Herkunft und Zucht
Der Bloodhound, im französischsprachigen Raum als Chien de Saint-Hubert bekannt, ist eine der ehrwürdigsten und kynologisch bedeutendsten Hunderassen überhaupt: Er gilt als Stammvater aller modernen Schweißhunde (wie des Hannoverschen und Bayerischen Gebirgsschweißhundes) und formte zahlreiche europäische Meutehunde.
Seine Geschichte reicht bis ins 7. Jahrhundert zurück: In den Ardennen züchteten die Mönche der Abtei Saint-Hubert diese Hunde aus den Jagdhunden des Mönchs Hubert. Bis zur Französischen Revolution war die Abtei verpflichtet, dem französischen Königshaus jährlich sechs dieser Edelhunde als Tribut für die königliche Hirschjagdmeute zu liefern.
Im 11. Jahrhundert brachten die Normannen unter Wilhelm dem Eroberer die Hunde nach England. Dort erhielt die Rasse den Namen „Bloodhound“ – eine Reverenz an den Begriff „blooded hound“ (Hund von reinstem Geblüt und adeligem Stammbaum). In England und später in den USA wurde er zum legendären Finder auf kalten Fährten weiterentwickelt. Im DACH-Raum wird die Reinzucht heute über den Sankt Hubertus Bloodhound Club Deutschland e.V. (SHBCD, Mitglied im VDH und JGHV) sowie den Österreichischen Bloodhound Klub (ÖBHK) betreut.
Rassestandard
Der offizielle FCI-Standard Nr. 84 definiert den Chien de Saint-Hubert als monumentalen, schweren, edlen Lauf- und Spürhund von kraftvoller Linie und mächtigem Knochenbau. Rüden erreichen eine Schulterhöhe von ideal 68 cm (Toleranz: 64 bis 72 cm) bei 46 bis 54 kg Gewicht, Hündinnen ideal 62 cm (Toleranz: 58 bis 66 cm) bei 40 bis 48 kg.
Das markanteste Rassemerkmal ist der Kopf: Er ist langgestreckt, schmal, aber sehr tief mit stark hervortretendem Hinterhauptstachel (Crista occipitalis). Stirn und Wangen sind von dünner, reichlicher Haut bedeckt, die in tiefe, lose Falten herabhängt. Die Augen sind dunkelbraun bis haselnussbraun mit sanftem, melancholischem Ausdruck; die Behänge (Ohren) sind extrem lang, samtig, unterhalb der Augenlinie angesetzt und reichen mindestens bis über die Nasenspitze.
Der Rumpf ist massiv und tief mit geradem Rücken und breiter Lende. Die Halsunterseite weist eine stark entwickelte, doppelte Wamme auf. Die Rute ist lang, kräftig und wird elegant in sanftem Bogen über der Rückenlinie getragen. Das Haarkleid ist kurz, dicht, wetterfest und glatt anliegend. Zugelassene Farben sind zweifarbig Schwarz und Loh (Black and Tan), zweifarbig Leberbraun und Loh (Liver and Tan) sowie einfarbig Rot (Red).
Leistungsprofil
Das Leistungsvermögen des Bloodhounds gründet auf der extremsten Geruchsleistung des gesamten Tierreichs:
- Schweißarbeit auf Schalenwild: Auf der Schweißfährte ist der Bloodhound unübertroffen, wenn es um sogenannte „kalte“ Wundfährten geht, die 24 bis 48 Stunden oder noch älter sind. Er arbeitet am 10- bis 15-Meter-Riemen bedächtig, stoisch und fährtenfest im Schritttempo. Weder schwieriges Gelände noch Verleitungen bringen ihn aus der Ruhe.
- Verhalten am Stück: Der Bloodhound besitzt keine Raubwild- oder Hetzschärfe. Am verendeten Stück verharrt er vollkommen ruhig und gelassen ohne den Drang, das Wild anzuschneiden oder sich zu verbeißen.
- Mantrailing und Personenspürarbeit: Im Bereich der Vermisstensuche und des Rettungswesens gilt der Bloodhound als unangefochtener Goldstandard. Seine Fähigkeit, einer individuellen menschlichen Geruchsspur über Asphalt, Wasser und schwieriges Terrain zu folgen, wird vor US-Gerichten als juristisches Beweismittel anerkannt.
