen) und in der Europäischen Union in Anhang C der Verordnung (EG) Nr. 338/97 erfasst. Bei der legalen Einfuhr einer Trophäe aus der Türkei in die EU (Deutschland, Österreich) ist kein CITES-Einfuhrantrag erforderlich, jedoch müssen die offizielle Jagdlizenz und Ausfuhrgenehmigung der türkischen Naturschutzbehörde DKMP (bzw. ein CITES-Ursprungszeugnis / Certificate of Origin) sowie ein amtstierärztliches Veterinärgesundheitszeugnis für behandelte Trophäen vorliegen. Bei der Zollabfertigung an der EU-Außengrenze muss vom Importeur eine offizielle EU-Einfuhranzeige (Import Notification Form 338/97) abgegeben werden.

Bestand und Management

Das türkische Bezoarziegen-Management unter der Ägide der DKMP gilt weltweit als herausragendes Vorzeigebeispiel für nachhaltige Naturnutzung ('Conservation through Hunting'): Jagdlizenzen werden über staatliche Auktionen vergeben, wobei die Abschussgebühr pro Bock zwischen 10.000 und 18.000 Euro liegt. Entscheidend ist der partizipative Ansatz: Über 50 % der Einnahmen fließen direkt an die Bergdörfer in den jeweiligen Jagdgebieten. Dadurch begreifen die lokalen Dorfgemeinschaften die Wildziegen als wertvolles Gemeinschaftsgut, bekämpfen aktiv die Wilderei und verhindern Überweidungsschäden. In den bewirtschafteten Jagdgebieten (Yaban Hayatı Geliştirme Sahaları) ist die Wilddichte signifikant höher als in unbewirtschafteten Regionen.

Schutz und rechtlicher Rahmen

Die Art ist auf der Roten Liste der IUCN als 'Near Threatened' (potenziell gefährdet) eingestuft, wobei die türkischen Bestände als stabil bis anwachsend gelten. Hauptgefährdungen in Teilen des Verbreitungsgebietes (vor allem Kaukasus und Iran) sind Lebensraumzerschneidung, Konkurrenz durch weidende Hausziegenherden, Übertragung von Tierseuchen (wie Pockenviren oder Brucellose) und illegale Wilderei.

Bejagung und Hege

Die Bejagung ist streng selektiv auf reife Männchen der Altersklasse III mit einer Mindesthornlänge von 100 cm beschränkt. Der Abschuss erfolgt unter direkter Aufsicht des staatlichen DKMP-Game-Scouts. Geißen, Kitze und junge bis mittelalte Zuchtböcke sind ganzjährig strikt geschont.

Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES Anhang III (Pakistan) · EU Anhang C

Artenschutz & Handelsstatus: Bezoarziege

Status: CITES Anhang III / EU-Anhang C (Haustierformen ausgenommen); streng regulierte Trophäenjagd. Die Bezoarziege (Capra aegagrus / Capra hircus aegagrus) ist in CITES-Anhang III (gelistet durch Pakistan) bzw. EU-Anhang C aufgeführt. Bei der Trophäeneinfuhr aus der Türkei (wo das Hauptkontingent der legalen Jagd liegt) ist ein offizieller Ursprungsnachweis (Certificate of Origin) oder eine CITES-Ausfuhrgenehmigung der türkischen Forstbehörde (DKMP) erforderlich. Bei der Einfuhr in die EU (Deutschland, Österreich) ist eine amtliche EU-Einfuhranzeige (Import Notification Form 338/97) beim Zoll vorzulegen. Zudem sind amtstierärztliche Veterinärzeugnisse für behandelte Jagdtrophäen (vollständig ausgekochte, gebleichte Schädel und Hörner, gesalzene Decke) obligatorisch.

