Was die zugrunde liegenden Studien zeigen
Das Dossier stellt vier Arbeiten der Jahre 2025 und 2026 zusammen, die unmittelbar mit Revier und Management zu tun haben.
Für Österreich wurde berechnet, wo Wolfslebensraum und Rissrisiko zusammenfallen: 47 % der Landesfläche sind als Lebensraum geeignet, auf 23 % besteht ein erhöhtes Rissrisiko, vor allem an Almweiden und waldnahem Offenland in Tirol und Kärnten. Das Random-Encounter-Modell liefert auch in Revieren unter 10 km² brauchbare Wilddichten aus Fotofallen, wenn die Parameter im Revier selbst erhoben werden.
Am Fuji verteilen Bejagung und Schlagflächen das Sikawild nach Geschlecht: Die Hirsche halten sich in den intensiv bejagten Bereichen auf, das Kahlwild meidet sie. Für ganz Europa wurde der Schwarzwildbestand vor Ankunft der Afrikanischen Schweinepest auf 13,5 bis 19,6 Millionen Stück vor der Jagdsaison geschätzt, übereinstimmend aus Sichtbeobachtungen und aus Jagdstrecken.
Wolf in Österreich: Lebensraum und Rissrisiko (Kunz et al., 2026): Die Autoren entwickelten mit dem Verfahren MaxEnt zwei Modelle, eines für den potenziellen Wolfslebensraum und eines für Gebiete mit möglichen Nutztierrissen. Grundlage waren umfassend gefilterte Wolfsnachweise (124) und 109 Fälle von Nutztierrissen sowie 37 Variablen zu Umwelt, Gelände, menschlichem Einfluss und Nutztieren. Das Habitatmodell ergab, dass geeigneter Wolfslebensraum vor allem in Waldgebieten liegt. Der kombinierte Index SARI zeigt rund 8000 km² mit zugleich geeignetem Lebensraum und erhöhter Rissanfälligkeit, das sind 9,5 % der Landesfläche. Die Rissanfälligkeit wird nach dem Modell vor allem durch die Anwesenheit von Nutztieren und die Nähe zu Wäldern bestimmt. Das oberste Zehntel des Index markiert Flächen, die dringend Eingriffe brauchen.
Random-Encounter-Modell in kleinen Flächen (Wohlfahrt et al., 2025): Die Arbeit wertete Fotofallendaten aus 19 alpinen und kontinentalen Gebieten in Österreich aus, mit 28 Huftierbeständen von Reh, Rothirsch, Gämse und Wildschwein. Bisher war das Modell für Flächen unter 10 km² nicht geprüft, und die Arbeit untersucht seine Genauigkeit gerade auf kleinen Flächen. Der mittlere Variationskoeffizient (CV) lag bei 0,45 und war mit Studien auf Flächen von 46,6 bis 501 km² vergleichbar. Größe und Form der Untersuchungsfläche hatten keinen signifikanten Einfluss auf den CV. Der Anteil der Kameras mit Kontakt wirkte sich negativ auf den CV aus, und die Genauigkeit war beim gleichmäßig verteilten Reh höher als beim gruppenweise auftretenden Rothirsch. Standortspezifische und gemittelte Parameter ergaben statistisch nicht unterschiedliche Dichten, ließen sich aber nicht durch dieselben Größen erklären, und ein vereinfachtes Verfahren mit gemittelten Parametern liefert keine ausreichend vergleichbaren Ergebnisse.
Schwarzwildbestand in Europa (Smith et al., 2026): Die Autoren verknüpften Umweltfaktoren mit Vorkommensbeobachtungen und Jagdstrecken, und zwar mit Maxent für die Beobachtungen und einem GLMM für die Strecken. Die Modellausgaben wurden mit robusten und vergleichbaren Dichteschätzungen von 77 Standorten in Europa kombiniert, um je Land Dichte und Gesamtbestand zu berechnen. Die Schätzungen gelten jeweils für die Zeit vor dem Seuchennachweis im Land; diese Zeitpunkte reichen von 2007 für Georgien bis 2022 für die meisten EU-Länder, die noch frei waren. Die Bestandsschätzungen schwanken von Land zu Land stark. Die Ergebnisse können nach den Autoren für die Abschätzung des Seuchenrisikos und die Wirkung von Management genutzt werden; bei lokalen Einflüssen müssten sie unter Umständen angepasst werden. Die Autoren schlagen vor, Dichteschätzungen aus dem Europäischen Wildtierobservatorium auch für andere Arten zu nutzen, da die Methode zwischen Arten und Lebensräumen gleich ist.