Was die zugrunde liegenden Studien zeigen
Das Random-Encounter-Modell schätzt Wilddichten aus Fotofallenbildern, ohne dass einzelne Tiere erkannt werden müssen. Eine Arbeit zeigt, dass es auch in Revieren unter 10 km² brauchbare Werte liefert, wenn Parameter wie Tagesstrecke und Aktivität im Revier selbst erhoben und nicht aus der Literatur übernommen werden.
An 15 Querungshilfen der A4 in Westpolen wurde mit Kameras gezählt, wer die Bauwerke nutzt: zur Hälfte Wildtiere, darunter vor allem Schalenwild, zu gut einem Drittel Menschen. Grünbrücken wurden deutlich besser angenommen als Unterführungen.
Für ganz Europa wurde der Schwarzwildbestand vor Ankunft der Afrikanischen Schweinepest aus zwei unabhängigen Datenquellen geschätzt, Sichtbeobachtungen und Jagdstrecken. Beide führen auf 13,5 bis 19,6 Millionen Stück vor der Jagdsaison. In der Sahara lieferten Fotofallen belastbare Daten zur Sandkatze, während die Suche nach Kotproben und das Lesen von Trittsiegeln an Wind und Untergrund scheiterten.
Wildtierdichte aus Fotofallen auf kleiner Fläche (Wohlfahrt et al., 2025): Untersucht wurde die Genauigkeit des Modells in kleinen Gebieten, wobei Größe, Form und Gruppierungsverhalten der Arten berücksichtigt wurden. Ausgewertet wurden Fotofallendaten aus 19 alpinen und kontinentalen Gebieten in Österreich, die 28 Huftierpopulationen von Reh, Rothirsch, Gämse und Wildschwein umfassen. Der mittlere Variationskoeffizient lag bei 0,45 und war mit Studien auf größeren Flächen vergleichbar. Bei gleichmäßig verteilten Arten wie dem Reh deutet sich eine höhere Genauigkeit an als bei gehäuft auftretenden Arten wie dem Rothirsch. Ein vereinfachtes Verfahren mit gemittelten REM-Parametern liefert nach der Studie keine ausreichend vergleichbaren Ergebnisse. Für Wildtiermanagement auf kleinen Flächen kann das Modell ohne Einschränkungen zu Größe und Form der untersuchten Flächen eingesetzt werden.
Querungsbauwerke an der A4 in Westpolen (Mysłajek et al., 2020): Untersucht wurden Querungsbauwerke entlang der A4 im Niederschlesischen Wald in Westpolen. Erfasst wurden Trittsiegel von Säugetieren im Sand sowie Tiere auf Kamerafallen, um Artenvielfalt, Anzahl und Aktivitätsmuster an den Bauwerken zu bestimmen. Die Aktivitätsmuster unterschieden sich signifikant: Fast alle Wildarten waren nachtaktiv, Menschen und Hunde dagegen nicht. Nach den Ergebnissen behindert die Anwesenheit von Wölfen die Bewegung anderer Wildarten nicht. Unter großen Brückenbauwerken wurden mehr Wildarten und mehr Querungen erfasst als unter kleineren Unterführungen. Die Autoren empfehlen als Mindeststandard, Querungsbauwerke nach dem Bau in allen Jahreszeiten mindestens drei Jahre lang zu beobachten.
Schwarzwildbestand in Europa aus Sichtungen und Jagdstrecken (Smith et al., 2026): Beide Datenreihen wurden mit Umweltmerkmalen verknüpft: Die Sichtbeobachtungen wurden mit einem Maxent-Ansatz, die Jagdstrecken mit einem GLMM ausgewertet. Die Modellergebnisse wurden mit vergleichbaren Dichteschätzungen von Standorten in ganz Europa verbunden, um Dichte und Gesamtbestand je Land zu berechnen. Die Schätzungen aus Sichtbeobachtungen und aus Jagdstrecken sind insgesamt sehr ähnlich, schwanken zwischen den Ländern aber stark. Die Ergebnisse müssen möglicherweise angepasst werden, wo lokale Faktoren den Bestand beeinflussen, etwa in Gebieten, in denen sich die Art ausbreitet. Nach den Autoren können die Ergebnisse zur Einschätzung des Risikos der Seuchenausbreitung und der Wirkung von Management genutzt werden. Die Autoren schlagen vor, dass Dichteschätzungen des European Observatory of Wildlife auch für andere Arten belastbare Bestandsschätzungen ermöglichen, da die Methode zwischen Arten und Lebensräumen einheitlich ist.
Sandkatze in der Sahara: Fotofallen und Spurensuche (Gil-Sánchez et al., 2023): Verglichen wurden zwei nicht-invasive Verfahren, die Spurensuche und Fotofallen, die bei schwer fassbaren Säugetieren verbreitet sind. Grundlage waren Feldarbeiten in der Atlantischen Sahara, in denen beide Verfahren für diese Art geprüft wurden. Die Arbeit legt erstmals Angaben zu Lebensraumwahl, Dichte, tageszeitlicher Aktivität und Räuber-Beute-Beziehungen der Sandkatze in der Sahara vor. Bei den Trittsiegeln waren Bestimmungsprobleme sowie fehlende geeignete Untergründe und viel Wind erhebliche Hindernisse.