416 überfahrene Erdkröten widerlegen eine Annahme: Wandernde Kröten fressen auf dem Weg zum Laichgewässer — in 39 % der Mägen fand sich Beute.
- Fragestellung
- Fressen explosiv laichende Froschlurche zwischen dem Ende des Winterschlafs und dem Abschluss des Laichgeschäfts tatsächlich nicht — und lassen sich Verkehrsopfer zur Klärung nutzen?
- Methodik & Datenbasis
- Gesammelt wurden 416 Erdkrötenkadaver während der Frühjahrswanderung an zwei Untersuchungsstellen in Südwestpolen. 246 Kadaver (59 %) hatten unbeschädigte Verdauungstrakte aus Magen und Darm; deren Inhalt wurde bestimmt und taxonomisch so weit wie möglich aufgeschlüsselt.
- Befunde
- In 97 der auswertbaren Tiere (39 %) fand sich Mageninhalt aus Wirbellosenresten, in den Därmen von 180 Tieren (73 %) bereits verdaute Tierreste. Zwischen Männchen und Weibchen sowie zwischen den beiden Untersuchungsstellen gab es keine signifikanten Unterschiede. Insgesamt wurden 290 Beutestücke bestimmt; häufigstes Taxon waren Ameisen, nach dem Dominanzindex konnte die Erdkröte aber nicht als vollständig polyphag eingeordnet werden. Jaccard- und Bray-Curtis-Indizes zeigten eine allgemein geringe Ähnlichkeit der Nahrungszusammensetzung zwischen den Geschlechtern an beiden Stellen. Verkehrsopfer eignen sich damit zur Untersuchung von Nahrungsaktivität und -zusammensetzung.
- Einordnung für die Praxis
- Zeigt den Erkenntniswert von Fallwild an Straßen ganz konkret: Aus Tieren, die ohnehin verunglückt sind, lässt sich eine verbreitete Lehrmeinung überprüfen — ohne ein einziges lebendes Tier zu berühren. Das ist der Ansatz, der auch bei Schalen- und Raubwild trägt: Fallwild ist Untersuchungsmaterial.
- Grenzen der Studie
- Zwei Untersuchungsstellen in einer Region, eine Art. Die Autoren halten fest, dass das Verfahren an weiteren Arten geprüft werden sollte. Verkehrsopfer sind zudem keine Zufallsstichprobe der Population — besonders aktive Tiere sind überrepräsentiert.
Redaktionelle Zusammenfassung von JAGDNAVIGATOR auf Basis der genannten Arbeit —
kein Originaltext der Autorinnen und Autoren. Grundlage ist
der Volltext der Arbeit.