Herkunft und Zucht
Der English Springer Spaniel gilt kynologisch als die älteste und reinblütigste aller britischen Landspaniel-Rassen („Gundogs“). Bereits in historischen Schriften des 16. und 17. Jahrhunderts werden Spaniels beschrieben, die Wild für Netz- und Beizjäger aufspürten und „aufsprangen“ (engl. „to spring“ = hochmachen, herausdrücken).
Bis ins späte 19. Jahrhundert wurden Springer und Cocker Spaniel in denselben Würfen geworfen: Leichtere, kurzhaxige Welpen selektierte man für die Schnepfenjagd („Cocker“), die kräftigeren, hochbeinigeren Geschwister für das Aufstöbern von Fasanen, Rebhühnern und Hasen („Springer“). 1902 erfolgte die eigenständige Anerkennung durch den britischen Kennel Club (KC), gefolgt von der Standardisierung durch die FCI (Standard Nr. 125).
Heute gliedert sich die Rasse in zwei Welten: Show-Linien mit üppiger Behaarung für Ausstellungen und reine Field-Trial-Arbeitslinien für den harten Praxiseinsatz. Im DACH-Raum wird die jagdliche Leistungszucht über den traditionsreichen Jagdspaniel-Klub e.V. (gegründet 1907 im JGHV) sowie den Verein Jagdspaniel e.V. und den Österreichischen Spaniel-Klub (ÖSK) gewissenhaft betreut.
Rassestandard
Laut offiziellem FCI-Standard Nr. 125 ist der English Springer Spaniel ein symmetrisch gebauter, kompakter, kräftiger und lebhafter Jagdhund. Mit einer Widerristhöhe von ca. 51 cm bei Rüden (Hündinnen ca. 48 bis 50 cm) ist er der größte und langbeinigste aller britischen Landspaniels.
Der Kopf ist von mittlerer Länge, wohlgeformt mit mäßig breitem Schädel, deutlichem Stirnabsatz (Stop) und tiefem, breitem Fang mit muskulösen Kiefern. Die Augen sind mandelförmig, von haselnussbrauner bis dunkelbrauner Farbe, und strahlen Sanftmut, Intelligenz und Wachheit aus. Die lappenförmigen Behänge sind gut behaart, auf Augenhöhe angesetzt und liegen dicht am Kopf an. Die Rute ist tief angesetzt, gut befedert und wird in ständiger, fröhlicher Bewegung waagerecht getragen.
Das Haarkleid ist dicht, glatt, weich und extrem wetterfest, um den Hund vor Nässe und Kälte zu schützen; mäßige Befederung ziert Behänge, Brust, Rumpfunterseite und Läufe. Als Farben sind Leberbraun-Weiß und Schwarz-Weiß anerkannt, jeweils auch als Tricolor mit lohfarbenen Abzeichen über den Augen, an den Wangen und Läufen.
Leistungsprofil
Das klassische Aufgabengebiet des English Springer Spaniels ist das Buschieren (Rough Shooting): Im unermüdlichen Zick-Zack-Schlag („Quartering“) sucht er die Deckung systematisch im Umkreis von maximal 20 bis 25 Metern vor dem Schützen ab. Seine legendäre Dornenfestigkeit lässt ihn ohne das geringste Zögern in dichteste Brombeerhecken, Schwarzdorn, Ginster und undurchdringliche Schilfwucherungen eindringen, um Fasanen, Rebhühner, Waldschnepfen, Kaninchen oder Hasen herauszudrücken.
Nach dem Schuss beweist der Springer Spaniel hervorragende Bringtreue: Er apportiert krankes oder verendetes Feder- und Haarniederwild zuverlässig und schonend mit weichem Maul („soft mouth“). Seine angeborene Wasserfreude macht ihn zu einem erstklassigen Verlorenbringer bei der Enten- und Gänsejagd in tiefem, verkrautetem Wasser.
Im modernen Jagdbetrieb des DACH-Raumes bewährt sich der Springer Spaniel zudem auf Bewegungsjagden auf Schalenwild: Spurlaut jagend drückt er Reh- und Schwarzwild beharrlich aus den Einständen, ohne das Wild hetzend zu vergrämen. Bei Nachsuchen am langen Schweißriemen überzeugt er durch Ruhe und eine tiefe, konzentrierte Fährtennase.
Wesen und Arbeitsweise
Das Wesen des English Springer Spaniels wird im Standard treffend als fröhlich („merry“), arbeitsfreudig, aufmerksam und führig beschrieben. Charakteristisch ist das unaufhörliche, freundliche Wedeln mit der Rute bei jeder Bewegung. Er besitzt einen enormen Finderwillen gepaart mit einem ausgeprägten Arbeitswillen („Will to please“).
