Herkunft und Zucht
Der Fox Terrier zählt zu den ältesten und traditionsreichsten Jagdhunderassen Großbritanniens. Seine Entwicklungsgeschichte ist untrennbar mit der klassischen berittenen Fuchsjagd (Foxhunting) des 18. und 19. Jahrhunderts verbunden: Als unverzichtbarer Bestandteil der englischen Foxhound-Packs ritten die schneidigen Terrier oft in speziellen Packtaschen am Sattel der Master mit, um den Fuchs aus Bauen, Steinhaufen oder Durchlässen herauszudrücken („Sprengen“), wenn sich dieser vor der Meute festgemacht hatte.
Um den Hund unempfindlicher gegen Dornenhecken, dichte Ginsterbüsche und nassen Boden zu machen, kreuzten englische Jäger ab den 1870er-Jahren alte rauhaarige Black-and-Tan-Terrier aus Wales und Yorkshire ein – daraus entstand der heutige Drahthaar-Schlag (Wire Fox Terrier). 1876 wurde in England der Fox Terrier Club gegründet. In Deutschland gründeten vorausschauende Kynologen bereits 1889 den Deutschen Foxterrier-Verband e.V. (DFV), der damit der älteste Terrier-Zuchtverein Deutschlands ist und als Gründungsmitglied dem Jagdgebrauchshundverband (JGHV) angehört.
Im DACH-Raum wird der Drahthaar-Foxterrier bis heute im DFV, im Österreichischen Foxterrier-Klub (ÖFTK) sowie im Schweizer Foxterrier-Club (SFTC) gewissenhaft nach Leistungszuchtrichtlinien geführt.
Rassestandard
Der offizielle FCI-Standard Nr. 169 beschreibt den Fox Terrier (Drahthaar) als aktiven, lebhaften, vollkommen symmetrisch gebauten Jagdhund, der bei geringer Größe viel Kraft und Knochenstärke in sich vereint. Sein Körperbau ist quadratisch mit kurzem, geradem Rücken – im Standard traditionell mit dem Typus eines edlen, feingliedrigen englischen Jagdpferdes („Hunter“) verglichen, das viel Raum deckt, aber wenig Platz einnimmt.
Die Widerristhöhe beträgt bei ausgewachsenen Rüden maximal 39 cm (Hündinnen ca. 36 bis 38 cm) bei einem idealen Arbeitsgewicht von 7,5 bis 8,5 kg bei Rüden und 7,0 bis 8,0 kg bei Hündinnen. Der Schädel ist flach, mäßig schmal, mit unmerklich abfallendem Stop und kräftigem, muskulösem Fang mit Scherengebiss und markantem Kinnbart. Die Augen sind klein, dunkel, tief sitzend und rundlich, mit feurigem, durchdringendem Ausdruck. Die Behänge sind klein, V-förmig, nach vorn umgeklappt und liegen eng an den Wangen an. Die Rute ist hoch angesetzt, aufrecht und fröhlich getragen, niemals über den Rücken gerollt.
Das Haarkleid ist das entscheidende Rassemerkmal: Sehr dichtes, drahtiges Deckhaar (harsh wie Kokosfasern) über einer feinen, weicheren Unterwolle. Die Farbe ist vorherrschend Weiß mit schwarzen oder schwarz-braunen Platten (Tricolor) oder reinen lohfarbenen Abzeichen (Bicolor).
Leistungsprofil
Das jagdliche Einsatzprofil des Fox Terriers Drahthaar zeichnet sich durch hohe Vielseitigkeit, enorme Wendigkeit und taktische Klugheit aus:
- Baujagd unter Tage: Im Kunst- oder Naturbau bedrängt er Fuchs und Dachs mit ausdauerndem, scharfem Standlaut. Er arbeitet besonnen und versucht den Fuchs zum Sprengen vor die Flinte zu bringen, ohne sich unnötig festzubeißen.
- Stöbern auf Drückjagden: Auf herbstlichen Bewegungsjagden schlägt der Drahthaar-Foxterrier selbst dichteste Brombeerhecken und Schwarzdorndickungen unerschrocken durch. Mit sicherem Spurlaut bringt er Schalenwild auf die Läufe. Ein unschätzbarer Sicherheitsvorteil für Schützen ist seine weiße Grundfarbe, die ein Verwechseln mit dunklem Schwarzwild im Treiben nahezu ausschließt.
- Wasserarbeit: Viele Foxterrier besitzen ausgeprägte Wasserfreude; sie stöbern dichte Schilfgürtel durch und apportieren erlegte Enten zuverlässig aus tiefem Wasser.
- Schweißarbeit: Am 10-Meter-Schweißriemen sucht der Foxterrier konzentriert, ruhig und mit tiefer Nase auf Schalenwild-Totsuchen (Reh- und Schwarzwild).
