Herkunft und Zucht

Die Brandlbracke (offiziell auch Österreichische Glatthaarige Bracke genannt) ist eine der traditionsreichsten Jagdhunderassen Österreichs und gilt kynologisch als direkter, rein erhaltener Abkömmling der uralten keltischen Bracke (Keltenbracke / Segusier). Im Alpenraum, insbesondere in Kärnten, der Steiermark, Salzburg und Oberösterreich, wird der typische schwarz-rote Landschlag seit Jahrhunderten von Berufsjägern und Förstern für die schwere Gebirgsjagd geschätzt. Die planmäßige Reinzucht begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: 1884 wurde der renommierte 'Österreichische Brackenverein' gegründet, der zu den ältesten Jagdkynologie-Vereinigungen Europas zählt und bis heute die Zuchtbuchführung im ÖKV leitet. In Deutschland vertritt der 'Deutsche Bracken-Club e.V.' (DBC) im Jagdgebrauchshundverband (JGHV) die Zucht und Prüfungen der Rasse. Die Fédération Cynologique Internationale (FCI) führt die Brandlbracke unter Standard Nr. 63 (Gruppe 6, Sektion 1.2, mittelgroße Laufhunde mit Arbeitsprüfung).

Leistungsprofil

Als passionierter Gebirgs- und Waldgebrauchshund besticht die Brandlbracke durch ein breites Leistungsspektrum vor und nach dem Schuss. Ihre klassische Domäne ist das spurlaute Brackieren auf Hase und Fuchs: Mit unbändigem Finderwillen und tiefer Nase sticht sie das Wild und folgt der Fährte mit hellem, melodiösem Spurlaut über weite Distanzen, ohne das Wild zu hetzen. Das Wild flieht besonnen und kehrt im weiten Bogen zu seinem vertrauten Einstand zurück. Ebenso hoch geschätzt ist die Brandlbracke für ihre hervorragende Schweißarbeit am langen Riemen: Dank ihrer sprichwörtlichen Fährtentreue, Ruhe und Konzentration meistert sie selbst kalte Wundfährten von Rot-, Gams-, Reh- und Schwarzwild in felsigem, unübersichtlichem Steilgelände. Bei herbstlichen Bewegungsjagden durchstöbert sie Dickungen und Latschenfelder planvoll und druckvoll. Am erlegten Stück beweisen viele Brandlbracken zudem ausgeprägte Anlagen als Totverbeller oder Totverweiser.

Gesundheit und Vorsorge

Dank der jahrzehntelangen, kompromisslos leistungsorientierten Reinzucht durch den Österreichischen Brackenverein erfreut sich die Brandlbracke einer bemerkenswert robusten Konstitution und hoher Vitalität. Rassetypische Erbkrankheiten oder Übertypisierungen sind der Rasse fremd. Zur Zuchtzulassung im ÖJGV und JGHV ist die amtliche Auswertung von Röntgenaufnahmen auf Hüftgelenksdysplasie (nur HD-Freiheit HD-A oder Übergangsform HD-B) zwingend vorgeschrieben. Das glatte, dicht anliegende Haarkleid mit dichter Unterwolle bietet hervorragenden Schutz vor Nässe und Auskühlung, neigt kaum zu Schmutzanhaftungen und ist extrem pflegeleicht. Nach Jagdeinsätzen in steinigem Geröll und dornigen Einständen sollten Pfotenballen und Krallen kontrolliert werden; ebenso empfiehlt sich die regelmäßige Inspektion der Gehörgänge auf Fremdkörper und Parasiten.

