Herkunft und Zucht

Der Gordon Setter ist der einzige Vorstehhund schottischen Ursprungs und blickt auf eine traditionsreiche Geschichte zurück. Bereits im 17. und 18. Jahrhundert wurden im schottischen Hochland kräftige, schwarz-rote Vorstehhunde ('Black and Tan Setting Dogs') gehalten, die sich durch große Widerstandskraft gegen raue Atlantikwinde, nasskaltes Wetter und sumpfige Hochmoore auszeichneten. Die planmäßige Zucht verdankt die Rasse Alexander, dem 4. Herzog von Gordon (Duke of Gordon, 1743–1827), der ab Ende des 18. Jahrhunderts auf Gordon Castle in Banffshire eine erlesene Zuchtlinie aufbaute. Durch gezielte Selektion und Veredelung schuf er einen ausdauernden, kräftig gebauten Feldhund für die Bejagung von Moorschneehühnern (Red Grouse) und Waldschnepfen. 1873 erkannte der britische Kennel Club die Rasse an; 1924 erhielt sie zu Ehren ihres Begründers offiziell den Namen 'Gordon Setter'. Die FCI führt die Rasse unter Standard Nr. 6 (Gruppe 7, Sektion 2.2). Im deutschsprachigen Raum wird der Gordon Setter seit 1902 durch den 'Verein für Pointer und Setter e.V.' (PuS im JGHV/VDH) sowie seit 1908 durch den 'Österreichischen Pointer- und Setterklub' (ÖPSV) betreut.

Leistungsprofil

Im jagdlichen Leistungsprofil unterscheidet sich der Gordon Setter markant von seinen englischen und irischen Vettern: Sein Körperbau ist substanzvoller, kräftiger und knochenstärker, weshalb der FCI-Standard seine Konstitution treffend mit der eines leistungsfähigen Jagdpferdes ('Hunter') vergleicht. Bei der Feldsuche agiert er nicht extrem weit und rasant, sondern konzentriert, planmäßig und außergewöhnlich gründlich. Mit hoher Nase fängt er Witterung quer zum Wind auf und steht bei Festmachen von Federwild (Fasan, Rebhuhn, Schnepfe, Raufußhühner) bombenfest und ausdrucksstark vor. Eine herausragende Stärke des Gordon Setters ist seine Vielseitigkeit: Wegen seines ruhigen Nervenkostüms, seiner Führigkeit und seiner Schärfe gegen Kälte und Nässe bewährt er sich weit über die reine Feldjagd hinaus. Er lässt sich hervorragend für die Schweißarbeit am 10-m-Riemen auf Schalenwild einsetzen, zeigt passionierte Verlorensuche im deckungsreichen Wasser und arbeitet zuverlässig beim Buschieren im dichten Wald.

Gesundheit und Vorsorge

Der Gordon Setter gilt als robuster, langlebiger Jagdhund. Zur Zuchtzulassung im Verein für Pointer und Setter e.V. (PuS) ist die tierärztliche Befundung von Röntgenaufnahmen auf Hüftgelenksdysplasie (HD-Freiheit HD-A oder B) sowie Ellbogendysplasie (ED) Pflicht. Ein wesentlicher Schwerpunkt der modernen Zuchtvorsorge ist der DNA-Gentest auf Progressive Retinaatrophie (Mutation rcd4-PRA), eine erst im höheren Alter auftretende erbliche Netzhautdegeneration: Durch konsequente Paarungsplanung (keine Verpaarung zweier Anlageträger) wird das Auftreten erkrankter Welpen heute sicher verhindert. Zudem wird zerebelläre Ataxie überwacht. Aufgrund des tiefen Brustkorbs besteht wie bei allen Großhunden ein Risiko für Magendrehung (Torsio ventriculi), weshalb nach der Fütterung strikte Ruhe einzuhalten ist. Die befederten Hängeohren bedürfen regelmäßiger Belüftung und Reinigung.

