Herkunft und Zucht

Der Irish Red Setter entstand im 18. Jahrhundert in Irland als hochspezialisierter Vorstehhund für die weiträumigen Hochmoore, Heideflächen und Agrarsteppen der grünen Insel. Er stammt von Irischen Rot-Weißen Settern und unbekannten einfarbig roten Hunden ab. Ursprünglich war der irische Vorstehhund überwiegend rot-weiß gefleckt; die einfarbig rote Varietät wurde ab Beginn des 19. Jahrhunderts durch irische Großgrundbesitzer wie Lord de Freyne und die Earls of Enniskillen gezielt durch Reinzucht gefördert und etablierte sich rasch als eigenständiger Schlag. 1882 gründete sich in Dublin der 'Irish Red Setter Club', der 1886 den ersten verbindlichen Standard formulierte. Die FCI führt die Rasse unter Standard Nr. 120 (Gruppe 7, Sektion 2.2). Im deutschsprachigen Raum wird der Irish Red Setter seit 1902 durch den 'Verein für Pointer und Setter e.V.' (PuS im JGHV/VDH) sowie seit 1908 durch den 'Österreichischen Pointer- und Setterklub' (ÖPSV im ÖKV/ÖJGV) betreut. Da der Irish Setter im 20. Jahrhundert massiv als Mode- und Ausstellungshund populär wurde, existiert heute eine klare Trennung zwischen reinen Showlinien und den im Jagdeinsatz unverzichtbaren Field-Trial-Arbeitslinien.

Leistungsprofil

Im Feld überzeugt der Irish Red Setter aus jagdlicher Leistungszucht durch eine dynamische, raumgreifende Galoppsuche von unvergleichlicher Leichtigkeit, Geschwindigkeit und Ausdauer. Mit hohem Haupt ('hohe Nase') nutzt er den Wind meisterhaft aus, um Witterung von Fasan, Rebhuhn, Wachtel oder Bekassine bereits auf große Entfernungen wahrzunehmen. Wittert er Federwild, zieht er katzenartig nach und erstarrt in einem bombenfesten, ausdrucksvollen Vorstehen ('Point'). Wie alle britischen und irischen Vorstehhunde besitzt auch der Irish Setter das angeborene Sekundieren (Honoring im Paar-Lauf): Erblickt er einen vorstehenden Partnerhund, stoppt er augenblicklich im vollen Lauf und steht sekundierend mit vor, ohne das Wild aufzustoßen. Für die Wasserarbeit und das Verlorenbringen lässt er sich dank hoher Wasserfreude und weichem Maul bei verständnisvoller Ausbildung zuverlässig einsetzen; für die schwere Schalenwildnachsuche oder Raubwildschärfe ist er züchterisch und körperlich nicht disponiert.

Gesundheit und Vorsorge

Dank konsequenter molekulargenetischer Zuchtprogramme im Verein für Pointer und Setter e.V. (PuS) und im internationalen Zuchtgeschehen gilt der Irish Red Setter als gesunde, vitale Rasse. Für die Zuchtzulassung ist die amtliche Befundung von Röntgenaufnahmen auf Hüftgelenksdysplasie (HD-Freiheit HD-A oder B) obligatorisch. Ein historischer Meilenstein der Rassegesundheit war die Tilgung der tödlichen Immunschwächekrankheit CLAD (Canine Leukocyte Adhesion Deficiency) durch verpflichtende DNA-Gentests: Trägerhunde sind von der Zucht ausgeschlossen, sodass die Rasse heute praktisch CLAD-frei ist. Zudem sind Gentests auf Progressive Retinaatrophie (Mutationen rcd1-PRA und rcd4-PRA) Standard. Wie alle tiefbrüstigen Großhunderassen besitzt der Irish Setter ein gewisses Risiko für Magendrehung (Torsio ventriculi); nach der Fütterung sind Ruhephasen strikt einzuhalten. Die langen, reich befederten Behänge bedürfen regelmäßiger Belüftung und Reinigung zur Vorbeugung von Gehörgangsentzündungen.

