Herkunft und Zucht

Die Alpenländische Dachsbracke zählt zu den ältesten und traditionsreichsten Jagdhunderassen des Alpenraums. Bereits im 19. Jahrhundert züchteten Förster und Berufsjäger aus bodenständigen Gebirgsbracken und niederläufigen Schlägen robuste Gebrauchshunde für die schwere Nachsuche und laute Jagd in unwegsamem Gelände. Große Bekanntheit erlangte die Rasse durch Kronprinz Rudolf von Österreich-Ungarn, der in den Jahren 1881 und 1885 seine Berufsjäger aus Mursteg anwies, 'Murztaler Dachsbracken' auf seinen anspruchsvollen Gebirgsjagden im Hochgebirge zu führen. 1896 wurde in Österreich der erste Zuchtverein für Dachsbracken gegründet. 1932 erkannte der kynologische Dachverband in Österreich die 'Alpenländische Erzgebirgsler Dachsbracke' offiziell als dritte Schweißhunderasse (neben Hannoverschem und Bayerischem Gebirgsschweißhund) an. 1975 wurde der Name international auf 'Alpenländische Dachsbracke' festgelegt und Österreich als Ursprungsland bestätigt; 1991 stufte die FCI die Rasse endgültig in Gruppe 6, Sektion 2 (Schweißhunde) ein. Heute wird die Rasse in Österreich durch den 'Klub Dachsbracke' (ÖJGV) und in Deutschland durch den 'Verein Dachsbracke e.V.' (JGHV/VDH) streng nach forstlich-jagdlichen Leistungsanforderungen rein gezüchtet.

Leistungsprofil

Die Alpenländische Dachsbracke ist ein extrem vielseitiger Spezialist für die alpine Jagd vor und nach dem Schuss. Ihre herausragende Domäne ist die Schweißarbeit am langen Riemen auf alle Schalenwildarten (Rot-, Gams-, Reh- und Schwarzwild): Dank ihrer sprichwörtlich feinen Nase, ihres ruhigen Suchtempos und ihrer absoluten Fährtentreue arbeitet sie selbst schwierigste Wundfährten über steinige Almböden, Felsabstürze und durch dichte Krummholzzonen sicher aus. Auf Bewegungsjagden zeichnet sie sich durch passioniertes, lautes Stöbern aus: Ihr niederläufiger Körperbau erlaubt es ihr, unter Latschenfeldern, Windwürfen und Schwarzdornhecken mühelos durchzuschlüpfen, wo hochläufige Hunde kapitulieren müssen. Beim klassischen Brackieren folgt sie Hase und Fuchs mit hellem, anhaltendem Spurlaut. An wehrhaftem Schwarzwild agiert sie mutig, klug und mit energischem Standlaut, ohne sich leichtsinnig zu gefährden. Zudem besitzen viele Dachsbracken eine ausgeprägte Anlage zum Totverbellen oder Totverweisen.

Gesundheit und Vorsorge

Die Rasse zeichnet sich durch ursprüngliche Vitalität, Härte und eine erfreuliche Lebenserwartung aus. Aufgrund der gezielten Selektion auf jagdliche Gebrauchstüchtigkeit ist die Alpenländische Dachsbracke frei von kynologischen Übertypisierungen. Zur Zuchtzulassung im Klub Dachsbracke und Verein Dachsbracke e.V. ist das amtliche Röntgen auf Hüftgelenksdysplasie (nur HD-A und HD-B zugelassen) Pflicht. Obwohl sie niederläufig ist, treten Bandscheibenprobleme dank ihres kräftigen Knochenbaus und der starken Rückenmuskulatur im Vergleich zu anderen kurzläufigen Rassen nur selten auf; im Welpenalter sollte dennoch auf das Vermeiden von Treppensteigen und Übergewicht geachtet werden. Das doppelte Stockhaar mit dichter Unterwolle bietet perfekten Schutz gegen Kälte, Nässe und Dornen. Nach harten Einsätzen im Gebirge sollten die Pfotenballen und Krallen sowie die herabhängenden Behänge regelmäßig kontrolliert und gereinigt werden.

