Greifen Wölfe verstärkt auf Weidetiere, wenn große, unbewachte Rinder- und Pferdeherden frei verfügbar sind?
Die Studie in Kürze
Rund 4.000 frei weidende Rinder und 700 Pferde in Westpolen - und dennoch machten Rinder nur 3 % der Wolfsnahrung aus.
- Methodik & Datenbasis
- Untersuchung der Wolfsnahrung von 2020 bis 2022 in der Region Warthemündung (Westpolen), wo etwa 4.000 Rinder und 700 Pferde frei weiden. Über genetische Fingerprints anhand von Mikrosatelliten-Markern, Spurenkartierung und Fotofallen wurden zwei Wolfsfamilien im Gebiet bestätigt; die Nahrung wurde an 109 Losungen bestimmt.
- Befunde
- Die Wölfe lebten überwiegend von wildlebenden Paarhufern (81,9 % der aufgenommenen Nahrungsbiomasse) und wildlebenden mittelgroßen Säugetieren (14,5 %). Haustiere wurden selten gefressen: Rinder machten 3 %, Hunde 0,4 % der Nahrungsbiomasse aus. In den zwei Untersuchungsjahren wurden nur drei von Wölfen gefressene Rinderkälber gefunden. Die Nahrungszusammensetzung unterschied sich nicht signifikant von der in sechs anderen Untersuchungsgebieten der mitteleuropäischen Wolfspopulation.
- Einordnung für die Praxis
- Ein starkes Gegenargument zur Annahme, Wölfe nähmen einfach das leichteste Ziel: Trotz unbewachter Herden in großer Zahl blieb Wild die Hauptnahrung. Die Autoren folgern, dass Übergriffe keine einfache Funktion der Verfügbarkeit sind, sondern von Art und Rasse der Weidetiere, der Weideführung, der Landschaft und dem Angebot an Wildbeute abhängen. Für Herdenschutzkonzepte heißt das: Diese Faktoren sind die Ansatzpunkte, nicht die Bestandszahl der Wölfe.
- Grenzen der Studie
- Ein Gebiet, zwei Jahre, 109 Losungen und zwei Wolfsfamilien. Losungsanalysen erfassen Gefressenes, nicht Getötetes - Aasnutzung an gefallenem Vieh ist darin enthalten. Verluste ohne Nahrungsaufnahme werden nicht abgebildet.
Zusammenfassung von JAGDNAVIGATOR, kein Originaltext der Autorinnen und Autoren.
Grundlage ist
der Volltext der Arbeit.