Herkunft und Zucht
Die Deutsche Bracke (im Sauerland traditionsreich auch 'Olper Bracke' oder 'Westfälische Bracke' genannt) ist die einzige rein deutsche Laufhundrasse, die bis in die Gegenwart überlebt hat. Ursprünglich existierten im gesamten deutschen Raum zahlreiche bodenständige Schläge von Stöber- und Laufhunden, darunter die Hannoversche Haidbracke, die Holzbracke und die Steinbracke. Mit der Zersplitterung der Reviere nach 1848 drohten diese Schläge gänzlich zu erlöschen. 1896 schlossen sich passionierte Brackenjäger im sauerländischen Olpe zusammen und gründeten den 'Deutschen Bracken-Club e.V.' (DBC) – den ältesten Jagdhundezuchtverein Deutschlands. Aus der Verschmelzung der dreifarbigen Sauerländer Holzbracke mit den leichten Steinbracken formte der DBC einen harmonischen, einheitlichen Typ, der seit 1900 offiziell als 'Deutsche Bracke' geführt wird. Der DBC leitet bis heute als Mitglied im Jagdgebrauchshundverband (JGHV) und VDH das Zuchtbuch nach strengen forstlich-jagdlichen Kriterien. Die FCI führt die Rasse unter Standard Nr. 299 (Gruppe 6, Sektion 1.3, kleine Laufhunde mit Arbeitsprüfung).
Leistungsprofil
Als vielseitiger Jagdgebrauchshund des Mittelgebirges zeichnet sich die Deutsche Bracke durch unermüdliche Passion, ausgezeichnete Fährtenarbeit und melodischen Spurlaut aus. Auf der Hasen- und Fuchsjagd zeigt sie die hohe Kunst des Brackierens: Mit tiefer Nase und großem Finderwillen folgt sie der warmen Fährte anhaltend und laut, treibt das Wild ohne Hetze voran und bringt es im vertrauten Einstand zu den anstehenden Schützen zurück. Auf Bewegungsjagden im Bergwald erweist sie sich als führiger, selbstständiger Stöberhund, der Schwarzwild und Rotwild aus dichtesten Einständen und Brombeerhecken spurlaut herausdrückt. Am langen Schweißriemen arbeitet die Deutsche Bracke mit bemerkenswerter Fährtentreue, Ruhe und Konzentration auf allen Schalenwildarten. An wehrhaftem Schwarzwild zeigt sie Schneid und Klugheit, meidet leichtsinnige Attacken und bindet das Stück durch anhaltenden Standlaut. Viele Vertreter der Rasse beherrschen zudem das Totverbellen oder Totverweisen am verendeten Stück meisterhaft.
Gesundheit und Vorsorge
Dank der jahrzehntelangen, kompromisslos funktionalen Zuchtselektion des Deutschen Bracken-Clubs erfreut sich die Deutsche Bracke einer überaus robusten Konstitution, natürlicher Wetterhärte und einer hohen Lebenserwartung. Zuchtbedingte Erbkrankheiten oder Übertypisierungen treten nicht auf. Zur Zuchtzulassung im DBC ist die amtliche Begutachtung von Röntgenaufnahmen auf Hüftgelenksdysplasie (nur HD-Freiheit HD-A oder Übergangsform HD-B) verbindlich vorgeschrieben. Das dichte, harte Stockhaar mit dichter Unterwolle bietet hervorragenden Schutz gegen Kälte, Nässe und Dornen. Nach Jagdeinsätzen in deckungsreichen Beständen sollten die herabhängenden Behänge auf Fremdkörper, Kletten und Zecken sowie die Pfotenballen auf Risse kontrolliert werden.
