Der Kitz- und Kälberabschuss bremst das Bestandswachstum kaum — den Ausschlag gibt der Abschuss weiblicher Alttiere.
- Fragestellung
- Auf welcher wissenschaftlichen Grundlage steht der in Europa verbreitete Schwerpunkt auf dem Abschuss von Jungwild, und hält diese Grundlage einer Prüfung stand?
- Methodik & Datenbasis
- Erste Gesamtübersicht der demografischen, evolutionären und praktischen Argumente für den selektiven Abschuss von Jungwild. Zwei demografische Annahmen wurden anschließend empirisch an Rotwild-Streckenstatistiken aus sieben europäischen Ländern geprüft: (P1) Jungwildabschuss beeinflusst das Streckenwachstum wegen des geringeren Reproduktionswerts weniger als der Abschuss weiblicher Alttiere; (P2) Jungwildabschuss dämpft die Schwankung der Strecke, weil Jungwild von Natur aus geringere und stärker schwankende Überlebensraten hat.
- Befunde
- P1 bestätigte sich: Der Jungwildabschuss hatte nur geringen Einfluss auf die Wachstumsrate der Strecke, während der Abschuss weiblicher Alttiere signifikant negativ wirkte. P2 bestätigte sich nicht: Ein höherer Jungwildanteil in der Strecke verringerte die Schwankung zwischen den Jahren nicht. Die Autoren erörtern, dass der Nutzen des Jungwildabschusses davon abhängt, ob eine Population von niedriger zu sehr hoher Dichte übergeht.
- Einordnung für die Praxis
- Direkt für die Abschussplanung: Wer den Bestand tatsächlich senken will, kommt am weiblichen Wild nicht vorbei — Kitz- und Kälberabschuss allein reguliert nicht. Umgekehrt ist der Jungwildschwerpunkt sinnvoll, wenn ein Bestand gerade nicht reduziert werden soll. Das oft genannte zweite Argument, Jungwildabschuss verstetige die Strecke, ließ sich nicht belegen.
- Grenzen der Studie
- Die empirische Prüfung stützt sich auf Streckenstatistiken aus sieben Ländern, also auf Meldedaten und nicht auf gemessene Bestände. Geprüft wurden zwei von mehreren Argumenten; die evolutionären und praktischen bleiben Erörterung.
Redaktionelle Zusammenfassung von JAGDNAVIGATOR auf Basis der genannten Arbeit —
kein Originaltext der Autorinnen und Autoren. Grundlage ist
der Volltext der Arbeit.