Herkunft und Zucht

Der English Setter blickt auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück: Seine Ursprünge liegen im 14. und 15. Jahrhundert bei den mittelalterlichen 'Setting Spaniels', die darauf abgerichtet waren, Rebhühner und Wachteln in Heidelandschaften aufzuspüren und sich vor dem Wild niederzulegen ('to set'), damit die Jäger das Wurffangnetz ('Tirasse') über Hund und Vögel werfen konnten. Mit der Erfindung moderner Steinschloss- und Schrotflinten im 18. und 19. Jahrhundert wandelte sich die Arbeitsweise zur stehenden Vorsteharbeit. Die moderne Reinzucht wurde maßgeblich durch Edward Laverack (1800–1877) geprägt, der ab 1825 durch konsequente Inzuchtselektion den unverwechselbaren, eleganten Typ mit dem typischen 'Belton'-Fell schuf. R. Purcell Llewellin (1840–1927) baute auf Laveracks Hunden auf und züchtete durch gezielte Einkreuzungen herausragende Arbeits- und Field-Trial-Linien ('Llewellin Setter'). Der englische Kennel Club erkannte die Rasse 1873 an; die FCI führt sie unter Standard Nr. 2 (Gruppe 7, Sektion 2.2). Im deutschsprachigen Raum wird der English Setter seit 1902 durch den 'Verein für Pointer und Setter e.V.' (PuS im JGHV/VDH) sowie den 'Österreichischen Pointer- und Setterklub' (ÖPSV, gegr. 1908) züchterisch betreut.

Leistungsprofil

Im praktischen Jagdeinsatz ist der English Setter ein hochspezialisierter Vollblutfelder. Sein Element sind weite Stoppeläcker, Heiden, Moorränder und offene Niederwildreviere: Im raumgreifenden, geschmeidigen und fast lautlosen Galopp mit tieferer, flacherer Körperhaltung als der Pointer kreuzt er die Fläche systematisch im Wind. Seine Nase nimmt die Witterung von Fasan, Rebhuhn, Wachtel oder Waldschnepfe direkt aus der Luft auf. Beim Auffinden von Wild zeigt er ein unvergleichlich intensives, geducktes oder klassisch stehendes Vorstehen ('Setting/Point'), oft mit ausgestreckter Rute und gesenktem Haupt, wobei er das Wild durch seine eiserne Ruhe fest bannt. Wie der Pointer besitzt auch der English Setter das angeborene Sekundieren (Honoring): Erblickt er einen vorstehenden Partnerhund, stoppt er augenblicklich im Galopp und steht mit vor. Für das Verlorenbringen und die Wasserarbeit lässt er sich mit Geduld erfolgreich anlernen, eignet sich jedoch aufgrund seiner Empfindlichkeit gegen dornige Verhaue und fehlende Härte nicht als kontinentaler Sau- oder Raubwildjäger.

Gesundheit und Vorsorge

Der English Setter erfreut sich bei sorgfältiger Zuchtauswahl einer robusten Vitalität. Zur Zuchtzulassung im Verein für Pointer und Setter e.V. (PuS) ist das amtliche Röntgen auf Hüftgelenksdysplasie (HD-Freiheit HD-A oder B) verpflichtend. Da weiße und hell gesprenkelte Hunde eine erbliche Disposition zu kongenitaler sensorineuraler Taubheit aufweisen können, fordern Zuchtverbände eine audiometrische Gehöruntersuchung (BAER-Test) für alle Welpen vor Abgabe bzw. für Zuchthunde. Genetisch wird zudem auf Neuronale Ceroid-Lipofuszinose (NCL / tödliche Speicherkrankheit) und Progressive Retinaatrophie (rcd4-PRA) getestet. Wegen der langen, dicht behaarten Behänge müssen die Gehörgänge regelmäßig gelüftet, gereinigt und von Verfilzungen freigehalten werden, um schmerzhaften Otitiden vorzubeugen. Nach Suchen im Spätsommer müssen Pfoten, Behänge und Behangspitzen akribisch auf schmerzhafte Grannen (Mäusegerste) untersucht werden.

