Herkunft und Zucht

Der Spinone Italiano blickt auf eine jahrhundertealte Tradition zurück und zählt zu den urtümlichsten Vorstehhunden des Mittelmeerraumes. Bereits antike Autoren wie Arrian und Seneca beschrieben rauhaarige, unerschrockene Jagdhunde aus Gallien und Italien, die Wild im unwegsamen Dickicht aufspürten. Im 15. Jahrhundert verewigte der Renaissancemaler Andrea Mantegna den Spinone in den weltberühmten Fresken der Camera degli Sposi im Palazzo Ducale zu Mantua – ein deutlicher Beleg für die Wertschätzung der Rasse beim italienischen Hochadel.

Sein Ursprung liegt in den einst feuchten, sumpf- und waldreichen Gebieten der Po-Ebene, des Piemonts und der Lombardei. Aus Kreuzungen des bodenständigen Bracco Spinoso mit alpenländischen Vorstehhunden und italienischen Griffons entstand ein extrem wetterfester, dornenfester Allrounder. Von italienischen Jägern wurde er wegen seines tiefgründigen, fast menschlichen Augenaufschlags liebevoll „il cane filosofo“ (der philosophische Hund) genannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet der Spinone durch veränderte Jagdgewohnheiten an den Rand des Aussterbens; engagierte Züchter um Dr. Paolo Brianzi und die Gründung des Club Italiano Spinoni (CISP) im Jahr 1949 retteten die Rasse. Im DACH-Raum wird er vom Verein für Französische Vorstehhunde e.V. (VfvV im JGHV/VDH) und dem Österreichischen Kynologenverband (ÖKV) betreut.

Rassestandard

Der offizielle FCI-Standard Nr. 165 beschreibt den Spinone Italiano als robusten, kräftigen und harmonisch gebauten Vorstehhund vom kontinentalen Griffon-Typ mit kräftigem Knochenbau und stark entwickelter Muskulatur. Die Widerristhöhe beträgt bei Rüden 60 bis 70 cm (Gewicht 32 bis 37 kg), bei Hündinnen 58 bis 65 cm (Gewicht 28 bis 30 kg). Der Rumpf ist kompakt gebaut, nahezu quadratisch, mit tiefer, geräumiger Brust, die bis zu den Ellenbogen hinabreicht.

Ein einzigartiges anatomisches Rassemerkmal ist die Divergenz der Schädellinien: Die Längsachsen des Schädeldaches und des Nasenrückens laufen nach vorne hin auseinander (divergierend). Der Stop ist kaum ausgeprägt, der Nasenschwamm groß und fleischfarben oder braun. Große, runde, ockerfarbene Augen verleihen dem Hund seinen sprichwörtlichen sanften Ausdruck. Charakteristisch sind der ausgeprägte Kinnbart („barba“) und die buschigen Augenbrauen („sopracciglia“). Das Fell ist 4 bis 6 cm lang, rau, harsch, drahtig und eng am Körper anliegend; Unterwolle fehlt völlig. Zulässige Farben sind rein Weiß, Weiß mit orangen Platten oder Sprenkeln (Bianco Arancio), Weiß mit braunen Platten (Bianco Marrone) sowie braunschimmeliges Weiß (Roano Marrone). Schwarz, Trikolor oder Lohabzeichen sind strikt disqualifizierend.

Leistungsprofil

Das unverkennbare Markenzeichen des Spinone Italiano bei der Feldarbeit ist sein raumgreifender, ausdauernder Arbeitstrab („Trottone“). Im Unterschied zu mitteleuropäischen oder britischen Vorstehhunden, die das Gelände im weiten Galopp durchmessen, sucht der Spinone mit hoher Nase im stetigen, unermüdlichen Trab. Dadurch überläuft er kein Wild, sondern nimmt selbst feinste Windwitterung („vento“) auf und zieht mit monumentaler Ruhe und Festigkeit ins Vorstehen („ferma statuaria“).