Bestimmungen für Ein- & Ausfuhr (Jagdtrophäen):
  • CITES Ursprungszeugnis (Certificate of Origin) oder Ausfuhrgenehmigung der türkischen Behörde (DKMP)
  • EU-Einfuhranzeige (Import Notification) bei Zollabfertigung an der EU-Außengrenze
  • Staatliche Erlegungslizenz (Av Turizmi İzin Belgesi) der türkischen Nationalpark- und Naturschutzdirektion (DKMP)
  • Amtstierärztliches Veterinärzertifikat für behandelte Huftiertrophäen

Was bei der Einfuhr einer Trophäe zusätzlich zu CITES gilt – TRACES NT, Veterinärbescheinigung, Zoll –, steht im Leitfaden zum Trophäenimport.

Alters- und Kategorieansprache

Merkmale zur Altersbeurteilung vor und nach dem Schuss (Gebissentwicklung, Trophäenmorphologie, Habitus und Klassen).

Ansprachemerkmale & Kriterien

Hornlänge und Säbelkrümmung: Jährlinge tragen 20 bis 30 cm lange, dünne Spieße. Mit 3 bis 5 Jahren erreichen die Schläuche 50 bis 75 cm bei beginnender Säbelkrümmung. Ab dem 7. bis 8. Lebensjahr überschreitet die Hornlänge 95 bis 105 cm, wobei der scharfe Vorderbug hervortritt und die ersten markanten Knötchen ausbildet. Reife Ernteböcke (ab 9 bis 10 Jahren) weisen Schläuche von 110 bis über 130 cm auf (Kapitalböcke bis über 140 cm / 55 Zoll), deren Spitzen weit nach hinten-unten und oft leicht nach innen weisen. Ausprägung des Vorderbugs (Kiel) und Knötchenbildung: Im Gegensatz zu den flachen Wülsten des Steinbocks besitzt der Bezoarbock eine scharfe Kante auf der Vorderseite des Schlauchs. Bei alten Böcken sind diese Wülste wuchtig, stark reliefiert und zeigen an der Basis tiefe, engstehende Altersringe. Winterfärbung und Schulterkreuz: Geißen und junge Böcke tragen ein einheitlich graugelbes bis fahlbraunes Haarkleid. Reife Böcke (ab 6 Jahren) entwickeln im Spätherbst eine spektakuläre Kontrastfärbung: Die Flanken und Körperseiten hellen fast schneeweiß oder silbergrau auf, während Brust, Kehle, Gesicht und der breite Aalstrich tief lackschwarz gefärbt sind. Ein markanter schwarzer Kragenstreifen verbindet Brust und Aalstrich zum sogenannten Schulterkreuz. Bartlänge: Junge Böcke zeigen nur einen unscheinbaren Flaum. Ab 5 bis 6 Jahren bildet sich ein markanter schwarzer Ziegenbart von 6 bis 10 cm; reife und alte Böcke (ab 8 Jahren) tragen einen dichten, pechschwarzen Kinnbart von 12 bis über 18 cm Länge, der imposant bis zur Brust herabreicht. Körpermasse und Habitus: Subadulte Böcke wirken hochbeinig und schmal. Reife Ernteböcke (8+ Jahre) besitzen einen tiefen, massigen Brustkorb, stark bemuskelte Vorschlagspartien und bewegen sich im Steilhang auffallend ruhig, bedächtig und souverän.

Altersklassen & Klassifizierung

Klasse I (Jugendklasse / Subadult), 1 bis 3 Jahre: Schläuche unter 50 cm; dünne Hornbasis ohne markante Bugwülste; Decke einheitlich fahlbraun; noch kein kontrastierendes Schulterkreuz; kurzer Bartflaum; streng geschont. Klasse II (Mittelklasse / Angehende Reife), 4 bis 7 Jahre: Schläuche 60 bis 90 cm; deutliche Säbelform; Decke beginnt nachzudunkeln; Kinnbart 6 bis 10 cm; wichtigste Zucht- und Vererbungsklasse; im Rahmen nachhaltigen Managements geschont. Klasse III (Reife Trophäen- & Ernteklasse), 8 bis 12+ Jahre: Hornlänge ab 100 cm (regelmäßig 110 bis 130+ cm); mächtiger, tief gekerbter Vorderbug; leuchtend weiß-schwarzes Kontrastkleid mit breitem Schulterkreuz; dichter schwarzer Kinnbart von 12 bis über 18 cm; voll reifer Erntebock nach strenger staatlicher DKMP-Lizenz.

