Ablauf und Struktur
Spezialisierter Ersthelferlehrgang für Notfallsituationen im Jagdrevier und Forstbetrieb. Behandelt werden Schussverletzungen, schwere Schnitt- und Sägewunden beim Aufbrechen und Freischneiden, Stürze von Hochsitzen sowie die Erstversorgung von Jagdhunden nach Schlag durch wehrhaftes Schwarzwild.
Prüfungsabschnitte
Praktische Fallsimulationen unter Realbedingungen: Stillung lebensbedrohlicher arterieller Extremitätenblutungen mittels Tourniquet, Anlage von Druckverbänden (Israeli Emergency Bandage), Wundverschluss bei Thoraxtrauma mittels Ventilverband (Chest Seal) und Herz-Lungen-Wiederbelebung im Waldgelände.
Nach der Prüfung
Erwerb des anerkannten Zertifikats für forstliche und jagdliche Erste Hilfe nach den Richtlinien der Berufsgenossenschaften (DGUV/VSG) mit Gültigkeit über zwei Jahre.
Für wen der Kurs gedacht ist
Unverzichtbar für Jagdleiter, Beständer, Hundeführer, Nachsuchengespanne und jeden Jäger, der regelmäßig allein in abgelegenen Revieren unterwegs ist und eigenverantwortlich vorsorgen will.
Lernziele
Beherrschung lebensrettender Sofortmaßnahmen fernab des Rettungswesens, strukturierte Lagemeldung (Notruf mit GPS-Koordinaten und Rettungspunkten), Transport und Wärmeerhalt des Patienten bis zur Übergabe an Notarzt oder Bergwacht.
Wer allein jagt, hat niemanden, der hilft. Dafür zählen einfache Vorkehrungen: jemandem Ort und Rückkehrzeit nennen, das Telefon geladen am Körper statt im Rucksack tragen, das Verbandpäckchen griffbereit an derselben Stelle führen und das Abbinden am eigenen Arm und Bein geübt haben.
Ablauf
Ein- bis zweitägiger Praxiskurs mit hohem praktischen Übungsanteil im Freigelände, oft durchgeführt von notfallmedizinisch geschulten Jägern, Notärzten oder Rettungsdienst-Instruktoren.
Ein guter Kurs übt die Reihenfolge, nicht nur die Handgriffe: zuerst die eigene Sicherheit und die Sicherung der Waffe, dann der Notruf, dann die lebensbedrohliche Blutung, danach Atmung, Wärmeerhalt und Betreuung. Der Notruf 112 gilt in der gesamten EU und in der Schweiz; in Österreich erreicht man die Bergrettung zusätzlich über 140, in der Schweiz die Sanität über 144.
Zum Kurs gehört auch die Frage, wie Retter den Unfallort finden. Im Wald hilft die Angabe des nächsten Rettungspunkts oder der Koordinaten vom Telefon, und bei Gesellschaftsjagden nennt der Jagdleiter vor Beginn Sammelplatz, Zufahrt und den Standort des Verbandmaterials.
Anerkennung
Nach § 3 Abs. 1 der Unfallverhütungsvorschrift Erste Hilfe (VSG 1.3) der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) darf der Unternehmer in Deutschland als Ersthelfer nur Personen einsetzen, die vom Arbeiter-Samariter-Bund, vom Deutschen Roten Kreuz, von der Johanniter-Unfall-Hilfe, vom Malteser-Hilfsdienst oder von einer anderen von der Berufsgenossenschaft anerkannten Stelle in Erster Hilfe ausgebildet sind. Soll die SVLFG einen Erste-Hilfe-Kurs anerkennen, muss er den Vorgaben des DGUV Grundsatzes 304-001 entsprechen, die eine Präsenzveranstaltung mit praktischen Teilen vorsehen. Zertifikate über Online-Kurse zur Ersten Hilfe erkennt die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft nicht an. Eine Übersichtsliste der ermächtigten Ausbildungsstellen steht unter www.bg-qseh.de.
Folgekosten
Einmalige Anschaffung eines robusten Jagd-IFAK (Individual First Aid Kit) mit Tourniquet, Hämostyptikum (QuikClot/Celox), Notverband und Rettungsdecke für den Rucksack und das Revierfahrzeug.
Vorbereitung
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Lerninhalte
- Blutungskontrolle bei Schnitt- und Stichverletzungen
- Tourniquet-Anwendung
- Unterkühlung und Kälteschäden erkennen und behandeln
- Sturzverletzungen im steilen Gelände
- Notruf und Rettungskette in abgelegenen Gebieten
- Insektenstiche und allergische Reaktionen
Häufige Fragen zu Erste Hilfe bei Jagd und Revierarbeit
Reicht der Führerschein-Erste-Hilfe-Kurs?
Nein. Der 9-Stunden-Grundkurs behandelt Verkehrsunfälle. Jagdtypische Szenarien (Schnittverletzungen, Stürze im Gelände, Unterkühlung, Alleinarbeit in abgelegenen Gebieten) erfordern erweiterte Kenntnisse.
Wie oft sollte ein Erste-Hilfe-Kurs aufgefrischt werden?
Für betriebliche Ersthelfer gilt in Deutschland eine Fortbildung alle zwei Jahre. Dieser Abstand ist auch für Jäger sinnvoll, weil das Anlegen eines Druckverbands oder Tourniquets ohne Übung schnell verloren geht.
Quellen und Evidenz
4 Einträge- Amtliche Primärquelle Abruf: 2.9.2026
Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Jagd
- Amtliche Primärquelle Abruf: 11.8.2026
Bundesjagdgesetz (BJagdG)
- Amtliche Primärquelle Abruf: 21.10.2026
Unfallverhütungsvorschrift Erste Hilfe (VSG 1.3), Ausgabe 1. Mai 2017
- Amtliche Primärquelle Abruf: 21.10.2026
Erste Hilfe im Betrieb
Geltung und Prüfstand
- Gilt für
- Österreich, Deutschland, Schweiz
- Inhalt geprüft
- Primärquellen
- 4 Primärquellen hinterlegt
