Herkunft und Zucht

Die Tiroler Bracke (auch Tiroler Laufhund genannt) ist ein traditionsreicher Gebirgsjagdgebrauchshund, der unmittelbar von der uralten keltischen Bracke (Keltenbracke / Segusier) abstammt. Schon Kaiser Maximilian I. erwähnte um 1500 in seinen berühmten Jagdbüchern die herausragenden Leistungen dieser Tiroler Gebirgsbracken bei der anspruchsvollen Jagd im Hochgebirge. Um das Jahr 1860 begann in Tirol die planmäßige Reinzucht aus bodenständigen, bewährten Schlägen. 1896 wurde in Innsbruck der erste Zuchtstandard aufgestellt und der 'Klub Tiroler Bracke' gegründet, 1908 folgte die offizielle kynologische Anerkennung. Heute wird die Rasse unter der Schirmherrschaft des Österreichischen Jagdgebrauchshundeverbandes (ÖJGV) und der FCI (Standard Nr. 68) sowie in Deutschland durch den 'Klub Tiroler Bracke e.V. Deutschland' im Jagdgebrauchshundverband (JGHV) streng nach jagdlichen Leistungsmerkmalen und Formwertkriterien rein gezüchtet.

Leistungsprofil

Als ausgesprochener Gebirgs- und Waldhund verkörpert die Tiroler Bracke eine perfekte Symbiose aus weiträumigem Brackieren und konzentrierter Nachsuchenarbeit. Ihre Passion ist das spurlaute Jagen auf Hase und Fuchs: Mit hervorragendem Finderwillen und melodischem Laut folgt sie der Fährte selbstständig über weite Distanzen, ohne das Wild in Panik zu versetzen, sodass es im weiten Bogen zu den Schützen zurückkehrt. Im unübersichtlichen Bergwald, in dichten Latschenfeldern und an steilen Steilhängen beweist sie enorme Kondition, Trittsicherheit und Härte gegen Witterungsunbilden. Am langen Schweißriemen arbeitet die Tiroler Bracke mit tiefer Nase, hoher Fährtentreue und methodischer Ruhe auf Wundfährten aller Schalenwildarten (Gams-, Reh-, Rot- und Schwarzwild). Viele Exemplare beherrschen zudem das Totverbellen oder Totverweisen am erlegten Stück meisterhaft.

Gesundheit und Vorsorge

Die Tiroler Bracke ist über Jahrhunderte auf Härte, Funktionalität und Ausdauer im Hochgebirge selektiert worden und erfreut sich einer überdurchschnittlich robusten Gesundheit und hohen Lebenserwartung. Für die Zuchtzulassung in Österreich und Deutschland ist das amtliche Röntgen auf Hüftgelenksdysplasie (HD-A oder Übergangsform HD-B) obligatorisch; die Rasse weist dank strenger Zuchtselektion hervorragende HD-Werte auf. Das dichte, doppelte Stockhaar mit reichlicher Unterwolle bietet perfekten Schutz gegen Dornen, Nässe und alpine Kälte. Aufgrund der harten Arbeit in steilem, steinigem Felsgelände bedürfen Pfotenballen und Krallen regelmäßiger Kontrolle und Pflege. Nach Jagdeinsätzen sollten zudem die herabhängenden Behänge auf Schmutz oder Fremdkörper überprüft werden.

Haltung und Auslastung

Die Tiroler Bracke ist ein Vollblutjäger, der zwingend in erfahrene Jägerhand gehört und eine entsprechende Einsatzmöglichkeit in Feld, Wald oder Gebirge verlangt. Eine Haltung als reiner Begleit- oder Stadthund ohne jagdliche Aufgabe widerspricht dem Wesen dieser urwüchsigen Arbeitsrasse und führt unweigerlich zu chronischer Unterforderung. Wird der Hund jedoch regelmäßig jagdlich geführt, zeigt er sich im Haus und Zwinger als überaus ruhiger, genügsamer, anhänglicher und verträglicher Gefährte. Er besitzt eine ausgeprägte Führerbezogenheit und braucht engen Anschluss an seine Bezugsperson; eine reine Isolierung im Zwinger ohne familiäre Einbindung schadet seiner feinsinnigen Psyche. In der Ausbildung benötigt die Bracke eine ruhige, konsequente Hand mit viel Geduld und Verständnis für ihre angeborene Selbstständigkeit – rohe Härte führt zu Sturheit und Vertrauensverlust.