Haltung und Auslastung
Die Deutsche Bracke ist ein hochpassionierter Vollblutjagdhund, der zwingend in Jägerhand gehört und entsprechende Einsatzmöglichkeiten im Jagdbetrieb benötigt. Eine Haltung als reiner Begleit- oder Familienhund ohne fordernde Fährten- und Stöberaufgaben widerspricht ihrem Wesen völlig und führt zu chronischer Unterforderung. Wird der Hund jedoch regelmäßig jagdlich geführt, zeigt er sich im Haus und familiären Alltag als überaus angenehmer, ruhiger, sanftmütiger und kinderlieber Gefährte. Die Bracke baut eine tiefe Bindung zu ihrem Führer auf und verlangt vollen Familienanschluss; eine isolierte Haltung im Zwinger schadet ihrer feinsinnigen Psyche. In der Ausbildung benötigt sie eine ruhige, konsequente Hand mit viel Verständnis für ihre angeborene Selbstständigkeit – ungeduldige Härte oder Drill quittiert sie mit sturer Verweigerung.
Rassestandard
Gemäß dem offiziellen FCI-Standard Nr. 299 (Stand: 24.06.1987) ist die Deutsche Bracke ein leichter, hochgestellter, eleganter, doch kräftig gebauter Jagdhund mit edlem, verhältnismäßig leichtem Kopf. Die Schulterhöhe beträgt bei Rüden und Hündinnen 40 bis 53 cm (eine geringe Überschreitung ist zulässig). Der Kopf ist trocken, feingemeißelt, mit leicht gewölbtem Scheitel und schwach ausgeprägtem Stop; der Fang ist gerade und kräftig mit vollzahnigem Scherengebiss. Die Augen sind dunkel, klar und blicken freundlich und aufmerksam. Die Behänge sind breit, rund 14 cm lang, flach anliegend und unten abgerundet. Das Haarkleid ist für einen kurzhaarigen Hund lang, sehr dicht, hart und fast stockig mit dichter Unterwolle; die Rute ist am Ansatz dick, dicht behaart und an der Unterseite mit dichter Bürste (ohne Fahne) versehen. Typisch sind die Farben Rot bis Gelb mit schwarzem Sattel oder Mantel und den klassischen weißen Brackenabzeichen (Brackenmarken): durchgehende Blesse, weißer Fang, geschlossener Halsring, weiße Brust, Läufe und Rutenspitze.
Wesen und Arbeitsweise
Das Wesen der Deutschen Bracke zeichnet sich durch Ausgeglichenheit, Nervenstärke, hohe Jagdpassion und ausgeprägte Führigkeit aus. Im Revier agiert sie mit feurigem Finderwillen, unbändigem Spurwillen, Spursicherheit und hellem, weithin tönendem Spurlaut. Sie ist unerschrocken, schneidig am wehrhaften Wild und meistert unwegsames Gelände mit natürlicher Zähigkeit. Im Umgang mit Menschen und Artgenossen ist sie absolut friedfertig, freundlich und frei von jeglicher Aggressivität. Gegenüber ihrem Führer beweist sie bedingungslose Treue, Zuverlässigkeit und eine feinsinnige Anhänglichkeit.
Prüfungen und Zuchtzulassung
Das Prüfungswesen für die Deutsche Bracke wird durch den Deutschen Bracken-Club e.V. (DBC) im Rahmen des Jagdgebrauchshundverbandes (JGHV) organisiert. Im Jugendalter absolviert der Hund die Anlagenprüfung (AP): Hier werden die Naturanlagen auf der Hasenspur (Spurwille, Fährtenhaltigkeit, Spurlaut), der Nasengebrauch, die Schussfestigkeit und die Führigkeit beurteilt. Als traditionsreiche Ausleseprüfung folgt die Verbandsbrackierprüfung (VBrP): Sie verlangt mindestens 30 bis 60 Minuten anhaltendes, lautes Verfolgen der Hasen- oder Fuchsfährte im weiträumigen Gelände und die sichere Rückkehr zum Führer. Für Schalenwildreviere stehen die Verbandsschweißprüfung (VSwP auf 1.000 m Wundfährte) sowie die Stöberprüfung zur Verfügung.