Vergleichbare & verwandte Wildarten

Ökologische und jagdpraktische Einordnung innerhalb der Gruppe Wildziegen und Steinböcke (Gattung Capra).

Die Bezoarziege (Capra aegagrus) unterscheidet sich anatomisch und biologisch markant von den echten Steinböcken der Gattung Capra: Während Alpensteinbock (Capra ibex), Sibirischer Steinbock (Capra sibirica) und Iberiensteinbock (Capra pyrenaica) breite, im Querschnitt abgerundete oder dreikantige Hörner mit flacher Stirnfront und querlaufenden Schmuckwülsten tragen, besitzt die Bezoarziege schmale, seitlich komprimierte Säbelhörner mit einem messerscharfen Vorderkiel (Bug), auf dem unregelmäßige Knötchen sitzen. Bei Bezoarböcken erreichen die Schläuche Längen von 100 bis über 135 cm und übertreffen damit den Alpensteinbock (80–100 cm) und Iberiensteinbock (65–85 cm) deutlich. Adulte Bezoarböcke tragen zudem einen langen, tiefschwarzen Kinnbart (bis 18 cm), der echten Steinböcken weitgehend fehlt oder nur kurz ausgebildet ist. Genetisch ist die Bezoarziege die alleinige Stammform aller Hausziegenrassen (Capra hircus), während Kreuzungen mit Steinböcken in freier Wildbahn extrem selten sind.

Verwandte Arten im Atlas:

Verbreitung

Nachgewiesene Vorkommen von Bezoarziege nach Ländern. Die Karte markiert die Jagdregionen mit Vorkommen, keine Reviergrenzen.

Verbreitung von Bezoarziege

Grün: Länder mit Nachweis. Punkte: Jagdregionen mit eigenem Profil.

  • Land mit Nachweis
  • Jagdregion mit Profil

Staatsgrenzen: Natural Earth (gemeinfrei) · Darstellung: JAGDNAVIGATOR · Die Grenzen zeigen Staaten, keine Jagdgebiete.

Global Biodiversity Information FacilityGBIF Taxon #4409366

Wissenschaftliche Nachweise & Vorkommen: Bezoarziege

GBIF Taxon
GBIF-Nachweise von Bezoarziege (Capra aegagrus) in Asien. Gelbe bis rote Punkte: Dichte wissenschaftlicher Beobachtungen.
Dichte wissenschaftlicher Nachweise
EinzelfundeHohe Dichte

Kartengrundlage: GBIF-Basiskarte, © OpenStreetMap contributors, © OpenMapTiles · Nachweise: GBIF.org, CC0 · Stand: 12. September 2026 · Darstellung: JAGDNAVIGATOR

Bürgerwissenschaften & MonitoringiNaturalist

Bürgerbeobachtungen & Fotobelege: Bezoarziege

Neben amtlichen Zählungen liefern wissenschaftlich verifizierte Sichtungen (Research Grade) von Jägern, Förstern und Naturbeobachtern Daten zu Ausbreitung, Wechseln und Vorkommen dieser Art in ihrem Verbreitungsgebiet.

Wo diese Art vorkommt

Weltweit 2

Ziele außerhalb Europas

Jagdzeiten & Regulierung

Jagdzeiten, Lizenzen und Kontingente legt das jeweilige Land fest.

Artenschutz, CITES-Quoten und Trophäenimport nach Europa

Häufige Fragen zu Bezoarziege

Woran unterscheidet sich die Bezoarziege vom Alpensteinbock?

