Biologie und Lebensweise
Mit 58 bis 70 Zentimetern Länge und einem Gewicht von 1,5 bis 2,5 Kilogramm gehört die Nonnengans zu den kleineren Vertretern der echten Gänse. Ihr Erscheinungsbild ist unverwechselbar durch das weiße Gesicht, die schwarze Kappe, den schwarzen Hals und die silbrig quergebänderte graue Oberseite geprägt. Sie brütet kolonieweise auf steilen Felsklippen oder flachen Inseln und legt durchschnittlich 4 bis 5 Eier (die Spanne reicht von 2 bis 9 Eiern pro Gelege), die innerhalb von 24 bis 26 Tagen ausgebrütet werden. Nach dem Schlupf springen die Gössel an Felswänden teils spektakulär in die Tiefe, um den Eltern zu Tal und ans Wasser zu folgen. Die Nahrung ist überwiegend pflanzlich und umfasst Salzpflanzen, feine Gräser sowie Kulturpflanzen wie Getreidesaaten und Raps; selten frisst sie auch Kleintiere wie Schnecken oder kleine Krustentiere.
Lebensraum und Ansprüche
Die Brutgebiete liegen traditionell in der russischen Arktis, auf Spitzbergen und Grönland, neuzeitlich jedoch auch im gesamten Ostsee- und Nordseeraum. Als ausgeprägter Langstreckenzieher nutzt die Art das Wattenmeer, Flussmündungen und küstennahes Grünland als zentrale Rast- und Überwinterungsstätten. Im mitteleuropäischen Binnenland tritt sie seltener, meist an großen Flussauen oder Binnenseen, auf.
Bestandszahlen und Jagdstrecke
In Deutschland hat sich der Brutbestand an der Nord- und Ostseeküste vergrößert und betrug 2011 bis 2016 etwa 750 bis 800 Brutpaare. Die größte Bedeutung besitzt Deutschland jedoch als Winterquartier mit Rastbeständen von über 150.000 bis zu 250.000 Vögeln im schleswig-holsteinischen und niedersächsischen Wattenmeer. In Österreich und der Schweiz tritt die Art lediglich als seltener Gastvogel in kleineren Individuenzahlen auf.
Jagdpraxis
Als Art des Anhangs I der europäischen Vogelschutzrichtlinie unterliegt die Nonnengans grundsätzlich strengem Schutz und war bundesweit geschont. Aufgrund massiver landwirtschaftlicher Fraßschäden führten Länder wie Niedersachsen jedoch artenschutzrechtliche Ausnahmejagdzeiten zur Schadensabwehr außerhalb von Schutzgebieten ein. Die Jagd erfolgt dabei personal- und materialintensiv mit Tarnschirmen und Lockbildern auf landwirtschaftlichen Nutzflächen.
Wildbret
Das Wildbret von Nonnengänsen ist dunkel, feinfaserig und weist bei Herbstrastvögeln einen feinen, typisch gänseartigen Geschmack auf. Es eignet sich hervorragend für Schmorgerichte, festlichen Gänsebraten oder die handwerkliche Herstellung von getrocknetem Wildgänseschinken.
Sichere Erkennung
Die Nonnengans, auch Weißwangengans genannt, ist eine kleine, kompakte Meergans mit weißem Gesicht, schwarzem Scheitel, Hals und Brust und silbergrau gebändertem Rücken. Schnabel und Beine sind schwarz, die Unterseite ist hell. Von der größeren Kanadagans unterscheidet sie das ganz weiße Gesicht und die schwarze statt bräunliche Brust; die Kanadagans zeigt nur einen weißen Kehlfleck.
Rastende Trupps sind an den kurzen, bellenden Rufen zu erkennen, die an Hundegekläff erinnern. Im Flug wirken die Vögel kontrastreich schwarz, weiß und grau; sie fliegen in unregelmäßigen Ketten und Pulks.
Bestand und Management
Der stark gewachsene Bestand führt in den Rastgebieten an der Nordsee zu Fraßschäden auf Grünland und Ackerkulturen. Die Antworten darauf sind ausgewiesene Duldungs- und Ruhezonen, in denen die Gänse ungestört weiden können, Ausgleichszahlungen und Vertragsnaturschutz sowie gezielte Vergrämung auf empfindlichen Kulturen.
Ohne Ausweichflächen verlagert Vergrämung den Schaden nur auf den Nachbarn und erhöht durch das häufige Auffliegen den Energiebedarf der Vögel, die den Verlust durch mehr Fraß ausgleichen. Wirksam ist deshalb nur ein Konzept für das ganze Rastgebiet, das Landwirtschaft, Jagd und Naturschutz gemeinsam tragen.