Haltung und Auslastung

Im Alltag begeistert der Gordon Setter durch sein ausgeglichenes Wesen und seine sprichwörtliche 'vornehme Gelassenheit'. Er besitzt ein stabiles Nervenkostüm, ist im Haus ruhig und schätzt gemütliche Ruheplätze nach getaner Arbeit. Gegenüber seiner Bezugsperson entwickelt er eine tiefe, treue Ergebenheit; im Umgang mit Kindern erweist er sich als geduldiger, sanfter und verlässlicher Spielkamerad. Gemäß FCI-Standard Nr. 6 ist er mutig, aufgeschlossen und von freundlichem, ausgeglichenem Wesen. Eine Zwingerhaltung ist für sein sensibles, auf menschliche Nähe angewiesenes Gemüt absolut wesenswidrig. Bei der Ausbildung verlangt er Konsequenz, Fairness und Geduld; auf grobe Härte reagiert er mit sturer Verweigerung. Um ausgeglichen zu bleiben, verlangt er tägliche ausgedehnte Bewegung und jagdliche Aufgaben oder anspruchsvolle Dummy-, Fährten- und Mantrailing-Auslastung.

Rassestandard

Laut dem aktuellen FCI-Standard Nr. 6 ist der Gordon Setter ein stilvoller, harmonisch proportionierter Vorstehhund mit kräftigem Knochenbau, dessen Gesamterscheinung mit einem leistungsfähigen Jagdpferd verglichen wird. Die Widerristhöhe beträgt bei Rüden idealerweise 66 cm (Gewicht ca. 29,5 kg) und bei Hündinnen 62 cm (Gewicht ca. 25,5 kg). Der Kopf ist eher tief als breit, trocken gemeißelt, mit ausgeprägtem Stop und kräftigem, langem Fang. Die Augen sind dunkelbraun, lebhaft und strahlen Intelligenz und Ruhe aus. Die Behänge sind mittellang, tief angesetzt, dünnledrig und liegen dicht am Kopf an. Die Rute ist gerade oder leicht säbelförmig, reicht höchstens bis zum Sprunggelenk und trägt eine feine, zur Spitze hin abnehmende Befederung ('Fahne'). Das Haarkleid ist kurz und fein an Kopf und Vorderseiten der Läufe, am Körper mäßig lang, glatt anliegend und ohne Locken; lange, seidige Befederung ziert Brust, Rute und Läufe. Die Fellfarbe ist ein tiefes, glänzendes Kohlschwarz ohne Rostschimmer mit leuchtend kastanienroten Brandabzeichen (Black and Tan) über den Augen, am Fang, an der Brust und an den Läufen.

Wesen und Arbeitsweise

Das Wesen des Gordon Setter ist gekennzeichnet durch Intelligenz, Leistungsfähigkeit, Mut und eine vornehme Gelassenheit. Im praktischen Einsatz beweist er hohe Konzentration, Härte gegen Witterungsunbilden und stete Kooperationsbereitschaft mit seinem Führer. Er ist kein nervöser Hetzer, sondern arbeitet überlegt und ausdauernd. Im familiären Zusammenleben erweist er sich als überaus anhänglicher, gutmütiger und treuer Lebensgefährte, der eine enge Bindung zu seinen Menschen aufbaut und jede Zuneigung mit unerschütterlicher Loyalität belohnt.

Prüfungen und Zuchtzulassung

Das Jagdgebrauchsprüfungswesen für den Gordon Setter richtet sich im DACH-Raum nach den Regularien des Vereins für Pointer und Setter e.V. (PuS) in Übereinstimmung mit dem JGHV und VDH sowie des ÖPSV. Junghunde absolvieren im Frühjahr die Frühjahrszuchtprüfung (FZP / Jugendsuche), bei der Suche, Führigkeit, Nase, Vorstehen und Schussfestigkeit im Feld geprüft werden. Im Herbst folgt die Herbstzuchtprüfung (HZP) mit vertieften Gehorsams-, Schleppen- und Wasserfächern. Als vielseitigste Setterrasse treten viele Gordon Setter erfolgreich zur zweitägigen Verbandsgebrauchsprüfung (VGP / Meisterprüfung des JGHV) an, wo sie ihre Eignung in Wald (Schweißfährte auf 400 m Übernachtfährte, Bringen von Fuchs und Hase, Buschieren, Standruhe), Feld und Wasser beweisen. Zudem starten sie bei internationalen Field Trials nach FCI-Reglement sowie bei Verbandsschweißprüfungen (VSwP bis 40 Stunden Stehzeit) und landesrechtlichen Brauchbarkeitsprüfungen.