Haltung und Auslastung

Der Irish Red Setter besticht im Zusammenleben durch sein sonniges, überaus freundliches und lebensfrohes Gemüt; er gilt kynologisch oft als 'ewiger Junghund', der seinen verspielten Charme bis ins hohe Alter bewahrt. Er besitzt keinerlei Aggression oder Misstrauen, liebt Kinder innig und schließt mit Besuchern und Artgenossen sofort Freundschaft. Eine Haltung im Zwinger ist für sein sensibles, anschmiegsames Wesen vollkommen ungeeignet und bricht seinen Arbeitswillen. In der Ausbildung erfordert der feurige Ire eine ruhige, konsequente und überaus verständnisvolle Führung: Grobheit, Druck oder Ungeduld quittiert er mit Meideverhalten, Dickköpfigkeit oder Verunsicherung. Um im Haus ruhig und ausgeglichen zu sein, verlangt er tägliche, ausgiebige Bewegung im Freilauf sowie anspruchsvolle Aufgaben für seine Nase (Feldsuche, Schleppenarbeit, Dummy-Training).

Rassestandard

Laut dem offiziellen FCI-Standard Nr. 120 ist der Irish Red Setter ein rassiger, wohlproportionierter und athletischer Vorstehhund von aristokratischer Eleganz und stolzer Körperhaltung. Die Widerristhöhe beträgt bei Rüden 58 bis 67 cm und bei Hündinnen 55 bis 62 cm. Der Kopf ist lang, trocken und feingemeißelt mit ausgeprägtem Stop und tiefem, rechteckigem Fang. Die Augen sind dunkel haselnussbraun bis dunkelbraun mit lebhaftem, intelligentem und sanftem Ausdruck. Die Behänge sind mittellang, tief angesetzt, fallen in sauberen Falten dicht am Kopf herab und tragen feines, seidiges Haar. Die Rute ist mittellang, tief angesetzt, verjüngt sich zur Spitze und wird in Rückenlinie oder leicht darunter getragen; sie weist eine prächtige, sich zur Mitte hin verlängernde Befederung ('Fahne') auf. Das Haarkleid ist am Kopf und an den Vorderseiten der Läufe kurz und fein, am Körper mittellang, glatt anliegend und seidig mit dichter Befederung an Brust, Läufen und Rute. Die Farbe ist einheitlich sattes, glänzendes Kastanienrot ohne jede Spur von Schwarz; kleine weiße Flecken an Brust, Kehle oder Zehen sind toleriert.

Wesen und Arbeitsweise

Das Wesen des Irish Red Setter ist geprägt von feurigem Enthusiasmus, hoher Arbeitsfreude, bemerkenswerter Intelligenz und unerschütterlicher Gutmütigkeit. Im Jagdeinsatz agiert er passioniert, ausdauernd und mit sprichwörtlichem Finderwillen, bleibt dabei jedoch stets führig und blickkontaktsuchend, wenn die Bindung zum Führer gefestigt ist. Er ist frei von Furcht, Nervosität oder Aggression. Im familiären Zusammenleben erweist er sich als liebevoller, loyaler und verschmuster Partner, der die Nähe seiner Menschen sucht und jede Zuwendung dankbar annimmt.

Prüfungen und Zuchtzulassung

Das jagdliche Prüfungswesen für den Irish Red Setter wird im deutschsprachigen Raum durch den Verein für Pointer und Setter e.V. (PuS) in Kooperation mit dem JGHV und VDH sowie in Österreich durch den ÖPSV geregelt. Junghunde stellen ihre natürlichen Anlagen im Frühjahr bei Jugendsuchen bzw. der Frühjahrszuchtprüfung (FZP) unter Beweis, bei der Weite und Planmäßigkeit der Quersuche, Schnelligkeit, Nase, Vorstehen, Führigkeit und Schussfestigkeit im Feld geprüft werden. Im Herbst folgt die Herbstzuchtprüfung (HZP) mit anspruchsvolleren Schleppen- und Gehorsamsfächern. Als kynologische Königsdisziplin gelten die internationalen Field Trials nach FCI-Reglement (Grande Quête und Quête de Chasse im Solo- und Paar-Lauf), wo Renommee, Stil, Galopptempo und das instinktive Sekundieren beurteilt werden. Für den Revieralltag können Irish Setter zudem die Brauchbarkeitsprüfung für das Feld ablegen.