Haltung und Auslastung

Die Brandlbracke ist ein passionierter Vollblutjäger, der ausschließlich in die Hände aktiver Jäger gehört. Eine Haltung als reiner Begleit- oder Stadthund ohne jagdliche Einsatzmöglichkeiten widerspricht ihren angeborenen Triebveranlagungen und führt zu chronischer Unterforderung. Wird der Hund jedoch im Jagdbetrieb geführt und geistig ausgelastet, zeigt er sich im Haus als überaus angenehmer, ausgeglichener, leiser und anschmiegsamer Gefährte. Die Brandlbracke baut eine außergewöhnlich enge Bindung zu ihrem Führer auf und eignet sich hervorragend als Familienhund, der geduldig und freundlich mit Kindern umgeht. Reine Zwingerhaltung ohne Familienanschluss isoliert den feinfühligen Hund und schadet seiner Führerbezogenheit. In der Abrichtung verlangt sie eine ruhige, konsequente und berechenbare Führung mit viel Lob und Geduld; auf ungerechte Härte reagiert sie mit sturer Verweigerung.

Rassestandard

Gemäß dem offiziellen FCI-Standard Nr. 63 ist die Brandlbracke ein mittelgroßer, kräftiger, langgestreckter und elastischer Laufhund mit harmonischen Proportionen. Die Widerristhöhe beträgt für Rüden 50 bis 56 cm und für Hündinnen 48 bis 54 cm. Der Kopf ist trocken und edel; der Fang ist gerade mit mäßig ausgeprägtem Stop und kräftigem, vollzahnigem Scherengebiss. Die Augen sind klar, dunkelbraun und blicken aufmerksam und treu, ohne dass die Bindehaut sichtbar wird. Die Behänge sind mittellang, hoch angesetzt, am unteren Ende abgerundet und glatt herabhängend. Das Haarkleid ist glatt, dicht anliegend, elastisch und seidig glänzend mit dichter Unterwolle und einer Länge von etwa 2 cm. Die Rute ist lang, nach unten verjüngt, leicht gebogen getragen und an der Unterseite mit mäßigem Bürstenhaar versehen. Die Grundfarbe ist tiefes Schwarz mit scharf abgegrenztem, hell- bis dunkelbraunem Brand (Lohfarbe) an Fang, Brust, Läufen und Bauch sowie den rassetypischen lohfarbenen Flecken über den Augen ('Vieräugl').

Wesen und Arbeitsweise

Das Wesen der Brandlbracke zeichnet sich durch eine vorbildliche Kombination aus hoher Arbeitsfreude, Nervenstärke und ausgeglichener Ruhe im Alltag aus. Im Jagdeinsatz agiert sie selbstständig, unerschrocken, feinnasig und mit beharrlichem Finderwillen. Sie zeigt einen ausgeprägten, weithin tönenden Spurlaut auf der warmen Fährte und meistert schwieriges Gelände mit natürlicher Zähigkeit. Im sozialen Umgang mit Menschen und Artgenossen ist sie friedfertig, freundlich und absolut frei von Aggressivität. Gegenüber ihrem Führer zeichnet sie sich durch bedingungslose Treue, Zuverlässigkeit und eine feinsinnige Führigkeit aus.

Prüfungen und Zuchtzulassung

Das Prüfungswesen der Brandlbracke wird in Österreich durch den Österreichischen Brackenverein (ÖJGV) und in Deutschland durch den Deutschen Bracken-Club e.V. (JGHV) geleitet. Junghunde absolvieren zunächst die Anlagenprüfung (AP), bei der Spurwille, Spurtreue, Spurlaut auf der Hasenspur, Nasengebrauch, Führigkeit und Schussfestigkeit im Feld und Wald bewertet werden. Als Meister- und Vollprüfung folgt die Gebrauchsprüfung (GP): Sie umfasst eine anspruchsvolle Schweißarbeit am langen Riemen auf der Übernachtfährte (mindestens 400 m, 16–24 Stunden Stehzeit), die laute Jagd (Brackieren) auf Hase oder Fuchs, das Durchstöbern von Wald- und Gebirgskomplexen sowie umfassende Gehorsamsfächer (Leinenführigkeit, Ablegen mit Schussruhe, Standruhe, Benehmen am Stück). Spezialisierte Gespanne können zudem die Schweißsonderprüfung (SSP) bzw. Verbandsschweißprüfung (VSwP) auf 1.000 m Wundfährte sowie die Verbandsbrackierprüfung (VBrP) ablegen.