- Geländegängigkeit: Trotz seines hohen Gewichts verfügt er über enorme Ausdauer und bewegt sich dank elastischem, raumgreifendem Trab mühelos über weite Distanzen.
Wesen und Arbeitsweise
Das Wesen des Bloodhounds ist gekennzeichnet durch beispiellose Sanftmut, innere Ruhe, Gelassenheit und absolute Friedfertigkeit. Er kennt weder Aggression noch Schärfe gegen Mensch oder Tier und gilt als einer der gutmütigsten Großhunde der Welt.
Im familiären Zusammenleben ist er anhänglich, verschmust und außerordentlich geduldig mit Kindern. Auf der Fährte offenbart er jedoch eine stoische Entschlossenheit und einen ausgeprägten Eigensinn: Ist er einmal auf der Spur, blendet er die Umwelt komplett aus und widmet sich mit unnachgiebiger Passion seiner Aufgabe.
In der Erziehung verlangt er viel Geduld, Liebe und absolute Konsequenz. Auf Härte oder Anschreien reagiert er mit tiefer Kränkung und sturer Verweigerung; er kooperiert nur bei respektvoller, freundlicher und motivierender Führung.
Gesundheit und Vorsorge
Als Riesenrasse mit tiefem Brustkorb und viel loser Haut verlangt der Bloodhound eine sachkundige Haltung und gesundheitliche Überwachung.
Gesundheitliche Risiken und Zuchtvorschriften im SHBCD (JGHV/VDH):
- Magendrehung (Torsio ventriculi): Größte Lebensgefahr für die Rasse. Das Futter muss zwingend auf 2 bis 3 Portionen täglich aufgeteilt werden; nach der Nahrungsaufnahme gilt strikte zweistündige Ruhepflicht (kein Toben oder Arbeiten).
- HD- und ED-Röntgen: Vor der Zuchtzulassung Pflicht zur Vermeidung von Dysplasien des Bewegungsapparats.
- Augengesundheit: Überwachung auf Entropium (Roll-Lid) und Ektropium (Hängelid). Die Zuchtordnung verbietet übertriebene Faltenbildung.
- Ohren- und Faltenhygiene: Wegen der mangelnden Luftzirkulation unter den langen Behängen müssen die Ohren täglich kontrolliert und gesäubert werden, um chronische Otitis zu verhindern. Hautfalten müssen trocken gehalten werden.
Haltung und Auslastung
Der Bloodhound gehört in die Hände von Jägern, Rettungshundeführern oder sehr engagierten Fährtenarbeitern, die ihm regelmäßige Nasenarbeit bieten können. Ein Bloodhound, der seine Nase nicht einsetzen darf, verkümmert geistig und entwickelt Unarten.
Im Haus ist er ein gemütlicher, ruhiger Riese, verlangt jedoch draußen ausgedehnte Spaziergänge und anspruchsvolle Fährten. Ein Haus mit großem, sicher eingezäuntem Garten in ländlicher Umgebung ist zwingend erforderlich (wenn er eine interessante Fährte aufnimmt, folgt er ihr unbeirrt).
Reine Zwingerhaltung ist für diesen hochsensiblen, menschenbezogenen Familienhund strikt abzulehnen; er braucht den engen Anschluss an seine Menschen. Zukünftige Halter sollten zudem auf vermehrten Speichelfluss (Sabbern) vorbereitet sein.
Prüfungen und Zuchtzulassung
Das Prüfungswesen für den Bloodhound im DACH-Raum wird über den Sankt Hubertus Bloodhound Club Deutschland e.V. (im JGHV/VDH), den Österreichischen Bloodhound Klub (ÖBHK) sowie die Landesjagdverbände koordiniert.
Prüfungslaufbahn in der Praxis:
- Jagdliche Brauchbarkeitsprüfung (BP): Brauchbarkeitsnachweis für die Schalenwild-Nachsuche auf künstlicher Schweißfährte (400 m und 1.000 m Übernachtfährte).