Wesen und Arbeitsweise
Das Wesen des Fox Terriers Drahthaar ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus furchtlosem Schneid im Revier und fröhlichem Charme im häuslichen Kreis. Er ist temperamentvoll, wachsam, extrem lernwillig und voller Lebensfreude. Seine Schnelligkeit und Reaktionsgabe sind verblüffend.
Im Jagdeinsatz zeigt er Härte, Entschlossenheit und Ausdauer. Gegenüber dem Schalenwild agiert er wendig und mit gesundem Respekt, sodass schwere Verletzungen durch Sauenschläge seltener vorkommen als bei ungestümen Hunden. Im Umgang mit Menschen erweist sich der Foxterrier als anhänglich, aufgeschlossen und kinderlieb; er schließt sich seiner Bezugsperson eng an.
Sein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und sein typischer „Terrier-Kopf“ erfordern eine frühe, konsequente Erziehung mit klarer Autorität. Bei gerechter Führung und ausreichender jagdlicher Beschäftigung ist er ein umgänglicher, hochzuverlässiger Jagdkamerad.
Gesundheit und Vorsorge
Der Fox Terrier Drahthaar ist eine gesunde, zähe und langlebige Rasse. In den Zuchtvereinen des JGHV gelten strenge Vorsorgeauflagen.
Die wichtigste züchterische Maßnahme ist das DNA-Screening auf Primäre Linsenluxation (PLL): Diese erbliche Augenerkrankung, die zur Linsenluxation und schmerzhaften Erblindung führen kann, wird durch konsequente Gentests vollständig beherrscht (Träger dürfen nur mit freien Tieren verpaart werden). Zudem werden Zuchttiere auf Patellaluxation (PL) untersucht.
Essenzielle Pflege: Das Drahthaarfell muss regelmäßig (3- bis 4-mal jährlich) von Hand getrimmt werden (Handstripping). Scheren ist absolut verboten, da es die dornenfeste, harsche Textur und die Farbbrillanz zerstört. Nach Baujagdeinsätzen müssen die Augen gründlich von Bausand gespült und Gehörgänge sowie Pfotenballen auf Grannen und kleine Risse untersucht werden.
Haltung und Auslastung
Der Fox Terrier Drahthaar ist ein agiler Arbeitshund, der körperlich und geistig gefordert sein will. Er eignet sich hervorragend für passionierte Jäger mit Baujagd-, Niederwild- oder Drückjagdrevieren. Außerhalb der Jagdsaison lässt er sich exzellent mit Dummytraining, Fährtenarbeit und ausgedehnten Reviergängen auslasten.
Im Haus ist er ein angenehmer, sauberer Mitbewohner, der gerne mitten im Familiengeschehen ist. Für reine Zwingerhaltung ist der kontaktfreudige, menschenbezogene Foxterrier ungeeignet; er braucht die tägliche Nähe zu seinen Bezugspersonen.
Seine Ausbildung verlangt Einfühlungsvermögen, Abwechslung und liebevolle Konsequenz: Stumpfes Wiederholen langweilt ihn rasch, auf ungerechte Härte reagiert er mit Sturheit. Mit positiver Bestätigung lernt er blitzschnell.
Prüfungen und Zuchtzulassung
Das Jagdprüfungswesen für den Fox Terrier Drahthaar im DACH-Raum wird über den Deutschen Foxterrier-Verband e.V. (im JGHV/VDH) sowie den Österreichischen Foxterrier-Klub (ÖFTK) geregelt.
Prüfungslaufbahn in der jagdlichen Praxis:
- Jugendprüfung (JP) bzw. Zuchtprüfung (ZP): Anlagensichtung für Schussfestigkeit, Spurlaut auf der Hasenspur, Wasserfreude, Nasenführung und Führigkeit.
- Bauprüfung (BP): Nachweis der Baueignung und Schärfe am Bau (Raubwildschärfe).
- Gebrauchsprüfung (GP): Umfassende Vollgebrauchsprüfung für Terrier; umfasst 400 m Schweißfährte auf Schalenwild, Standruhe, Buschieren, Verlorenbringen, Wasser- und Feldarbeit.
- Jagdliche Brauchbarkeitsprüfung (BP): Nachweis der Brauchbarkeit nach den Landesjagdgesetzen für Stöbern, Bau und Nachsuche.
- Verbandsprüfungen des JGHV: Der Foxterrier ist zur Verbandsjugendprüfung (VJP), Herbstzuchtprüfung (HZP), Verbandsgebrauchsprüfung (VGP / „Meisterprüfung“) und Verbandsschweißprüfung (VSwP) zugelassen.