Im Wasser und Schilf zeigt der Spinone herausragende Passion: Er scheut weder eisige Wassertemperaturen noch tiefe Moorgründe und stöbert Deckung konsequent aus. Seine dicke, zähe Haut und das 4 bis 6 cm dichte Drahtfell machen ihn immun gegen scharfe Dornen und Schilfhalme. Er ist von Natur aus mit einem weichen Maul („bocca dolce“) ausgestattet, das erlegtes Wild schonend und ohne Knautschen zuträgt. Auf der Schweißfährte zeichnet er sich durch Gelassenheit und Spurtreue am langen Riemen aus. Seine Arbeit ist teamorientiert: Er hält ständig Blickkontakt zum Führer („cane da cacciatore“) und überjagt niemals.

Wesen und Arbeitsweise

Das Wesen des Spinone Italiano ist geprägt von Sanftmut, Geduld, hoher Intelligenz und unerschütterlicher Führigkeit. Er besitzt ein zutiefst loyales und anhängliches Naturell, bindet sich eng an seine Familie und gilt als außergewöhnlich kinderlieb und sozialverträglich mit Artgenossen. Im Haus verhält er sich ruhig, unaufdringlich und ausgeglichen, während er im Revier hohe Konzentration, Härte gegen Umwelteinflüsse und ausdauernde Jagdlust beweist.

In der Erziehung verlangt der Spinone Feingefühl, Geduld und positive Bestätigung. Auf harte Strafen, Gebrüll oder Zwangsdressur reagiert er mit Verunsicherung und sturer Verweigerung. Mit freundlicher, ruhiger und konsequenter Führung lernt er schnell und arbeitet mit sichtlicher Freude mit seinem Führer zusammen.

Gesundheit und Vorsorge

Der Spinone Italiano ist ein robuster und langlebiger Hund. Rassespezifisch sind folgende Vorsorgemaßnahmen essenziell:

  1. Zerebelläre Ataxie (Cerebellar Ataxia / CA): Eine rassespezifische, erbliche Degeneration des Kleinhirns, die im Junghundealter zu schweren Koordinationsstörungen führt. Durch einen validierten DNA-Gentest ist die Erkrankung heute vollständig vermeidbar: Verpaarungen zweier Anlagenträger (Carrier) sind in den Zuchtverbänden verboten.
  2. Hüftgelenks- und Ellenbogendysplasie (HD/ED): Röntgenologische Untersuchung aller Zuchthunde zur Vermeidung von Gelenkdysplasien.
  3. Magendrehung (Torsio ventriculi): Durch den tiefen Brustkorb besteht ein anatomisches Risiko; Mahlzeiten auf mindestens zwei Portionen täglich aufteilen und mindestens zwei Stunden Ruhe nach dem Fressen einhalten.
  4. Bart- und Ohrenhygiene: Der feuchte Bart neigt nach Wasser- und Schlammarbeit zum Verkleben; regelmäßiges Auskämmen beugt Dermatitis vor. Die schweren, anliegenden Behänge erfordern regelmäßige Reinigung, um feuchtwarmen Gehörgangsentzündungen (Otitis externa) vorzubeugen.
  5. Augen: Regelmäßige tierärztliche Kontrolle auf Ektropium (Hängelid) oder Entropium (Roll-Lid).

Haltung und Auslastung

Der Spinone Italiano ist ein Jagdgebrauchshund für Reviere mit Niederwild, Wasserflächen und dornigem Unterholz. Wird er nicht rein jagdlich geführt, benötigt er anspruchsvolle Ersatzaufgaben wie Dummyarbeit am Wasser, Mantrailing, Schleppenarbeit oder Fährtenkurse. Reine Spaziergänge an der Leine genügen seinem Bedürfnis nach Nasenarbeit nicht.

Im Haus ist er ein angenehmer, sauberer und ruhiger Gefährte. Er benötigt uneingeschränkten Familienanschluss und sollte keinesfalls in isolierter Zwingerhaltung gehalten werden. Zukünftige Halter sollten wissen, dass sein nasser Bart nach dem Trinken oder Fressen etwas Wasser und Futterpartikel im Wohnbereich verteilen kann („Gentleman mit Bart“).

