Sichere Erkennung

Ausgewachsene Hähne sind 1,34–1,70 m hoch, Hennen im Mittel 1,35 m. Der Körper ist oval mit langem Hals; Kopf, Hals und Rücken grau-braun, Bauch heller, Schnabel und beschuppte Beine gelblich-braun. Trotz Flugunfähigkeit sind die Flügel kräftig und dienen als Steuerhilfe im Lauf. Geschlechter ähneln sich in Färbung und Größe.

Biologie und Lebensweise

Nandus halten weder Winterschlaf noch Winterruhe, erreichen Fluchtgeschwindigkeiten von bis zu 60 km/h und besitzen die Fähigkeit zu schwimmen. Kopf, Hals und Rücken sind von grau-braun gefärbten Federn bedeckt, die Basis des Halses, die Vorderseite und die Rückenfedern sind schwarz, und die Bauchfedern sind weiß. Nandus sind Allesfresser, wobei sie im Winterhalbjahr vor allem Ackerfrüchte wie Maiskörner und Druschabfälle, sowie Beeren, Nüsse und Samen von Heckenpflanzen aufnehmen. Im Sommer steigt der Anteil an tierischer Kost wie Insekten, Spinnen und kleineren Wirbeltieren. Die maximale Lebenserwartung von Nandus sowohl in der Wildnis als auch in Gefangenschaft ist unbekannt. Es wird jedoch berichtet, dass sie bis zu 13 Jahre in Gefangenschaft leben können. Männliche Nandus übernehmen die Brutpflege und Aufzucht der Küken, die sechs Monate dauert.

Brunft und Fortpflanzung

In ein Gemeinschaftsnest legen mehrere Hennen zusammen bis zu 30 Eier, welche anschließend ausschließlich durch den Hahn für 35 bis 40 Tage bebrütet werden. Die Fortpflanzung erfolgt durch polygynandrische Paarung. Hennen legen 20 bis 40 Eier pro Saison und können dabei mehrere Nester nutzen, wobei ein Nest bis zu 30 Eier aufnehmen kann.

Lebensraum und Ansprüche

In Südamerika besiedeln Nandus Grasland, Pampa, offenes Waldland und salzige Marschen, zunehmend auch Agrarflächen nahe Wasser. Die Schaalsee-Population nutzt die offene Kulturlandschaft zwischen Utecht und Schattin, inklusive Rapsschläge und abgeernteter Äcker. Im Winterhalbjahr fressen sie vor allem Rapsblätter, Maiskörner und Druschabfälle, im Sommer steigt der Anteil an Insekten und kleinen Wirbeltieren. Rheas bevorzugen offene Grünland- und Agrarflächen mit guter Sichtbarkeit. Sie können auch in offenen Waldgebieten und salzreichen Marschen vorkommen. Bei der Neststandortwahl der Nandus spielen die Entfernung zu Nahrungsquellen sowie die Höhe und Dichte der Vegetation eine Rolle. Der Nandu ist in Deutschland eine Neozön-Art, da er nach 1492 durch menschliche Aktivitäten angesiedelt wurde.

Jagdliche Einordnung

In Mitteleuropa jagdlich kaum relevant. In Mecklenburg-Vorpommern wird der Nandu bejagt; das Bundesamt für Naturschutz stuft ihn allerdings als nicht invasiv ein.

Bestand und Management

Die Art ist nach Washingtoner Artenschutzabkommen Anhang II und in der EU nach der Artenschutzverordnung besonders geschützt, in Mecklenburg-Vorpommern zugleich jagdbar. Das Biosphärenreservat führt Synchronzählungen durch; im März 2023 wurden 91 Tiere gezählt, nach einem Höchststand von 566 im Jahr 2018. Gelegemanipulation und begrenzte Abschüsse von Hähnen dienten der Schadensabwehr an Raps und Weizen. Das Bundesamt für Naturschutz stuft die Art bisher nicht als invasiv im Sinne nachgewiesener Biodiversitätsschäden ein.

Bestandszahlen und Jagdstrecke

Im Jahr 2022 wurden 144 Nandus im Herbst gezählt. Im Jahr 2018 wurden 190 von insgesamt 238 gefundenen Eiern manipuliert. In den Wintern 2009/10 und 2010/11 überlebten jeweils nur ein Jungvogel von 82 bzw. 30 Jungvögeln. Im Rahmen des Frühjahrsmonitorings am 17. März 2023 wurden insgesamt 91 Nandus gezählt, darunter 42 auf mecklenburgischer und 49 auf schleswig-holsteinischer Seite.

Krankheiten und Fallwild

Am liebsten fressen Nandus die Blätter und die Haupttriebe mit den Knospenanlagen von Raps; dabei richten sie erhebliche Trittschäden an. Zudem fressen sie Weizen, was die Erträge reduzieren kann.