Im Vergleich zu sturen Erdhunden oder distanzierten Bracken bindet sich der Springer Spaniel eng an seinen Führer und arbeitet in ständiger Blick- und Pfeifenkontakt. Fremden Menschen und Artgenossen begegnet er aufgeschlossen und freundlich; Aggressivität oder Schreckhaftigkeit sind zuchtausschließende Wesensmängel.
Im Haus verhält er sich ruhig, verschmust und ausgesprochen kinderlieb. Jagdliche Arbeitslinien besitzen jedoch ein hohes Triebpotenzial, das bei mangelnder Führung und fehlender Auslastung zu Nervosität führen kann. Eine konsequente, ruhige Ausbildung macht ihn zum verlässlichen Jagdkameraden.
Gesundheit und Vorsorge
Der English Springer Spaniel ist ein robuster Gebrauchshund. Dank strenger Zuchtreglemente der Jagdspaniel-Vereine im JGHV ist der Gesundheitsstatus der jagdlichen Zuchtlinien sehr hoch.
Verpflichtend für die Zuchtzulassung sind Röntgenuntersuchungen auf Hüftgelenksdysplasie (HD) sowie klinische Augenuntersuchungen. Mittels DNA-Screening werden wesentliche Erbkrankheiten systematisch überwacht und bekämpft:
- Progressive Retinaatrophie (Cord1-PRA): Degenerative Netzhauterkrankung.
- Fucosidose: Tödliche lysosomale Speicherkrankheit des Nervensystems (Gentest verbindlich).
- Phosphofructokinase-Mangel (PFK): Enzymmangel in Muskeln und Erythrozyten, der zu Blutarmut und Muskelschwäche führt.
- Acral Mutilation Syndrome (AMS): Erbliche sensorische Neuropathie mit Gefühllosigkeit an den Pfoten.
Pflegebedarf besteht bei den schweren, befederten Hängeohren: Durch unzureichende Belüftung können chronische Entzündungen (Otitis) entstehen. Nach jedem Jagdeinsatz in Hecken und Schilf müssen Ohren, Augen und Pfotenzwischenräume auf eingedrungene Pflanzenteile, Dornen und spitze Grannen untersucht werden.
Haltung und Auslastung
Der English Springer Spaniel ist ein passionierter Jagdhund, der für ein glückliches Leben tägliche Aufgaben und viel Bewegung in der Natur benötigt. Reine Stadt- oder Wohnungshaltung ohne intensiven Ausgleich wird seinen Bedürfnissen nicht gerecht.
Am besten aufgehoben ist er bei aktiven Jägern, die Niederwildreviere bewirtschaften, Wasserjagden ausüben oder regelmäßig an Drückjagden teilnehmen. Außerhalb der Jagdsaison lässt er sich hervorragend mit Dummytraining, Fährtenarbeit, Schleppenarbeit oder Mantrailing fordern.
Wegen seines ausgeprägten Rudel- und Familienbezugs ist der Springer Spaniel denkbar ungeeignet für reine Zwingerhaltung; er braucht den täglichen Anschluss an seine Bezugspersonen im Wohnbereich. Seine Erziehung erfordert Geduld, Konsequenz und Lob – auf ungerechte Härte reagiert er mit Verunsicherung und Verweigerung.
Prüfungen und Zuchtzulassung
Das Jagdprüfungswesen für den English Springer Spaniel im DACH-Raum unterliegt den Ordnungen des Jagdspaniel-Klub e.V. und des Vereins Jagdspaniel e.V. (im JGHV/VDH) sowie des Österreichischen Spaniel-Klubs (ÖSK im ÖJGV).
Prüfungslaufbahn für die jagdliche Praxis:
- Spurlautprüfung (SpL): Feststellung des sicheren Spurlauts auf der Hasenspur als Zuchtvoraussetzung für den Stöberhund.
- Jagdliche Anlagensichtung (JAS) / Jugendprüfung (JP): Frühzeitige Überprüfung von Führigkeit, Nase, Spurwille, Finderwille, Schussfestigkeit und natürlicher Wasserfreude.
- Herbstjagdprüfung (HJP): Umfassende Leistungsprüfung für die Niederwild- und Wasserarbeit (Buschieren, freie Verlorensuche, Feder- und Haarwildschleppen, Schilfwasser mit Schussabgabe).
- Gebrauchsprüfung (GP): Die höchste Meisterprüfung für Stöberhunde mit 400 m Schweißfährte auf Schalenwild, Standruhe, Buschieren, Gehorsam und Verlorenbringen.
- Jagdliche Brauchbarkeitsprüfung (BP): Nachweis der vollen Brauchbarkeit nach den Landesjagdgesetzen für Nachsuche, Stöbern und Wasserarbeit.
- Verbandsschweißprüfung (VSwP): Schweißsonderprüfung für erschwerte Nachsuchen auf Schalenwild.