Alpensteinböcke tragen breite, dreikantige Schläuche mit flacher Vorderfront und regelmäßigen, quer verlaufenden Schmuckwülsten. Die Bezoarziege hingegen besitzt seitlich abgeflachte, extrem lange Säbelhörner mit einem messerscharfen Vorderkiel (Bug), auf dem unregelmäßige Knötchen sitzen. Zudem erreichen alte Bezoarböcke Hornlängen von 110 bis über 130 cm (Alpensteinbock meist 80 bis 100 cm), tragen einen bis zu 18 cm langen Kinnbart und im Winterfell ein tiefschwarzes Schulterkreuz bei fast weißer Flankenfärbung.

Woher stammt der Name 'Bezoarziege'?

Der Name geht auf das persische Wort 'pād-zahr' (Gegengift) zurück. Im Magen (Labmagen) der Wildziegen bilden sich aus verschluckten Haaren, Harzen und Pflanzenfasern feste, kugelförmige Magensteine, sogenannte Bezoare. Diesen Steinen wurden im Mittelalter und der Renaissance magische Heilkräfte als Universal-Gegengift gegen Vergiftungen und Pestilenz zugeschrieben, weshalb sie in fürstlichen Schatzkammern mit Gold aufgewogen wurden.

Wie läuft die Jagd auf Bezoarziegen in der Türkei in der Praxis ab?

Die Bezoarjagd in der Türkei wird streng über das staatliche Jagdtourismus-Programm 'Av Turizmi' der Generaldirektion für Naturschutz und Nationalparks (DKMP) geregelt. Jäger pirschen mit lizenzierten Führern und einem amtlichen DKMP-Game-Scout in Höhenlagen zwischen 1.200 und 2.800 Metern im Taurusgebirge oder in Ostanatolien. Vor dem Schuss muss der staatliche Begleiter den Bock freigeben und bestätigen, dass er die geforderte Reife und Mindesthornlänge (in der Regel mindestens 100 cm) erfüllt.

Welche Kaliber und Ausrüstung sind für die Bezoarjagd erforderlich?

Aufgrund weiter Schussdistanzen zwischen 200 und 350 Metern über Schluchten hinweg und extrem steiler Schusswinkel im Gebirge empfehlen sich raserte Weitschusskaliber mit hoher Eigenpräzision und Windstabilität. Unverzichtbar sind ein winkelkompensierender Laser-Entfernungsmesser, ein stabiler Zielstock und trittsicheres, steigeisenfestes Gebirgsschuhwerk.

Welche Artenschutz- und Einfuhrbestimmungen gelten für Bezoar-Trophäen?

Für die Einfuhr in die EU (Deutschland, Österreich) ist kein CITES-Einfuhrantrag erforderlich, jedoch müssen die offizielle Ausfuhrgenehmigung der türkischen Behörde (DKMP) bzw. ein CITES-Ursprungszeugnis, ein amtstierärztliches Veterinärzertifikat und eine EU-Einfuhranzeige (Import Notification Form 338/97) beim Grenzzollamt vorgelegt werden.

Quellen und Evidenz

5 Einträge
  1. Fachverband / Körperschaft Abruf: 12.10.2026

    Capra aegagrus in der IUCN Red List

    International Union for Conservation of Nature Primärdokument öffnen ↗
  2. Amtliche Primärquelle Abruf: 12.10.2026

    The CITES Appendices

  3. Amtliche Primärquelle Abruf: 12.10.2026

    Doğa Koruma ve Milli Parklar Genel Müdürlüğü - Avcılık Düzenlemeleri

    Tarım ve Orman Bakanlığı Türkiye Primärdokument öffnen ↗
  4. Fachverband / Körperschaft Abruf: 12.10.2026

    CIC Caprinae & Antelope Specialist Publications

    International Council for Game and Wildlife Conservation (CIC) Primärdokument öffnen ↗
  5. Amtliche Primärquelle Abruf: 12.10.2026

    Capra aegagrus - Art- und Taxonomiedaten

Geltung und Prüfstand

Gilt für
Biologie und jagdliche Einordnung. Jagd- und Schonzeiten gelten nur im jeweiligen Rechtsraum.
Inhalt geprüft