Herkunft und Zucht

Der English Pointer gilt kynologisch als Urvater aller modernen Vorstehhunderassen und ist der Namensgeber des Vorstehens an sich (von englisch 'to point' = anzeigen). Seine Wurzeln reichen bis ins 17. und frühe 18. Jahrhundert zurück: Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg (um 1713) brachten britische Offiziere schwere spanische Vorstehhunde (Perro de Punta Español) nach England. Um deren Schwerfälligkeit zu beheben und die für offene Heidelandschaften und Agrarsteppen erforderliche Geschwindigkeit und Ausdauer zu züchten, kreuzten passionierte britische Kynologen gezielt Foxhounds (für Ausdauer und Galoppiervermögen), Greyhounds (für explosive Schnelligkeit) und Bloodhounds (für feines Witterungsvermögen) ein. William Arkwright setzte mit seinem monumentalen Standardwerk 'The Pointer and His Predecessors' (1902) bleibende Maßstäbe für Rasse und Zuchtwahl. 1891 wurde der Pointer Club in Großbritannien gegründet. Die FCI führt den English Pointer unter Standard Nr. 1 (Gruppe 7, Sektion 2.1). Im deutschsprachigen Raum wird die Rasse seit 1902 durch den 'Verein für Pointer und Setter e.V.' (PuS im JGHV/VDH) sowie seit 1908 durch den 'Österreichischen Pointer- und Setterklub' (ÖPSV im ÖKV/ÖJGV) züchterisch betreut.

Leistungsprofil

Als Vorstehhund verbindet der English Pointer hohe Ausdauer mit feiner Witterung auf Federwild. Mit hoher Nase nimmt er Witterung direkt aus der Luft auf und verharrt bei Wildkontakt im festen Vorstehen. Ein angeborenes Rassemerkmal ist das Sekundieren bei Sicht auf vorstehende Artgenossen (FCI-Standard Nr. 1).

Gesundheit und Vorsorge

Der English Pointer ist ein athletischer, funktional gebauter Jagdhund. Zur Zuchtzulassung im Verein für Pointer und Setter e.V. (PuS) ist die tierärztliche Befundung von Röntgenaufnahmen auf Hüftgelenksdysplasie (HD-Freiheit HD-A oder maximal Übergangsform HD-B) zwingend vorgeschrieben. Als rassespezifische Vorsorgeuntersuchungen werden zudem Gentests auf Sensory Neuropathy (SN / Sensorische Neuropathie, eine seltene erbliche Nervenerkrankung mit Taubheitsgefühl in den Gliedmaßen) sowie Untersuchungen auf Progressive Retinaatrophie (PRA) und Schilddrüsenunterfunktion (Autoimmun-Thyreoiditis) empfohlen. Aufgrund des feinen, kurzen Fells ohne Unterwolle droht bei nasskaltem Wetter und frostigen Standzeiten rasche Unterkühlung; ein isolierender Hundemantel und eine trockene Liegeunterlage im Fahrzeug sind obligatorisch. Nach rasanten Suchen auf harten Stoppeläckern müssen Pfotenballen und Behang regelmäßig auf Schnittverletzungen kontrolliert werden.

Haltung und Auslastung

In der Haltung besticht der English Pointer durch einen faszinierenden Kontrast: Während er im Jagdeinsatz ein hochenergetischer, unermüdlicher Sucher ist, erweist er sich im Haus als ausgesprochen sanftmütiger, fast lautloser und unaufdringlicher Begleiter, der sich eng an seine Bezugspersonen schmiegt ('Gentleman im Pelz'). Er ist absolut kinderlieb, sozialverträglich mit Artgenossen und frei von jeder Schärfe oder Aggression. Eine isolierte Zwingerhaltung ist für sein sensibles Wesen völlig ungeeignet und führt zu seelischer Verkümmerung. In der Erziehung erfordert der Pointer viel Einfühlungsvermögen, Konsequenz und positive Verstärkung; übermäßige Härte oder Anschreien verunsichern ihn zutiefst. Seine gewaltige Lauffreude und sein ausgeprägter Finderwille verlangen täglichen intensiven Freilauf in weitem Gelände oder professionelle Dummy- und Schleppenarbeit; bei reiner Unterforderung leidet sein inneres Gleichgewicht.

Rassestandard

Gemäß dem offiziellen FCI-Standard Nr. 1 präsentiert sich der English Pointer als eleganter, sehniger Vorstehhund. Die Widerristhöhe beträgt bei Rüden 63 bis 69 cm und bei Hündinnen 61 bis 66 cm. Der Kopf ist trocken gemeißelt mit ausgeprägtem Stop und leicht konkavem Nasenrücken. Die Behänge sind mittellang und liegen dicht am Kopf an. Die Rute ist mittellang und verjüngt sich zur Spitze; in der Bewegung soll sie von einer Seite zur anderen peitschen. Das Haarkleid ist fein, kurz, hart und glänzend. Anerkannt sind Weiß mit Zitronengelb, Orange, Leberbraun oder Schwarz sowie einfarbige Schläge.