Vor der Anschaffung

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Häufige Fragen zu Brandlbracke (Österreichische Glatthaarige Bracke / Vieräugl)

Warum wird die Brandlbracke auch als „Vieräugl“ bezeichnet?

Der volkstümliche Name „Vieräugl“ rührt von den beiden markanten, scharf abgegrenzten rehbraunen bis lohfarbenen Flecken her, die sich direkt über den Augen der Brandlbracke befinden. Aus der Ferne oder im Dämmerlicht wirken diese Abzeichen wie ein zweites, wachsames Augenpaar. Im gesamten österreichischen Alpenraum ist „Vieräugl“ die gebräuchlichste traditionelle Bezeichnung für diese Rasse.

Wie unterscheidet sich die Brandlbracke von der Tiroler Bracke?

Die Brandlbracke ist mit 48 bis 56 cm Widerristhöhe größer und schwerer gebaut als die Tiroler Bracke (42 bis 50 cm). Zudem unterscheidet sich das Haarkleid deutlich: Die Brandlbracke besitzt ein glattes, elastisches Glatthaar mit Seidenglanz und tritt ausschließlich im schwarz-roten Farbschlag (mit Vieräugl) auf, während die Tiroler Bracke ein derberes, raueres Stockhaar aufweist und auch im reinen roten Farbschlag vorkommt. Beide Rassen sind hervorragende Gebirgsjagdhunde, doch die Brandlbracke wird aufgrund ihrer Körpergröße noch häufiger als vollwertiger Schweißhund im Wald und Flachland geführt.

Welche Jagdarten liegen der Brandlbracke besonders?

Die Brandlbracke ist ein Spezialist für das traditionelle, weiträumige Brackieren auf Feldhase und Fuchs, bei dem sie der Fährte mit sonorem Spurlaut folgt und das Wild langsam vor die Schützen bringt. Darüber hinaus hat sie sich in den letzten Jahrzehnten als einer der besten Schweißhunde für die Riemenarbeit auf Schalenwild (Rotwild, Schwarzwild, Gamswild, Rehwild) etabliert und wird von Berufsjägern und Schweißhundeführern hoch geschätzt. Auch das laute Stöbern auf Drückjagden liegt ihr im Blut.

Kann die Brandlbracke als reiner Familienhund gehalten werden?

Nein. Die Brandlbracke ist ein Vollblutjagdhund mit hochentwickelter Nase, starkem Spurwillen und großem Bewegungsdrang. Ohne jagdliche Auslastung verkümmert ihre Arbeitspassion, was zu Verhaltensproblemen oder unkontrolliertem Jagdtrieb beim Spaziergang führen kann. In einer aktiven Jägerfamilie hingegen ist sie ein vorbildlicher, ausgeglichener, ruhiger und äußerst kinderlieber Hausgenosse.

Welche Prüfungen sind im Österreichischen Brackenverein und im JGHV üblich?

Im Österreichischen Brackenverein (ÖJGV) sowie im Deutschen Bracken-Club (JGHV) absolviert der Junghund zunächst die Anlagenprüfung (AP) mit Bewertung von Spurlaut, Spurwille auf der Hasenspur und Schussfestigkeit. Darauf folgt die Gebrauchsprüfung (GP) als Vollprüfung mit Schweißarbeit auf der 400-m-Übernachtfährte, Brackieren, Stöbern und Gehorsamsfächern.

Quellen und Evidenz

3 Einträge
  1. Fachverband / Körperschaft Abruf: 9.8.2026

    Laufhunde

    Kärntner Jägerschaft Primärdokument öffnen ↗
  2. Fachverband / Körperschaft Abruf: 11.9.2026

    FCI-Nomenklatur der Hunderassen

    Fédération Cynologique Internationale (FCI) Primärdokument öffnen ↗
  3. Fachverband / Körperschaft Abruf: 13.9.2026

    FCI-Standard Nr. 63: Brandlbracke

    Fédération Cynologique Internationale (FCI) Primärdokument öffnen ↗

Geltung und Prüfstand

Gilt für
Österreich, Deutschland, Schweiz
Inhalt geprüft
Primärquellen
3 Fachquellen hinterlegt