Vor der Anschaffung
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Häufige Fragen zu Deutsche Bracke (Olper Bracke / Westfälische Bracke)
Warum gilt die Deutsche Bracke als kulturhistorische Besonderheit?
Während in früheren Jahrhunderten zahlreiche regionale Brackenrassen (wie die Hannoversche Haidbracke oder die Holzbracke) existierten, gingen diese fast alle verloren. Im Sauerland schlossen sich 1896 engagierte Jäger zusammen und gründeten den Deutschen Bracken-Club e.V. (DBC) – den ältesten Jagdhundezuchtverein Deutschlands –, um den Typ der Westfälischen Bracke und Olper Steinbracke als 'Deutsche Bracke' reinzuzüchten und zu bewahren.
Wie funktioniert das traditionelle Brackieren auf den Feldhasen?
Beim traditionellen Brackieren sucht die Deutsche Bracke mit tiefer Nase eigenständig die Hasenfährte, sticht den Hasen und folgt der warmen Spur mit hellem, anhaltendem Spurlaut. Da die Bracke bedacht und nicht zu schnell jagt, flieht der Hase nicht in kopfloser Panik, sondern nutzt vertraute Pässe im Einstand und kreist im weiten Bogen zu seinem Ausgangspunkt zurück, wo der Jäger zum Schuss kommen kann. Diese Jagdart erfordert großflächige Wald- und Heckenreviere und meisterhaften Fährtenwillen des Hundes.
Welche Aufgaben übernimmt die Deutsche Bracke bei modernen Drückjagden?
Als Laufhund der FCI-Gruppe 6 wird die Deutsche Bracke zur lauten Spurarbeit eingesetzt. Sie durchkämmt Dickungen, bringt Schalenwild laut auf die Läufe und drückt es bedacht vor die Schützen, ohne es im Hetztempo zu jagen. An wehrhaftem Schwarzwild beweist sie gesunden Respekt und verlässlichen Standlaut.
Eignet sich die Deutsche Bracke als reiner Begleit- oder Familienhund?
Nein. Die Deutsche Bracke ist ein hochpassionierter Vollblutjagdhund mit starkem Fährten- und Spurwillen. Wird sie ohne jagdliche Betätigung gehalten, verkümmert ihre Arbeitspassion und es drohen gravierende Verhaltensprobleme wie unkontrollierbares Jagen bei Spaziergängen. In einer Jägerfamilie hingegen zeigt sie sich im Haus als außerordentlich sanftmütiger, ruhiger, freundlicher und kinderlieber Gefährte.
Welche Prüfungen sind im JGHV für Zuchtzulassung und Brauchbarkeit vorgeschrieben?
Der Deutsche Bracken-Club e.V. (DBC) verlangt im JGHV die Anlagenprüfung (AP) mit Lautnachweis auf der Hasenspur und Schussfestigkeit sowie die Verbandsbrackierprüfung (VBrP) oder eine anerkannte Gebrauchsprüfung mit Schweißarbeit. Für Nachsuchenführer steht die Verbandsschweißprüfung (VSwP) auf 1.000 m Wundfährte offen. Zwingend vorgeschrieben für die Zucht sind zudem ein amtliches HD-Röntgen (nur HD-A und HD-B zugelassen) sowie eine Formwertbeurteilung nach FCI-Standard Nr. 299.
Quellen und Evidenz
3 Einträge- Fachverband / Körperschaft Abruf: 9.8.2026
Laufhunde
- Fachverband / Körperschaft Abruf: 11.9.2026
FCI-Nomenklatur der Hunderassen
- Fachverband / Körperschaft Abruf: 13.9.2026
FCI-Standard Nr. 299: Deutsche Bracke
Geltung und Prüfstand
- Gilt für
- Österreich, Deutschland, Schweiz
- Inhalt geprüft
- Primärquellen
- 3 Fachquellen hinterlegt