- Verbandsschweißprüfung (VSwP auf 20/40 Stunden) und Verbandsfährtenschuhprüfung (VFSP des JGHV): Höchste Leistungsprüfung für Nachsuchehunde am Riemen.
- Fährten- und Schweißprüfungen des SHBCD: Rassespezifische Leistungsnachweise auf kalten Kunst- und Wundfährten.
- Mantrailing-Prüfungen (MT I bis III): Einsatzüberprüfungen für Personenspürhunde nach internationalen Standards.
Zur Zuchtzulassung im SHBCD sind der Formwert (Ausschluss extremer Faltenbildung), lückenlose HD- und ED-Freiheitszertifikate sowie anerkannte Schweiß- oder Fährtenleistungsnachweise vorgeschrieben.
Vor der Anschaffung
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Häufige Fragen zu Bloodhound (Chien de Saint-Hubert)
Warum besitzt der Bloodhound die leistungsfähigste Nase der Hundewelt?
Der Bloodhound verfügt über rund 300 Millionen Riechzellen (der Mensch besitzt ca. 5 Millionen) und ein Riechepithel von rund 150 Quadratzentimetern. Zudem unterstützen seine Gesichtsfalten und die extrem langen, bodennahen Ohren die Riechleistung: Beim Senken des Kopfes wirbeln die Ohren Duftpartikel vom Boden auf, während die lockere Haut wie ein Trichter wirkt und die Partikel direkt zum Nasenspiegel leitet.
Warum heißt der Hund „Bloodhound“, wenn er völlig friedfertig ist?
Der Name leitet sich nicht von Aggressivität oder Schärfe an Beutetieren ab, sondern stammt vom altenglischen Begriff „blooded hound“ – was einen Hund von reinstem Adel, edelstem Geblüt und reiner Stammbaumnachzucht bezeichnet. Der Bloodhound ist im Gegenteil einer der sanftmütigsten und friedfertigsten Hunde überhaupt und zeigt weder Wild- noch Mannschärfe.
Eignet sich der Bloodhound für die jagdliche Nachsuche auf Schalenwild?
Ja, insbesondere auf extrem schwierigen, sogenannten „kalten“ Fährten, die 24 bis 48 Stunden oder noch älter sind. Während viele Schweißhunde auf jüngeren Fährten schneller sind, arbeitet der Bloodhound stoisch, ruhig und unbeirrbar im Schritttempo am 10- bis 15-Meter-Riemen. Am verendeten Stück verharrt er ruhig, weshalb er ideal für Jäger ist, die eine reine Nachsuche ohne Hetze oder Verbeißen wünschen.
Welche Funktion haben die tiefen Stirnfalten und langen Behänge?
Sie sind hochentwickelte Arbeitswerkzeuge der Fährtenarbeit: Wenn der Bloodhound seine Nase auf die Fährte senkt, fallen die Hautfalten nach vorne und begrenzen sein peripheres Sehfeld, sodass er optisch kaum abgelenkt wird und sich vollkommen auf den Geruchssinn konzentriert. Gleichzeitig fegen die bodenlangen Ohren über den Untergrund und leiten die Geruchsspur zur Nase.
Welche gesundheitlichen Risiken verlangen beim Bloodhound besondere Vorsicht?
Aufgrund seines tiefen Brustkorbs besteht ein extrem hohes Risiko für Magendrehungen (Torsio ventriculi); nach der Fütterung ist strikte Ruhe einzuhalten, Futter sollte auf mehrere Portionen verteilt werden. Zudem erfordern die langen Ohren tägliche Reinigung zur Vorbeugung chronischer Gehörgangsentzündungen, und die Augen müssen auf Roll-Lider (Entropium) oder Hängelider (Ektropium) überwacht werden.
Quellen und Evidenz
3 Einträge- Fachverband / Körperschaft Abruf: 9.8.2026
Laufhunde
- Fachverband / Körperschaft Abruf: 11.9.2026
FCI-Nomenklatur der Hunderassen
- Fachverband / Körperschaft Abruf: 13.9.2026
FCI-Standard Nr. 84: Bloodhound
Geltung und Prüfstand
- Gilt für
- Österreich, Deutschland, Schweiz
- Inhalt geprüft
- Primärquellen
- 3 Fachquellen hinterlegt