Haltung und Auslastung

Das Zusammenleben mit dem English Setter ist geprägt von seiner außergewöhnlichen Sanftmut, Freundlichkeit und Feinfühligkeit. Er besitzt kein Territoriumsbewusstsein und keine Schärfe; gegenüber Menschen, Fremden und Artgenossen ist er stets aufgeschlossen und freundlich. Im Haus verhält er sich bei ausreichender Auslastung ruhig, anschmiegsam und unaufdringlich. Für eine Zwingerhaltung ist er absolut wesenswidrig – er verkümmert ohne engen Familienanschluss seelisch vollkommen. In der Ausbildung verlangt er vom Führer allerhöchste Geduld, Ruhe und Empathie: Harte Zurechtweisungen, Druck oder Launen zerstören sein Vertrauen und führen zu totaler Arbeitsverweigerung. Als Vollblutjäger benötigt er tägliche, weiträumige Bewegung und anspruchsvolle Aufgaben wie Dummyarbeit, Schleppentraining oder Mantrailing, wenn er nicht regelmäßig jagdlich im Feld geführt wird.

Rassestandard

Gemäß dem offiziellen FCI-Standard Nr. 2 ist der English Setter ein mittelgroßer bis großer, edler Vorstehhund von sauberem Umriss, harmonischen Proportionen und eleganten Bewegungen. Die Widerristhöhe beträgt bei Rüden 65 bis 68 cm und bei Hündinnen 61 bis 65 cm. Der Kopf ist lang, trocken und edel gemeißelt mit ausgeprägtem Stop und rechteckigem, tiefem Fang. Die Augen sind mandelförmig, dunkel haselnussbraun bis braun mit klarem, sanftem Ausdruck. Die Behänge sind mittellang, tief angesetzt, fallen in sauberen Falten dicht an den Wangen herab und sind mit feinem, seidigem Haar bedeckt. Der Rücken ist kurz und gerade, die Lenden breit und muskulös. Die Rute ist fast in Rückenhöhe angesetzt, wird sichelförmig geschwungen getragen und zeigt eine üppige, seidige Befederung ('Fahne'). Das Haarkleid ist ab dem Hinterkopf leicht gewellt, lang und seidig; Hosen an den Hinterläufen und reiche Befederung an den Vorderläufen sind typisch. Die Fellfarben sind Blue Belton, Orange Belton, Lemon Belton, Liver Belton oder Tricolour (Blue Belton mit Tan); große Farbplatten sind unerwünscht.

Wesen und Arbeitsweise

Das Wesen des English Setter zeichnet sich durch eine einzigartige Synthese aus feurigem Jagdeifer im Feld und rührender Sanftmut im Alltag aus. Im Revier beweist er unbändige Lauffreude, hohen Finderwillen und ausdauernde Konzentration bei der Quersuche. Er arbeitet führig und kooperativ, besitzt jedoch den eigenständigen Verstand eines Weitsuchers. Im häuslichen Umfeld ist er überaus anhänglich, verschmust, kinderlieb und verträglich mit jeglichen Artgenossen. Seine Nervenstärke und Friedfertigkeit machen ihn zu einem angenehmen Begleiter, der jedoch eine sensible Führungsperson braucht, die seine hochfeine seelische Verfassung versteht.

Prüfungen und Zuchtzulassung

Das jagdliche Prüfungswesen für den English Setter wird im deutschsprachigen Raum federführend vom Verein für Pointer und Setter e.V. (PuS) in Übereinstimmung mit dem JGHV und VDH sowie vom ÖPSV in Österreich organisiert. Junghunde werden im Frühjahr auf Jugendsuchen bzw. der Frühjahrszuchtprüfung (FZP) vorgestellt, wo Suche, Nase, Führigkeit, Vorstehen und Schussfestigkeit im Feld geprüft werden. Im Herbst folgt die Herbstzuchtprüfung (HZP) mit anspruchsvolleren Schleppen- und Gehorsamsfächern. Auf internationaler Bühne glänzt der English Setter bei Field Trials nach FCI-Reglement (Grande Quête und Quête de Chasse im Paar- oder Einzellauf), wo Tempo, Stil, Weite und das Sekundieren bewertet werden. Für den praktischen Jagdbetrieb im Niederwildrevier können English Setter zudem die Brauchbarkeitsprüfung für das Feld erfolgreich absolvieren.

Vor der Anschaffung

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Häufige Fragen zu English Setter

Was unterscheidet den English Setter vom Pointer und den kontinentalen Vorstehhunden?