Zur Zuchtzulassung im DFV sind Form- und Haarwertnoten, der lückenlose DNA-Nachweis der PLL-Freiheit (oder kontrollierte Träger-Verpaarung) sowie das Bestehen der Jugendprüfung mit Spurlautnachweis und Bauprüfung verbindlich vorgeschrieben.
Vor der Anschaffung
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Häufige Fragen zu Fox Terrier (Drahthaar)
Warum wurde der Foxterrier ursprünglich mit hohem Weißanteil gezüchtet?
Die weiße Grundfarbe ist ein historisches Zuchtmerkmal mit enormem praktischem Nutzen: Bei der berittenen englischen Fuchsjagd durfte der aus dem Sattelkorb gelassene Terrier von den Jagdhunden der Foxhound-Meute oder den Reitern nicht mit dem rotbraunen Fuchs verwechselt werden. Auch heute bei herbstlichen Drückjagden im DACH-Raum ist die weiße Farbe von unschätzbarem Vorteil: Selbst im dichtesten Brombeerverhau oder düsteren Fichtenbestand erkennt der Schütze den weiß-bunten Hund sofort und kann ihn zweifelsfrei von dunklem Schwarzwild unterscheiden.
Wie unterscheidet sich der Drahthaar-Foxterrier vom Glatthaar-Foxterrier?
Abgesehen von der Haarbeschaffenheit teilen beide Rassen denselben FCI-Ursprung und Charakter. Der Drahthaar-Typ entstand durch die Einkreuzung alter raubehaarter Black-and-Tan-Terrier aus Wales und Yorkshire, um den Hund widerstandsfähiger gegen Brombeerdornen, Nässe und tückischen Bausand zu machen. Das dichte, drahtige Fell (Drahthaar) schützt den Hund unter Tage und in dichten Dickungen wie ein Schutzpanzer, verlangt im Unterschied zum pflegeleichten Glatthaar jedoch regelmäßiges fachgerechtes Trimmen von Hand.
Was ist bei der Fellpflege des Drahthaar-Foxterriers zwingend zu beachten (Trimmen vs. Scheren)?
Das drahtige Drahthaarfell muss zwingend von Hand oder mit einem stumpfen Trimmmesser getrimmt werden (Handstripping). Dabei werden abgestorbene, reife Haare mitsamt der Wurzel entfernt, sodass hartes, farbintensives und wasserabweisendes neues Drahthaar nachwachsen kann. Wird der Foxterrier geschoren, schneidet man nur die Haarspitzen ab: Das Fell verliert seine drahtige Struktur, wird weich, lockig, verblasst farblich und saugt sich bei Regen wie ein Schwamm voll. Ein geschorener Foxterrier verliert seinen natürlichen Schutz gegen Kälte und Dornen.
Wie unterscheidet sich der Foxterrier vom Deutschen Jagdterrier in Wesen und Schärfe?
Während der Deutsche Jagdterrier auf kompromisslose Schärfe und bedingungslosen Schneid gezüchtet wurde, gilt der Foxterrier im Bau oft als taktisch überlegter und besonnener: Er verbellt den Fuchs ausdauernd und setzt ihn unter Druck, um ihn zum Sprengen zu bewegen, ohne sich vorschnell in schwere Beißereien zu verwickeln. Im Haus und Alltag besticht der Foxterrier durch ein ausgesprochen fröhliches, verspieltes und verträgliches Wesen („Terrier-Charme“) und ordnet sich bei klarer Führung harmonisch in die Familie ein.
Welche Zucht- und Jagdprüfungen absolviert der Foxterrier im Deutschen Foxterrier-Verband (DFV)?
Im Deutschen Foxterrier-Verband e. V. (gegründet 1889 im JGHV) durchläuft der Jagdfoxterrier einen anspruchsvollen Prüfungsweg: Zunächst die Jugendprüfung (JP) zur Überprüfung von Schussfestigkeit, Spurlaut auf der Hasenspur, Wasserfreude, Nase und Führigkeit. Es folgt die Bauprüfung (BP) zum Nachweis der Baueignung. Als Krönung der Jagdausbildung gilt die Gebrauchsprüfung (GP) mit Schweißarbeit auf Schalenwild, Standruhe, Buschieren und Gehorsam. Zudem sind Foxterrier zu allen Verbandsprüfungen des JGHV (VJP, HZP, VGP, VSwP) zugelassen.
Quellen und Evidenz
3 Einträge- Fachverband / Körperschaft Abruf: 9.8.2026
Erdhunde
- Fachverband / Körperschaft Abruf: 11.9.2026
FCI-Nomenklatur der Hunderassen
- Fachverband / Körperschaft Abruf: 21.10.2026
FCI-Standard Nr. 169: Fox Terrier
Geltung und Prüfstand
- Gilt für
- Österreich, Deutschland, Schweiz
- Inhalt geprüft
- Primärquellen
- 3 Fachquellen hinterlegt