Bejagung und Hege

In Mecklenburg-Vorpommern gilt für den Nandu eine ganzjährige Jagdzeit für Küken und Jährlinge. Zur Bestandsregulierung wurden Abschussgenehmigungen für jeweils zehn Nanduhähne an zwei betroffene Landwirte erteilt. In Mecklenburg-Vorpommern dürfen Hennen und Hähne ab dem Alter von 2 Jahren vom 1. November bis 31. März gejagt werden. Ziel der Eimaniplikation war es, die Reproduktion der Nandupopulation zu verhindern, um Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen zu begrenzen. Im Jahr 2019 wurden insgesamt nur drei Nester gefunden, von denen 17 frisch gelegte, noch gelbe Eier manipuliert wurden. Die Manipulation erfolgte durch das Anbohren oder Übertünchen der Eier mit Paraffin, wobei die Eier im Nest verblieben.

Schutz und rechtlicher Rahmen

Der Nandu ist aufgrund seiner Eintragung in den Anhang II des Washingtoner Artenschutzabkommens weltweit geschützt. In Deutschland ist der Nandu gemäß § 7 Abs. 2, Nr. 13 Buchstabe a Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) als „besonders geschützte Art“ eingestuft. Gemäß § 44 Abs. 1 BNatSchG ist es verboten, wild lebende Tiere der besonders geschützten Arten zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören. In der EU ist der Nandu in Anhang B der EG-Artenschutzverordnung 338/97 aufgeführt. Der Nandu ist im Jagdrecht von Mecklenburg-Vorpommern seit dem 2. April 2020 aufgenommen.

Alters- und Kategorieansprache

Merkmale zur Altersbeurteilung vor und nach dem Schuss.

Ansprachemerkmale & Kriterien

Küken und Jährlinge kleiner und matter als Altvögel. Das Landesjagdrecht Mecklenburg-Vorpommern trennt Küken und Jährlinge von Hennen und Hähnen ab zwei Jahren. Eine exakte, jahrgenaue Altersansprache am lebenden Altvogel im Feld gilt als sehr unsicher.

Vergleichbare & verwandte Wildarten

Ökologische und jagdpraktische Einordnung innerhalb der Gruppe Laufvögel.

Der Nandu ist ein flugunfähiger südamerikanischer Laufvogel, der in Deutschland (Biosphärenreservat Schaalsee) freilebend vorkommt. 1. Afrikanischer Strauß (Struthio camelus): Ist erheblich größer und schwerer. Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal sind die Zehen: Der Strauß hat nur zwei Zehen, der Nandu drei. Zudem ist der Hals des Straußes weitgehend nackt, beim Nandu ist er befiedert. 2. Emu (Dromaius novaehollandiae): Der australische Emu besitzt ein zotteliges, hängendes, fast fellartiges Gefieder und hat keine weißen Bauchfedern wie der Nandu.

Verbreitung

Nachgewiesene Vorkommen von Nandu nach Ländern.

Global Biodiversity Information FacilityGBIF Taxon #2495165

Wissenschaftliche Nachweise & Vorkommen: Nandu

GBIF Taxon
GBIF-Nachweise von Nandu (Rhea americana) in Europa. Gelbe bis rote Punkte: Dichte wissenschaftlicher Beobachtungen.
Dichte wissenschaftlicher Nachweise
EinzelfundeHohe Dichte

Kartengrundlage: GBIF-Basiskarte, © OpenStreetMap contributors, © OpenMapTiles · Nachweise: GBIF.org, CC0 · Stand: 23. Oktober 2026 · Darstellung: JAGDNAVIGATOR

Jagd- und Schonzeiten nach Rechtsraum

Jagdzeiten setzt jedes Bundesland und jeder Kanton selbst fest, oft getrennt nach Wildklasse. Die Tabelle gibt die Zeiten für Nandu aus einer Verordnung wieder. Verbindlich ist die amtliche Fassung, die auf der jeweiligen Rechtsraumseite verlinkt ist.

Jagdzeiten für Nandu nach Rechtsraum
Rechtsraum Wildklasse Jagdzeit
Mecklenburg-Vorpommern (DE) Küken und Jährlinge ganzjährig
Mecklenburg-Vorpommern (DE) Hähne und Hennen ab 2 Jahren 1. November bis 31. März

Jagdrecht und Verordnungen aller Bundesländer und Kantone

Quellen und Evidenz

2 Einträge
  1. Ergänzende Fachquelle Abruf: 20.9.2026

    Rhea americana (greater rhea)

    Animal Diversity Web, University of Michigan Museum of Zoology Primärdokument öffnen ↗
  2. Amtliche Primärquelle Abruf: 20.9.2026

    Hintergrundinformationen zum Nandu im UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee

    Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe Primärdokument öffnen ↗

Geltung und Prüfstand

Gilt für
Biologie und jagdliche Einordnung. Jagd- und Schonzeiten gelten nur im jeweiligen Rechtsraum.
Inhalt geprüft