Während der English Pointer ein kurzhaariger Spezialist mit extrem hohem, geradem Vorstehen ('Point') ist, zeichnet sich der English Setter durch ein langes, seidiges Haarkleid mit dichter Befederung aus und zeigte historisch das typische 'Setting' (ein geducktes, fast kriechendes Vorstehen vor dem Federwildnetz). Gegenüber kontinentalen Allroundern (wie Deutsch Drahthaar) fehlt dem Setter die angeborene Schärfe gegen Raubwild und die Eignung für harte Schilfwasser- oder Waldarbeiten; dafür ist seine Feldsuche unvergleichlich schnell, raumgreifend und elegant.

Was bedeutet die Farbbezeichnung 'Belton' beim English Setter?

Die typische Fellfärbung des English Setters wird fachlich als 'Belton' bezeichnet, benannt nach einem Dorf in Northumberland, wo der Zuchtpionier Edward Laverack wirkte. Es beschreibt ein weißes Grundfell, das feingesprenkelt (getüpfelt) ist, ohne große Farbplatten. Unterschieden werden Blue Belton (schwarz-weiß getüpfelt), Orange Belton (orange-weiß), Lemon Belton (zitronengelb-weiß), Liver Belton (leberbraun-weiß) sowie Tricolour (Blue Belton mit Tan-Abzeichen an Fang und Läufen).

Was unterscheidet die Arbeitslinien (Llewellin) von Showlinien?

Im 19. Jahrhundert begründete R. Purcell Llewellin aus Laverack-Hunden und weiteren Kreuzungen eine rein auf Arbeitsleistung und Schnelligkeit selektierte Linie ('Llewellin Setter'). Arbeitslinien für Field Trials sind oft etwas leichter, kompakter gebaut, tragen weniger opulentes Fell und besitzen einen extremen Vorwärtsdrang. Showlinien weisen meist üppigeres, bodenlanges Fell und schwerere Knochen auf. Für den Jagdeinsatz im DACH-Raum sind Welpen aus jagdlicher Leistungszucht (PuS/ÖPSV) maßgeblich.

Wie verhält sich der English Setter im häuslichen Umfeld und in der Familie?

Der English Setter gilt als eine der sanftmütigsten, friedfertigsten und kinderliebsten Hunderassen überhaupt. Er besitzt eine ausgesprochen hohe soziale Verträglichkeit, schlägt im Haus kaum an und sucht intensive Zuneigung. Er verlangt vollen Familienanschluss; Zwingerhaltung ist für sein sensibles Wesen absolut schädlich. Voraussetzung für seine ausgeglichene Ruhe im Haus ist jedoch eine tägliche, artgerechte Bewegung und Beschäftigung.

Welche Zuchtauflagen und Gesundheitsuntersuchungen gelten im deutschsprachigen Raum?

Im 'Verein für Pointer und Setter e.V.' (PuS/JGHV) müssen Zuchthunde auf Hüftgelenksdysplasie (HD-A oder HD-B) geröntgt sein. Wegen der rassetypischen Disposition zu angeborener ein- oder beidseitiger Taubheit ist bei weißen Hunden eine audiometrische Untersuchung (BAER-Hörtest) Standard. Zudem werden Gentests auf Neuronale Ceroid-Lipofuszinose (NCL / Speicherkrankheit) und Progressive Retinaatrophie (rcd4-PRA) sowie Zuchtprüfungen (FZP/HZP/Field Trials) gefordert.

Quellen und Evidenz

3 Einträge
  1. Fachverband / Körperschaft Abruf: 9.8.2026

    Vorstehhunde

    Kärntner Jägerschaft Primärdokument öffnen ↗
  2. Fachverband / Körperschaft Abruf: 11.9.2026

    FCI-Nomenklatur der Hunderassen

    Fédération Cynologique Internationale (FCI) Primärdokument öffnen ↗
  3. Fachverband / Körperschaft Abruf: 21.10.2026

    FCI-Standard Nr. 2: English Setter

    Fédération Cynologique Internationale (FCI) Primärdokument öffnen ↗

Geltung und Prüfstand

Gilt für
Österreich, Deutschland, Schweiz
Inhalt geprüft
Primärquellen
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