Lebensweise und Verhalten
Die Art brütet in drei arktischen Populationen: in Ostgrönland, auf Spitzbergen und in der russischen Arktis. Seit den 1980er-Jahren sind geringe Brutvorkommen im Ostseeraum und an der Nordseeküste hinzugekommen. Die russisch-baltische Population überwintert im Wattenmeer und im Küstenhinterland der Niederlande, Niedersachsens und Schleswig-Holsteins.
Dort weiden die Gänse in großen Verbänden auf Salzwiesen und kurzem, eiweißreichem Grünland, zunehmend auch auf Wintergetreide und Raps. Übernachtet wird auf dem Wasser oder auf Sandbänken. Im Binnenland sowie in Österreich und der Schweiz tritt die Art nur in kleiner Zahl auf; häufig handelt es sich dort um Gefangenschaftsflüchtlinge.
Vergleichbare & verwandte Wildarten
Ökologische und jagdpraktische Einordnung innerhalb der Gruppe Meergänse.
Die Nonnengans (Weißwangengans) ist eine Meergans (Branta) und vor allem mit anderen Meergänsen zu verwechseln. 1. Kanadagans (Branta canadensis): Sie ist deutlich größer und schwerer. Der auffälligste Unterschied liegt am Kopf und an der Brust: Die Kanadagans hat nur eine weiße Kehl- bzw. Kinnbinde (das Gesicht ist überwiegend schwarz) und eine bräunliche Brust, während die Nonnengans ein fast reinweißes Gesicht und eine pechschwarze Brust besitzt. 2. Ringelgans (Branta bernicla): Die Ringelgans ist insgesamt dunkler, hat einen komplett schwarzen Kopf und Hals und lediglich einen kleinen weißen Halsfleck (kein weißes Gesicht).
Verbreitung
Nachgewiesene Vorkommen von Nonnengans nach Ländern.
Wissenschaftliche Nachweise & Vorkommen: Nonnengans

Kartengrundlage: GBIF-Basiskarte, © OpenStreetMap contributors, © OpenMapTiles · Nachweise: GBIF.org, CC0 · Stand: 23. Oktober 2026 · Darstellung: JAGDNAVIGATOR
Jagd- und Schonzeiten nach Rechtsraum
Jagdzeiten setzt jedes Bundesland und jeder Kanton selbst fest, oft getrennt nach Wildklasse. Die Tabelle gibt die Zeiten für Nonnengans aus 3 Verordnungen wieder. Verbindlich ist die amtliche Fassung, die auf der jeweiligen Rechtsraumseite verlinkt ist.
| Rechtsraum | Wildklasse | Jagdzeit |
|---|---|---|
| Niedersachsen (DE) | alle Klassen | 1. August bis 15. Januar (nur mit artenschutzrechtlicher Ausnahmezulassung nach § 45 Abs. 7 BNatSchG und unter den Auflagen der Verordnung) |
| Berlin (DE) | alle Klassen | ganzjährig geschont |
| Schleswig-Holstein (DE) | alle Klassen | 1. Oktober bis 28. Februar (nur Vergrämung zur Schadensabwehr, außerhalb EU-Vogelschutzgebiete; GVOBl. 2024 S. 681) |
Häufige Fragen zu Nonnengans
Sind Nonnengans und Weißwangengans dieselbe Art?
Ja. Beide Namen bezeichnen Branta leucopsis. „Weißwangengans“ ist der in der Vogelkunde übliche Name, „Nonnengans“ der ältere, an der Küste und in der Jägersprache gebräuchliche.
Warum darf die Nonnengans nicht wie die Graugans bejagt werden?
Eingriffe sind deshalb nur als Ausnahme zulässig, etwa zur Abwehr erheblicher landwirtschaftlicher Schäden, und nur dort, wo das Land sie eigens geregelt hat.
Quellen und Evidenz
2 Einträge- Fachverband / Körperschaft Abruf: 20.9.2026
Weißwangengans / Nonnengans (Branta leucopsis)
- Fachverband / Körperschaft Abruf: 20.9.2026
Barnacle Goose (Branta leucopsis)
Geltung und Prüfstand
- Gilt für
- Biologie und jagdliche Einordnung. Jagd- und Schonzeiten gelten nur im jeweiligen Rechtsraum.
- Inhalt geprüft
- Primärquellen
- 2 Fachquellen hinterlegt