Zur Zuchtzulassung im Jagdspaniel-Klub sind Bestnoten im Formwert, lückenlose DNA-Gesundheitszertifikate (PRA, Fucosidose, PFK), HD-Freiheit sowie der Nachweis des Spurlauts und mindestens der bestandenen HJP vorgeschrieben.
Vor der Anschaffung
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Häufige Fragen zu English Springer Spaniel
Was bedeutet der Name „Springer“ Spaniel und was unterscheidet ihn vom Cocker Spaniel?
Der Name leitet sich von der englischen Jagdaufgabe „to spring“ (aufspringen, hochmachen) ab: Der Hund stöbert Wild in dichter Deckung auf und bringt es dazu, vor die Flinte des Jägers aufzufliegen oder herauszuspringen. Historisch fielen Cocker und Springer Spaniels oft im selben Wurf: Die kleineren Welpen wurden als „Cocking Spaniels“ speziell für die Jagd auf die Waldschnepfe (Woodcock) eingesetzt, während die größeren, hochbeinigere Hunde als „Springer“ für das allgemeine Niederwild und weite Buschieren herangezogen wurden. 1902 wurden beide vom Kennel Club als eigenständige Rassen anerkannt.
Wie läuft das „Buschieren“ mit dem English Springer Spaniel in der Jagdpraxis ab?
Beim Buschieren sucht der Springer Spaniel das Gelände im ständigen Zick-Zack-Muster („Quartering“) systematisch ab – und zwar strikt innerhalb der Schussreichweite des Jägers (maximal 20 bis 25 Meter). Dringt er in dichteste Brombeerhecken oder Heckenstreifen ein, drückt er Fasanen, Kaninchen oder Hasen heraus. Idealerweise verharrt der führige Hund beim Abstreichen des Wildes kurz („Drop on Flush“), um dem Schützen ein sicheres Schussfeld zu bieten. Nach dem Schuss apportiert er das erlegte Stück zügig und unversehrt mit weichem Maul.
Gibt es beim English Springer Spaniel unterschiedliche Zuchtlinien (Show vs. Field Trial)?
Ja, die Rasse weist eine der stärksten Differenzierungen aller Jagdhunde auf: Die Show-Linie (Bench/Standard) ist kräftiger gebaut, trägt ein schwereres, reicheres Haarkleid mit langen Behängen und besitzt ein ruhigeres Temperament. Die Arbeitslinie (Field Trial / Working Line) ist kompakter, leichter, besitzt ein kürzeres, pflegeleichtes Fell, höher angesetzte Ohren und einen extrem athletischen, triebstarken Arbeitsstil. Für den anspruchsvollen praktischen Jagdeinsatz im DACH-Raum werden fast ausnahmslos Hunde aus geprüften jagdlichen Leistungszuchten (Arbeitslinie oder jagdliche Dual-Purpose-Zucht) geführt.
Welche genetischen Gesundheitstests sind vor dem Kauf eines Jagdwelpen unerlässlich?
Im Jagdspaniel-Klub (JGHV/VDH) sind strenge Zuchtauflagen verankert. Zuchthunde müssen geröntgt werden (Hüftgelenksdysplasie HD). Verbindlich per DNA-Test geprüft werden: Progressive Retinaatrophie (Cord1-PRA), Fucosidose (tödliche Stoffwechselerkrankung des Nervensystems), Phosphofructokinase-Mangel (PFK-Mangel / Muskelschwäche und Anämie) sowie das Acral Mutilation Syndrome (AMS / Gefühlsverlust an den Pfoten). Welpeninteressenten sollten stets Einsicht in die Zuchtpapiere und Gen-Zertifikate beider Elterntiere verlangen.
Eignet sich der English Springer Spaniel auch für Drückjagden und Schweißfährten auf Schalenwild?
Absolut. Obwohl der Springer Spaniel primär als Niederwild-Stöberhund bekannt ist, wird er im DACH-Raum zunehmend erfolgreich auf Bewegungsjagden auf Reh- und Schwarzwild eingesetzt. Dank seiner Spurlaut-Anlage stöbert er wendig und kurz jagend im Schilf oder Dickicht und bringt Schalenwild ruhig vor die Schützen. Auf der Schweißfährte meistert er Totsuchen am 10-Meter-Riemen dank seiner herausragenden Fährtenschnalle konzentriert und verlässlich.
Quellen und Evidenz
3 Einträge- Fachverband / Körperschaft Abruf: 9.8.2026
Stöberhunde
- Fachverband / Körperschaft Abruf: 11.9.2026
FCI-Nomenklatur der Hunderassen
- Fachverband / Körperschaft Abruf: 21.10.2026
FCI-Standard Nr. 125: English Springer Spaniel
Geltung und Prüfstand
- Gilt für
- Österreich, Deutschland, Schweiz
- Inhalt geprüft
- Primärquellen
- 3 Fachquellen hinterlegt