Haltung und Auslastung

Die Alpenländische Dachsbracke ist ein Vollblutjagdhund, der ausschließlich in die Hände von Jägern und Nachsuchenführern gehört. Eine reine Wohnungshaltung oder ein Dasein als Schoß- oder Begleithund widerspricht ihrer Natur völlig und führt zu Frustration und Verhaltensauffälligkeiten. Wird die Dachsbracke jedoch regelmäßig im Jagdbetrieb eingesetzt und gefordert, erweist sie sich im Haus als überaus angenehmer, ruhiger, nervenfester und kinderlieber Familienhund. Sie baut eine sehr enge Bindung zu ihrem Führer auf und verlangt vollen Familienanschluss; eine dauerhafte Zwingerisolierung schadet ihrer feinen Führerbezogenheit. In der Ausbildung benötigt die Dachsbracke eine ruhige, konsequente und verlässliche Hand – sie besitzt gesunde Selbstständigkeit, lernt sehr schnell, reagiert aber empfindlich auf rohe Härte oder Launen.

Rassestandard

Laut dem offiziellen FCI-Standard Nr. 254 (Stand: 18.06.1996) ist die Alpenländische Dachsbracke ein niederläufiger, kräftiger Jagdhund mit robustem, starkknochigem Körperbau, dichtem Haarkleid und fester Muskulatur. Das Verhältnis von Widerristhöhe zur Rumpflänge beträgt idealerweise 2:3. Die Widerristhöhe liegt bei 34 bis 42 cm; das Idealmaß beträgt bei Rüden 37 bis 38 cm und bei Hündinnen 36 bis 37 cm. Der Schädel ist leicht gewölbt mit deutlicher Stirnfurche und ausgeprägtem Stopp; der Fang ist kräftig mit vollständigem Gebiss. Die Augen sind dunkelbraun mit klugem, aufmerksamem Ausdruck. Die Behänge sind mittellang, hoch angesetzt, breit, glatt herabhängend und am unteren Ende abgerundet. Das Haarkleid besteht aus sehr dichtem Stockhaar mit dichter Unterwolle, das am ganzen Körper gut anliegt und an der Rutenunterseite eine dichte Bürste bildet. Zulässige Farben sind: 1. Dunkles Hirschrot mit oder ohne leichte schwarze Stichelung; 2. Schwarz mit klar abgegrenztem rot-braunem Brand an Kopf (Vieräugl), Brust, Läufen, Pfoten und Rutenunterseite. Ein weißer Bruststern ist gestattet.

Wesen und Arbeitsweise

Das Wesen der Alpenländischen Dachsbracke vereint unerschütterlichen Schneid und unbändige Jagdpassion mit bemerkenswerter Sanftmut und Gelassenheit im Haus. Im Revier agiert sie selbstständig, furchtlos, feinnasig und mit festem Willen, findet selbst auf schwierigen Wundfährten stets den Anschluss und gibt an der warmen Fährte verlässlichen Spurlaut. An wehrhaftem Wild beweist sie die nötige Schärfe und Klugheit. Im Alltag und im Umgang mit ihrer Familie ist sie anhänglich, verschmust, ausgeglichen und zeigt keinerlei Nervosität oder unbegründete Schärfe gegen Menschen und Artgenossen.

Prüfungen und Zuchtzulassung

Das Prüfungswesen der Alpenländischen Dachsbracke ist stark praxisorientiert und wird in Österreich vom Klub Dachsbracke (ÖJGV) sowie in Deutschland vom Verein Dachsbracke e.V. (JGHV) durchgeführt. Junghunde absolvieren zunächst die Anlagenprüfung (AP / Vorprüfung), bei der Spurwille, Spursicherheit, Spurlaut auf der Hasenspur, Nasengebrauch, Führigkeit und Schussfestigkeit geprüft werden. Darauf folgt die Gebrauchsprüfung (GP) als umfassende Leistungsprüfung: Sie umfasst die anspruchsvolle Schweißarbeit am langen Riemen auf der Übernachtfährte (mindestens 400 m, 16–24 Stunden Stehzeit), das laute Jagen (Brackieren) auf Hase oder Fuchs, das Durchstöbern im Wald bzw. Krummholz sowie umfassende Gehorsamsfächer (Leinenführigkeit, Ablegen, Standruhe). Spezialisierte Nachsuchengespanne legen darüber hinaus die Verbandsschweißprüfung (VSwP) bzw. Schweißsonderprüfung (SSP) auf 1.000 m künstlicher Wundfährte ab.