Rassestandard

Nach dem offiziellen FCI-Standard Nr. 68 (Stand: 10.10.1995) ist die Tiroler Bracke ein mittelgroßer, kräftiger, sehniger Jagdhund mit rechteckigem Körperbau und mittelstarkem Knochenbau. Die Widerristhöhe beträgt bei Rüden 44 bis 50 cm und bei Hündinnen 42 bis 48 cm. Der Kopf ist trocken und edel, mit geradem Fang, deutlichem Stop und kräftigem, vollzahnigem Scherengebiss. Die Augen sind rund, klar, dunkelbraun mit eng anliegenden Lidern und aufmerksamem, treuem Blick. Die Behänge sind breit, hoch angesetzt, am Ende abgerundet und glatt herabhängend. Das Haarkleid besteht aus derbem, dichtem, doppeltem Stockhaar mit dichter Unterwolle, an der Rute als dichte Bürste ausgebildet. Es existieren zwei Hauptfarbschläge: Roter Schlag (Hirschrot oder Rotgelb) und Schwarzroter Schlag (schwarzer Mantel oder Sattel mit meist nicht scharf abgegrenztem Brand an Läufen, Brust, Bauch und Kopf mit 'Vieräugl'). Weiße Abzeichen an Hals, Brust, Pfoten und Rute sind statthaft.

Wesen und Arbeitsweise

Das Wesen der Tiroler Bracke zeichnet sich durch Ausgeglichenheit, Nervenstärke und unbändige Jagdpassion aus. Bei der Jagd agiert sie mit feurigem Finderwillen, kompromisslosem Spurwillen, sicherem Spurlaut und bemerkenswerter Orientierungsgabe in schwierigstem Gelände. Sie ist weder ängstlich noch aggressiv, sondern begegnet Menschen und Artgenossen mit natürlicher Freundlichkeit und hoher Sozialverträglichkeit. Gegenüber ihrem Führer beweist sie bedingungslose Treue, Zuverlässigkeit und eine tiefe, fast sprichwörtliche Anhänglichkeit.

Prüfungen und Zuchtzulassung

Das Prüfungswesen für die Tiroler Bracke wird in Österreich über den Klub Tiroler Bracke im Österreichischen Jagdgebrauchshundeverband (ÖJGV) und in Deutschland über den Klub Tiroler Bracke e.V. im Jagdgebrauchshundverband (JGHV) organisiert. Im ersten Schritt absolviert der Junghund die Anlagenprüfung (AP): Hier werden die Naturanlagen auf der Hasenspur (Spurwille, Spurtreue, Spurlaut), der Nasengebrauch, die Führigkeit sowie die Schussfestigkeit überprüft. Im zweiten Schritt folgt die Gebrauchsprüfung (GP) als umfassende Leistungsprüfung: Sie beinhaltet eine anspruchsvolle Schweißarbeit am langen Riemen auf der Übernachtfährte (mindestens 400 m, 16–24 Stunden Stehzeit), das laute Jagen (Brackieren) auf Hase oder Fuchs, die Stöberarbeit im Hochwald bzw. Gebirge sowie Gehorsamsfächer (Leinenführigkeit, Ablegen, Standruhe). Darüber hinaus können Spezialprüfungen wie die Schweißsonderprüfung (SSP) bzw. Verbandsschweißprüfung (VSwP) auf 1.000 m Wundfährte und die Verbandsbrackierprüfung (VBrP) abgelegt werden.

Vor der Anschaffung

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Häufige Fragen zu Tiroler Bracke

Was bedeutet „Brackieren“ bei der Tiroler Bracke?