Prüfungen und Zuchtzulassung

Das jagdliche Prüfungswesen für den Italienischen Spinone wird in Deutschland und Österreich über den JGHV bzw. ÖKV und die Landesjagdverbände abgewickelt:

  1. Verbandsjugendprüfung (VJP): Frühjahrsprüfung für Junghunde zur Feststellung der natürlichen Anlagen (Spurarbeit, Vorstehen, Nasengebrauch, Führigkeit, Schussfestigkeit).
  2. Herbstzuchtprüfung (HZP): Zuchtprüfung im Herbst mit Nachweis der Feldsuche, des Gehorsams, des Vorstehens und der anspruchsvollen Wasserarbeit mit Stöbern im deckungsreichen Gewässer (§ 14 VZPO).
  3. Verbandsgebrauchsprüfung (VGP / „Meisterprüfung“): Höchste Prüfung des JGHV als zweitägige Vollgebrauchsprüfung in allen vier Fächern (Schweißarbeit auf 400 m Schalenwildfährte, Wald-, Feld- und Wasserfächer).
  4. Jagdliche Brauchbarkeitsprüfung (BP): Brauchbarkeitsnachweis für Feldsuche, Verlorenbringen von Niederwild, Wasserarbeit und Schalenwild-Nachsuche.
  5. Italienische Arbeitsprüfungen (CISP / ENCI): Spezialprüfungen im Ursprungsland wie Prove di Caccia su Beccacce (Waldschnepfenjagd), Prove Classiche su Quaglie/Starne und Prove in Palude (Sumpf- und Wasserarbeit).

Vor der Anschaffung

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Häufige Fragen zu Italienischer Spinone (Spinone Italiano)

Warum sucht der Spinone Italiano im Trab und nicht im Galopp?

Der raumgreifende, diagonale Arbeitstrab („Trottone“) ist das genetisch fixierte Rassekennzeichen des Spinone. In unwegsamem Gelände, Sümpfen und dichtem Schilf ermöglicht dieser gleichmäßige Trab ein stundenlanges, kräftesparendes Suchen, bei dem der Hund mit hoher Nase den Wind aufnimmt und kein Gelände überläuft.

Ist der Spinone Italiano für die Wasserjagd auf Enten geeignet?

Hervorragend. Der Spinone liebt das Wasser und scheut weder Kälte noch tiefen Schlamm. Seine dichte, drahtige Behaarung und seine feste Haut schützen ihn vor scharfkantigem Schilf. Mit seinem weichen Maul bringt er geschossene Enten zuverlässig und unversehrt aus tiefstem Wasser.

Was bedeutet der Erbgang der Zerebellären Ataxie (CA) bei dieser Rasse?

Die Zerebelläre Ataxie ist eine vererbbare neurodegenerative Erkrankung des Kleinhirns. Sie wird autosomal-rezessiv vererbt, was bedeutet, dass ein Welpe nur dann erkrankt, wenn beide Elterntiere Träger des mutierten Gens sind. Durch obligatorische DNA-Gentests vor der Zuchtzulassung im VDH/JGHV und ENCI wird das Risiko vollständig ausgeschaltet, da Träger nur mit reinerbigen, freien Partnern verpaart werden dürfen.

Kann der Spinone Italiano auch auf Schweiß und Drückjagden geführt werden?

Ja. Auf der Schweißfährte arbeitet er ruhig, hochkonzentriert und spurtreu am Riemen. Für Drückjagden im dichten Unterholz schützt ihn sein harsches Drahtfell vor Dornen; er stöbert Wild besonnen an und bedrängt es nicht selbstmörderisch.

Ist der Spinone als Familienhund geeignet?

Ja, der Spinone gilt als einer der kinderliebsten, geduldigsten und anhänglichsten Jagdhunde überhaupt. Er benötigt jedoch regelmäßige mentale und körperliche Auslastung (z.B. Apportiertraining am Wasser, Fährtenarbeit) und vollen Familienanschluss. Für eine Zwingerhaltung ist er völlig ungeeignet.

Quellen und Evidenz

2 Einträge
  1. Fachverband / Körperschaft Abruf: 13.9.2026

    FCI-Standard Nr. 165: Italienischer Spinone

    Fédération Cynologique Internationale (FCI) Primärdokument öffnen ↗
  2. Fachverband / Körperschaft Abruf: 9.8.2026

    Vorstehhunde

    Kärntner Jägerschaft Primärdokument öffnen ↗

Geltung und Prüfstand

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