Kroatien: Ohne Trophäenjagd auf den Braunbären verlieren die Jagdorganisationen einen wesentlichen Teil ihrer Einnahmen — und mit ihnen bricht das örtliche Entschädigungssystem weg.
- Fragestellung
- Ist die kroatische Bärenbejagung biologisch tragfähig, und was passiert mit den Jagdorganisationen, wenn die Trophäenjagd endet?
- Methodik & Datenbasis
- Zwei Ansätze: Für die biologische Tragfähigkeit wurde ein zweigeschlechtliches Matrixmodell der Bärenpopulation gerechnet. Für die wirtschaftliche Seite wurden Struktur, Kosten und Nutzen der Bärenjagd über eine Interviewbefragung von Jagdverantwortlichen erhoben und die Haushalte der Organisationen für den Fall ohne Bärenjagd bewertet. Der Braunbär wird in Kroatien über Trophäenjagd mit Quoten für örtliche Jagdorganisationen bewirtschaftet; Mensch-Bär-Konflikte bestehen auf niedrigem Niveau, Schäden werden von den Organisationen ausgeglichen, die von der Bärenjagd profitieren.
- Befunde
- Das Modell zeigt: Würde die jährlich zugeteilte Quote vollständig ausgeschöpft, ginge der Bestand über zehn Jahre erheblich zurück. Da der Bestand tatsächlich stabil oder wachsend erscheint, halten die Autoren eine Unterschätzung der Bestandsgröße für die wahrscheinlichste Erklärung dieses Widerspruchs. Wirtschaftlich ist die Bärenjagd ein wesentlicher Bestandteil der Einnahmen der Jagdorganisationen und trägt deren übrige Tätigkeit mit. Ein Wegfall würde zu erheblichen Einnahmeverlusten führen. Die Verlagerung von Bärenbewirtschaftung und Entschädigung von örtlicher Verantwortung auf ein zentralisiertes System ohne Trophäenjagd, wie es die EU-Gesetzgebung nahelegt, führt nach Einschätzung der Autoren zu beträchtlichen Unsicherheiten.
- Einordnung für die Praxis
- Der Kern für die Debatte über Trophäenjagd: Sie finanziert hier den Schadensausgleich und die örtliche Akzeptanz. Fällt sie weg, muss beides von anderer Stelle getragen werden — sonst kippt die Haltung derer, die mit dem Bären leben. Die Einstellungen zu Bären waren in Kroatien allgemein positiv, und dieses System ist ein Grund dafür.
- Grenzen der Studie
- Ein Land, ein Modellansatz und eine Interviewbefragung von Jagdverantwortlichen. Die zentrale Erklärung — Unterschätzung der Bestandsgröße — bleibt eine Vermutung, weil eine unabhängige Bestandsschätzung fehlt. Die Arbeit stammt von 2013, vor dem Vollzug der EU-Vorgaben.
Redaktionelle Zusammenfassung von JAGDNAVIGATOR auf Basis der genannten Arbeit —
kein Originaltext der Autorinnen und Autoren. Grundlage ist
der Volltext der Arbeit.