Wesen und Arbeitsweise

Das Wesen des English Pointer vereint aristokratische Vornehmheit mit explosivem Jagdtrieb und unverbrüchlicher Freundlichkeit. Bei der Suche agiert er fokussiert, rasend schnell, hochkonzentriert und mit sprichwörtlicher Ausdauer. Er besitzt eine ausgeprägte Arbeitsfreude und einen instinktiven Finderwillen auf Federwild, lässt sich bei geschulter Führerbindung jedoch auch auf weite Distanzen zuverlässig mit Triller- und Richtungspfiffen lenken. Im Zusammenleben mit Menschen zeigt er keinerlei Aggression oder Misstrauen, ist friedfertig, verspielt und überaus anschmiegsam. Seine sprichwörtliche Nervenstärke im Feld paart sich mit einer großen Sensibilität gegenüber der Stimmung seines Führers.

Prüfungen und Zuchtzulassung

Das Prüfungswesen für den English Pointer ist international geprägt und wird im DACH-Raum über den Verein für Pointer und Setter e.V. (PuS) in Übereinstimmung mit JGHV und VDH sowie über den ÖPSV geregelt. Junghunde starten im Frühjahr mit der Frühjahrszuchtprüfung (FZP) bzw. der Jugendsuche, bei der vor allem Weite und Planmäßigkeit der Quersuche, Schnelligkeit, Finderwille, Vorstehen, Führigkeit und Schussfestigkeit im Feld bewertet werden. Im Herbst folgt die Herbstzuchtprüfung (HZP) mit vertiefenden Fächern. Die Königsdisziplin der Pointerarbeit sind die internationalen Field Trials (Arbeitsprüfungen nach FCI-Reglement) in den Kategorien Einzelsuche (Quête de Chasse) und Großsuche (Grande Quête), bei denen die Hunde im Paar-Lauf auf Rebhuhn und Fasan gegeneinander antreten und neben Schnelligkeit und Vorstehen auch das instinktive Sekundieren beweisen müssen. Für den praktischen Jagdeinsatz im Revier können Pointer zudem die Brauchbarkeitsprüfung für das Feld ablegen.

Vor der Anschaffung

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Häufige Fragen zu English Pointer

Eignet sich der English Pointer für die klassische deutsche Wald- und Nachsuchejagd?

Der English Pointer ist nach FCI-Standard Nr. 1 ein Vorstehhund für die Suche und das feste Vorstehen auf Federwild. Sein Haarkleid ist fein, kurz und hart. In der jagdlichen Praxis liegt sein Schwerpunkt bei der Arbeit vor dem Schuss im offenen Gelände.

Was versteht man unter dem typischen 'Vorstehen' und 'Sekundieren' des Pointers?

Der Pointer erstarrt bei Witterung von Federwild blitzartig in voller Bewegung zu einer statuenhaften Skulptur – meist mit hohem Haupt, gerader Rute und angewinkeltem Vorderlauf ('Point'). Eine faszinierende züchterische Besonderheit der Rasse ist das instinktive 'Sekundieren' (Honorieren): Erblickt ein Pointer im Paar-Lauf einen anderen vorstehenden Hund, stoppt er augenblicklich und steht sekundierend vor, ohne das Wild herauszudrücken oder den Partner zu überlaufen.

Welche Zucht- und Leistungsprüfungen absolviert der Pointer im DACH-Raum?

Das Prüfungswesen umfasst Jugendsuchen, Frühjahrszuchtprüfungen (FZP), Herbstzuchtprüfungen (HZP), internationale Field Trials (Grande Quête und Quête de Chasse) sowie landesrechtliche Brauchbarkeitsprüfungen für das Feld.

Wie verhält sich der English Pointer im Haus und in der Familie?

Der Pointer besitzt eine bemerkenswerte doppelte Natur: Während er im Feld ein hochelastischer, energiegeladener Hochleistungsathlet ist, verhält er sich im Haus ausgesprochen ruhig, anschmiegsam, sanft und fast unauffällig ('Couch-Potato'). Er ist sehr kinderlieb, frei von Aggressionen und baut eine enge Bindung zu seiner Familie auf. Eine reine Zwingerhaltung ist für sein sensibles Wesen absolut ungeeignet.

Was muss bei der Haltung im Hinblick auf Witterung und Kälte beachtet werden?

Da der English Pointer über ein kurzes, glattes Fell ohne jegliche wärmende Unterwolle verfügt, ist er empfindlich gegen Nässe, Zugluft und Frost. Bei winterlichen Wartezeiten im Fahrzeug oder am Stand benötigt er zwingend eine gut isolierende Liegedecke oder einen wärmenden Hundemantel, um Muskelverspannungen und Unterkühlungen zu vermeiden.

Quellen und Evidenz

3 Einträge
  1. Fachverband / Körperschaft Abruf: 9.8.2026

    Vorstehhunde

    Kärntner Jägerschaft Primärdokument öffnen ↗
  2. Fachverband / Körperschaft Abruf: 11.9.2026

    FCI-Nomenklatur der Hunderassen

    Fédération Cynologique Internationale (FCI) Primärdokument öffnen ↗
  3. Fachverband / Körperschaft Abruf: 21.10.2026

    FCI-Standard Nr. 1: English Pointer

    Fédération Cynologique Internationale (FCI) Primärdokument öffnen ↗

Geltung und Prüfstand

Gilt für
Österreich, Deutschland, Schweiz
Inhalt geprüft
Primärquellen
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