Vor der Anschaffung

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Häufige Fragen zu Alpenländische Dachsbracke

Ist die Alpenländische Dachsbracke ein Schweißhund oder eine Bracke?

Kynologisch und jagdrechtlich ist sie beides: Historisch aus alten Gebirgsbracken hervorgegangen, wurde sie 1932 in Österreich als dritte offizielle Schweißhunderasse (neben Hannoverschem Schweißhund und Bayerischem Gebirgsschweißhund) anerkannt. 1991 ordnete die FCI sie in Gruppe 6, Sektion 2 (Schweißhunde) ein. Gleichzeitig beherrscht sie die klassische laute Jagd (Brackieren) auf Hase und Fuchs sowie das Stöbern meisterhaft.

Worin liegen die Vorteile des niederläufigen Körperbaus im Gebirge?

Mit einer Widerristhöhe von 34 bis 42 cm besitzt die Dachsbracke einen tiefen Körperschwerpunkt, der ihr außergewöhnliche Trittsicherheit auf Geröllfeldern und Steilhängen verleiht. Zudem unterläuft sie dichte Latschenfelder (Krummholz), verwehtes Windwurfholz und dorniges Unterholz mühelos, wo hochläufige Hunde steckenbleiben oder schnell ermüden. Am Schweißriemen hält sie ein ruhiges, für den Nachsuchenführer angenehmes Marschtempo.

Ist die Dachsbracke anfällig für Dackellähme oder Bandscheibenvorfälle?

Im Gegensatz zum Teckel ist die Alpenländische Dachsbracke deutlich kräftiger bemuskelt und besitzt ein starkes Knochengerüst mit geraden Läufen. Bandscheibenvorfälle kommen dank strenger züchterischer Selektion nur selten vor. Dennoch sollte im Welpen- und Junghundalter übermäßiges Treppensteigen vermieden und auf eine schlanke, gut trainierte Rückenmuskulatur geachtet werden.

Kann die Alpenländische Dachsbracke als reiner Begleithund gehalten werden?

Nein. Die Dachsbracke ist ein Vollblutjagdhund mit enormem Finderwillen, tiefer Fährtenschärfe und starkem Arbeitstrieb. Eine Haltung ohne jagdlichen Einsatz führt zu schwerer Unterforderung und Problemen im Alltag. Wird sie jedoch im Revier geführt und gefordert, erweist sie sich im Haus als überaus ruhiger, freundlicher, verlässlicher und kinderlieber Familienbegleiter.

Welche Prüfungen verlangen Klub Dachsbracke und JGHV für die Zuchtzulassung?

Gefordert werden das Bestehen der Anlagenprüfung (AP) mit Lautnachweis auf der Hasenspur und Schussfestigkeit sowie die Gebrauchsprüfung (GP) mit anspruchsvoller Schweißarbeit auf der Übernachtfährte (mindestens 400 m), lautem Jagen und Gehorsamsfächern. Hinzu kommt eine amtliche HD-Röntgenuntersuchung (nur HD-A und HD-B zugelassen) sowie die Zuchttauglichkeitsbeurteilung mit Formwertprüfung.

Quellen und Evidenz

3 Einträge
  1. Fachverband / Körperschaft Abruf: 9.8.2026

    Laufhunde

    Kärntner Jägerschaft Primärdokument öffnen ↗
  2. Fachverband / Körperschaft Abruf: 11.9.2026

    FCI-Nomenklatur der Hunderassen

    Fédération Cynologique Internationale (FCI) Primärdokument öffnen ↗
  3. Fachverband / Körperschaft Abruf: 13.9.2026

    FCI-Standard Nr. 254: Alpenländische Dachsbracke

    Fédération Cynologique Internationale (FCI) Primärdokument öffnen ↗

Geltung und Prüfstand

Gilt für
Österreich, Deutschland, Schweiz
Inhalt geprüft
Primärquellen
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