Vor der Anschaffung

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Häufige Fragen zu Gordon Setter

Worin unterscheidet sich der Gordon Setter von English und Irish Settern?

Der Gordon Setter ist der schwerste, kräftigste und substanzvollste Vertreter der Setterfamilie. Sein Körperbau wird kynologisch mit einem edlen Jagdpferd ('Hunter') verglichen. Im Gegensatz zu den extrem weiträumig und rasend schnell suchenden Pointern oder English Settern sucht der Gordon Setter etwas enger, planmäßiger und gründlicher. Zudem bringt er mehr Härte gegen Kälte und schwieriges Gelände (Moor, Heide, Unterholz) mit und lässt sich hervorragend für Schweiß- und Waldarbeit einsetzen.

Wie entstand die Rasse und woher stammt ihr Name?

Die Rasse hat ihren Ursprung im schottischen Hochland und verdankt ihren Namen Alexander, dem 4. Herzog von Gordon (Duke of Gordon, 1743–1827). Auf seinem Stammsitz Gordon Castle in Banffshire begründete er im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert die Reinzucht dieser kräftigen, schwarz-roten Vorstehhunde, die optimal an die raue schottische Moorhuhnjagd (Red Grouse) angepasst waren. 1873 vom englischen Kennel Club zunächst als 'Black and Tan Setter' anerkannt, wurde die Rasse 1924 offiziell in 'Gordon Setter' umbenannt.

Eignet sich der Gordon Setter auch für die Schweißarbeit und Waldjagd?

Ja, absolut. Unter den britischen Vorstehhunden gilt der Gordon Setter als der vielseitigste Allrounder. Dank seines ruhigen, besonnenen Temperaments, seiner feinen Nase und seiner körperlichen Robustheit arbeitet er auf Schalenwild-Wundfährten sehr konzentriert und fährtengetreu am langen Riemen. Zahlreiche Gordon Setter im deutschsprachigen Raum bestehen erfolgreich die Verbandsgebrauchsprüfung (VGP) oder Verbandsschweißprüfung (VSwP).

Wie verhält sich der Gordon Setter im häuslichen Umfeld?

Im Haus zeichnet sich der Gordon Setter durch sprichwörtliche Ruhe und vornehme Gelassenheit aus. Er ist anhänglich, sanftmütig, ausgesprochen kinderlieb und bindet sich eng an seine Bezugsperson. Gegenüber Fremden verhält er sich setter-untypisch oft anfangs leicht distanziert und wachsam, jedoch niemals aggressiv. Bei artgerechter jagdlicher oder sportlicher Bewegung ist er ein wunderbarer Familienbegleiter; Zwingerhaltung ist für sein sensibles Wesen ungeeignet.

Welche Zuchtauflagen und Gesundheitsuntersuchungen gelten im DACH-Raum?

Im 'Verein für Pointer und Setter e.V.' (PuS im JGHV/VDH) und im 'Österreichischen Pointer- und Setterklub' (ÖPSV) müssen Zuchthunde auf Hüftgelenksdysplasie (HD-Freiheit HD-A oder B) sowie Ellbogendysplasie (ED) untersucht sein. Zudem ist der DNA-Gentest auf rcd4-PRA (Progressive Retinaatrophie / Spätform der Netzhautdegeneration) obligatorisch, um Blindheit im Alter züchterisch auszuschließen. Wie bei allen tiefbrüstigen Rassen ist auf Magendrehungsprophylaxe nach dem Fressen zu achten.

Quellen und Evidenz

3 Einträge
  1. Fachverband / Körperschaft Abruf: 9.8.2026

    Vorstehhunde

    Kärntner Jägerschaft Primärdokument öffnen ↗
  2. Fachverband / Körperschaft Abruf: 11.9.2026

    FCI-Nomenklatur der Hunderassen

    Fédération Cynologique Internationale (FCI) Primärdokument öffnen ↗
  3. Fachverband / Körperschaft Abruf: 21.10.2026

    FCI-Standard Nr. 6: Gordon Setter

    Fédération Cynologique Internationale (FCI) Primärdokument öffnen ↗

Geltung und Prüfstand

Gilt für
Österreich, Deutschland, Schweiz
Inhalt geprüft
Primärquellen
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