Brackieren ist die uralte, traditionelle Form der lauten Jagd auf Hase oder Fuchs. Die Tiroler Bracke sucht das Gelände selbstständig ab, sticht das Wild und folgt der warmen Fährte mit hellem, weithin hörbarem Spurlaut. Da der Hund im Vergleich zum Wild relativ langsam jagt, flieht dieses nicht in Panik, sondern weicht bedacht aus und kehrt im vertrauten Einstand in weitem Bogen zu seinem Ursprungsort zurück, wo der Jäger zum Schuss kommen kann. Diese Jagdart setzt großräumige Reviere (in Österreich oft ab 1.000 Hektar gefordert) voraus.

Worin unterscheidet sich die Tiroler Bracke von anderen Brackenrassen?

Die Tiroler Bracke ist speziell an die extremen Anforderungen des alpinen Hochgebirges angepasst. Sie besitzt einen sehnigen, mittelgroßen Körperbau mit außergewöhnlicher Trittsicherheit in Steilhängen und Geröll. Ihr dichtes, doppeltes Stockhaar mit dichter Unterwolle schützt sie zuverlässig vor Schnee, Eis und rauem Bergklima. Zudem zeichnet sie sich durch eine bemerkenswerte Vielseitigkeit aus: Neben der lauten Jagd gilt sie in den Alpen als erstklassiger, hochgeschätzter Schweißhund auf Schalenwild.

Eignet sich die Tiroler Bracke als reiner Familienhund?

Nein. Die Tiroler Bracke ist ein hochspezialisierter Vollblutjagdhund mit enormem Spurwillen, ausgeprägter Selbstständigkeit und starkem Finderwillen. Ein Leben als reiner Begleithund ohne jagdliche Arbeit führt zu chronischer Unterforderung und unerwünschtem Jagdverhalten beim Spaziergang. Wird sie jedoch im Jagdbetrieb geführt und geistig gefordert, zeigt sie sich zu Hause als überaus ruhiger, sanftmütiger, kinderlieber und anspruchsloser Hausgenosse.

Welche Aufgaben übernimmt die Tiroler Bracke auf Schalenwild?

Auf Schalenwild wird die Tiroler Bracke am langen Schweißriemen auf der Wundfährte geführt, wo sie schwierige Fährten über Fels und Geröll meistert. Ihre laute Jagd ist primär auf Hase und Fuchs ausgerichtet; im Hochgebirge bewährt sie sich dank Fährtensicherheit und Spurwillen gleichermaßen bei Nachsuchen auf Hochwild.

Welche Prüfungen sind für die jagdliche Brauchbarkeit und Zuchtzulassung erforderlich?

Im Klub Tiroler Bracke (ÖJGV) absolviert der Junghund zunächst die Anlagenprüfung (AP) mit Bewertung von Spurwille, Spurlaut auf der Hasenspur, Nasengebrauch, Führigkeit und Schussfestigkeit. Darauf folgt die Gebrauchsprüfung (GP) mit anspruchsvoller Schweißarbeit auf der Übernachtfährte, lauter Jagd (Brackieren), Stöbern und Gehorsamsfächern. In Deutschland wird die Rasse über den Klub Tiroler Bracke e.V. im JGHV mit Verbandsbrackierprüfung (VBrP), Verbandsschweißprüfung (VSwP) und Brauchbarkeitsnachweis geprüft. Für die Zuchtzulassung ist zudem ein amtliches HD-Gutachten (nur HD-A und HD-B) obligatorisch.

Quellen und Evidenz

3 Einträge
  1. Fachverband / Körperschaft Abruf: 9.8.2026

    Laufhunde

    Kärntner Jägerschaft Primärdokument öffnen ↗
  2. Fachverband / Körperschaft Abruf: 11.9.2026

    FCI-Nomenklatur der Hunderassen

    Fédération Cynologique Internationale (FCI) Primärdokument öffnen ↗
  3. Fachverband / Körperschaft Abruf: 13.9.2026

    FCI-Standard Nr. 68: Tiroler Bracke

    Fédération Cynologique Internationale (FCI) Primärdokument öffnen ↗

Geltung und Prüfstand

Gilt für
Österreich, Deutschland, Schweiz
Inhalt geprüft
Primärquellen
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