Vor der Anschaffung

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Häufige Fragen zu Irish Red Setter (Irischer Roter Setter)

Worin unterscheiden sich jagdliche Arbeitslinien (Field Trial) und Showlinien?

Der Irish Red Setter erlebte im 20. Jahrhundert eine deutliche Zuchtspaltung: Showlinien wurden primär auf opulentes, bodenlanges Haarkleid, dunkle Kastanienfarbe und schweren Körperbau selektiert; sie werden meist als reine Familien- und Ausstellungshunde gehalten. Echte jagdliche Arbeitslinien (vor allem aus Irland, Frankreich und Großbritannien sowie im JGHV-Verein PuS) sind deutlich athletischer, drahtiger, leichter befedert, extrem schnell und besitzen einen ausgeprägten Finderwillen und bombenfesten Vorstehtrieb. Für den praktischen Jagdeinsatz im DACH-Raum sind Welpen aus jagdlicher Leistungszucht zwingend erforderlich.

Wie entstand die rein rote Farbvarietät des Irish Red Setter?

Ursprünglich war der irische Vorstehhund überwiegend rot-weiß gescheckt (heute als eigene Rasse 'Irish Red and White Setter' geführt). Im 18. und frühen 19. Jahrhundert begannen irische Adlige und Züchter (darunter die Earls of Enniskillen), einfarbig kastanienrote Hunde zu bevorzugen und gezielt herauszuzüchten. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts setzte sich der einfarbig rote Typ international durch.

Was versteht man unter CLAD und wie steht es um die Gesundheit der Rasse?

CLAD (Canine Leukocyte Adhesion Deficiency) war eine tödliche Immunschwächekrankheit beim Irish Red Setter, bei der weiße Blutkörperchen Infektionen nicht bekämpfen konnten. Durch die Entwicklung eines DNA-Gentests um die Jahrtausendwende und die strenge Zuchtselektion (Zuchtverbot für Merkmalsträger im PuS/VDH und Kennel Club) gilt die Rasse heute in seriösen Zuchten als praktisch CLAD-frei. Ergänzend sind HD-Röntgen sowie Gentests auf rcd1-PRA und rcd4-PRA (Progressive Retinaatrophie) vor der Zucht vorgeschrieben.

Wie verhält sich der Irish Red Setter im Haus und in der Familie?

Der Irish Setter besitzt ein sonniges, ausgesprochen freundliches und verspieltes Temperament ('ewiger Junghund'). Er ist vollkommen frei von Aggressivität oder Schärfe, liebt Kinder und bindet sich eng an seine Menschen. Er benötigt jedoch täglich intensiven Auslauf und geistige Beschäftigung; unterforderte Hunde neigen zu Unruhe, Nervosität oder selbstständigem Jagen. Eine reine Zwingerhaltung ist für sein sensibles Gemüt absolut wesenswidrig.

Welche jagdlichen Prüfungen absolviert der Irish Setter im DACH-Raum?

Das Prüfungswesen umfasst Frühjahrszuchtprüfungen (FZP / Jugendsuche), Herbstzuchtprüfungen (HZP), internationale Field Trials (Grande Quête und Quête de Chasse im Paar- oder Einzellauf) sowie landesrechtliche Brauchbarkeitsprüfungen für das Feld.

Quellen und Evidenz

3 Einträge
  1. Fachverband / Körperschaft Abruf: 9.8.2026

    Vorstehhunde

    Kärntner Jägerschaft Primärdokument öffnen ↗
  2. Fachverband / Körperschaft Abruf: 11.9.2026

    FCI-Nomenklatur der Hunderassen

    Fédération Cynologique Internationale (FCI) Primärdokument öffnen ↗
  3. Fachverband / Körperschaft Abruf: 13.9.2026

    FCI-Standard Nr. 120: Irish Red Setter

    Fédération Cynologique Internationale (FCI) Primärdokument öffnen ↗

Geltung und Prüfstand

Gilt für
Österreich, Deutschland, Schweiz
Inhalt geprüft
Primärquellen
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