Die Doppelbeobachter-Zählung unterschätzt den Murmeltierbestand um 55 % — für das Verfolgen von Trends ist sie trotzdem das beste der einfachen Verfahren.
- Fragestellung
- Wie gut geben Doppelbeobachter-Zählungen und einfache Zählungen die tatsächliche Bestandsgröße von Alpenmurmeltieren wieder?
- Methodik & Datenbasis
- Achtjähriges Monitoring von 2017 bis 2024 im Nationalpark Stelvio (italienische Alpen). Als Maßstab dienten absolute Bestandsschätzungen aus 180 individuellen Fanggeschichten mit Robust-Design-Fang-Wiederfang-Modellen (CMR). Jährlich folgten sechs Independent-Double-Observer-Sitzungen (IDO) kurz nach dem Fang, ausgewertet über den Chapman-Schätzer und nach Cochrans Methode gemittelt; zusätzlich wurden mittlere und maximale Zählwerte geprüft.
- Befunde
- Der IDO-Mittelwert lag 55 % unter der CMR-Schätzung (95-%-Konfidenzintervall 53–58 %). Die Autoren führen das auf Verfügbarkeitsbias zurück: Murmeltiere sind im Bau nicht sichtbar. Dennoch korrelierten IDO und CMR stark (r = 0,88; rho = 0,90), eine Log-Log-Regression erklärte rund 80 % der Varianz. Einfache Zählungen schnitten deutlich schlechter ab — gemittelte Zählungen r = 0,74, Maximalzählungen r = 0,39, mit 51 % bzw. nur 8 % erklärter Varianz. Bei höheren Dichten nahm die Unterschätzung zu (Sättigungstendenz).
- Einordnung für die Praxis
- Übertragbar auf jede Sichtzählung im Revier: Der Absolutwert ist unbrauchbar, die Richtung stimmt. Zwei unabhängig zählende Beobachter liefern deutlich verlässlichere Trends als eine Einzelzählung — und Maximalwerte einzelner Begehungen sind praktisch wertlos.
- Grenzen der Studie
- Eine Population, eine Art, acht Jahre; die Autoren halten Wiederholungen bei anderen Arten der Marmotini für nötig. Einzelne Modellannahmen waren nach eigener Angabe möglicherweise nicht vollständig erfüllt.
Redaktionelle Zusammenfassung von JAGDNAVIGATOR auf Basis der genannten Arbeit —
kein Originaltext der Autorinnen und Autoren. Grundlage ist
das Abstract der Arbeit.