DNA-Analyse von 80 Wildschweinlosungen: In 38 % steckte Kaninchen — überwiegend aber als Aas während der Jagdzeit, nicht als selbst geschlagene Beute.
- Fragestellung
- Wie stark greift Schwarzwild auf Wildkaninchen und Rothuhn zu, und was steuert diesen Anteil?
- Methodik & Datenbasis
- Genetisches Metabarcoding an 80 Wildschweinlosungen aus vier auf Niederwildjagd ausgerichteten Revieren, gesammelt in zwei verschiedenen Jahreszeiten. Zuvor wurden die Bestandsdichten von Schwarzwild, Kaninchen und Rothuhn geschätzt.
- Befunde
- Nachgewiesen wurde DNA von 17 Chordatier-Arten; Säugetiere kamen auf 77,6 %, Vögel auf 22,3 % Häufigkeit. In 39 von 71 Proben (55,0 %) fand sich DNA von jagdbaren Arten — Wildkaninchen in 27 Proben (38,0 %), Rothuhn in acht (11,3 %). Die Zusammensetzung unterschied sich zwischen Jahreszeiten und Revieren, wobei das Kaninchen den größten Teil des Unterschieds erklärte (35,3 % bzw. 39,5 %). Der Kaninchenanteil stieg mit der Schwarzwilddichte und der Kaninchendichte im Revier, war im Herbst höher und dort größer, wo Kaninchen bejagt wurden. Beim Rothuhn bestand ein positiver Zusammenhang zur Bestandsdichte, ohne Unterschiede zwischen Jahreszeiten oder Revieren. Insgesamt erscheint das Schwarzwild als Gelegenheitsfresser, dessen Nahrung sich nach der relativen Verfügbarkeit richtet; seine Rolle gegenüber dem Niederwild dürfte mehr auf Aasnutzung während der Jagdzeit als auf direkter Prädation beruhen.
- Einordnung für die Praxis
- Entlastet das Schwarzwild teilweise vom Vorwurf, Niederwildbesätze wegzufressen: Der hohe Kaninchenanteil im Herbst und gerade dort, wo Kaninchen bejagt werden, spricht für Aufnahme von Fallwild und Anschussverlusten. Praktische Folge: Sorgfältige Nachsuche und das Einsammeln von Fallwild senken den Anreiz für Schwarzwild, Niederwildflächen abzusuchen.
- Grenzen der Studie
- 80 Losungen aus vier Revieren in zwei Jahreszeiten. Metabarcoding unterscheidet nicht zwischen erbeutetem und als Aas gefressenem Tier — die Deutung als Aasnutzung ist eine Schlussfolgerung aus dem zeitlichen Muster.
Redaktionelle Zusammenfassung von JAGDNAVIGATOR auf Basis der genannten Arbeit —
kein Originaltext der Autorinnen und Autoren. Grundlage ist
das Abstract der Arbeit.