2.762 Losungsproben aus drei Rotwildgebieten in Südwestdeutschland ergaben 1.431 Individuen — und Geschlechterverhältnisse zwischen 1:1,1 und 1:1,7.
- Fragestellung
- Lässt sich die Größe und Struktur freilebender Rotwildbestände über genetische Untersuchung von Losung bestimmen?
- Methodik & Datenbasis
- Entwickelt und geprüft wurde ein nichtinvasives genetisches Verfahren zur Schätzung von Bestandsgröße und Dichte anhand von Losung aus drei freilebenden Rotwildpopulationen in Südwestdeutschland. Genotypisiert wurden 2.762 Kotproben, die 1.431 verschiedenen Individuen entsprachen. Die Dichte wurde für beide Geschlechter getrennt mit zwei Verfahren geschätzt: räumlich explizites Fang-Wiederfang (SECR) und ein Einzelsitzungs-Urnenmodell (CAPWIRE).
- Befunde
- Beide Verfahren lieferten für alle drei Untersuchungsgebiete ähnliche Werte, mit Gesamtdichten zwischen 3,3 (2,5–4,4) und 8,5 (6,4–11,3) Stück Rotwild je km². Die geschätzten Geschlechterverhältnisse unterschieden sich signifikant zwischen den Populationen und lagen zwischen 1:1,1 und 1:1,7 — mit erheblichen Folgen für die Bewirtschaftung. Als offene Punkte nennen die Autoren die Annahme geschlossener Populationen und die Bestimmung der effektiv beprobten Fläche. Nach eigener Kenntnis ist es der einzige geschlechtsspezifische Ansatz zur Schätzung von Rotwildbestand und -dichte.
- Einordnung für die Praxis
- Das praxisnächste Ergebnis dieser Reihe für deutsche Rotwildgebiete: Belastbare Dichten und — entscheidend für die Abschussplanung — geschlechtsspezifische Werte, ohne ein Stück Wild zu berühren. Wer Losung systematisch sammelt, kann damit Bestandsschätzungen erzeugen, die über Sichtbeobachtung und Streckenrückschluss hinausgehen. Die Spanne von 1:1,1 bis 1:1,7 zeigt, wie stark ein pauschal angenommenes Geschlechterverhältnis eine Planung verzerren kann.
- Grenzen der Studie
- Drei Gebiete in Südwestdeutschland. Die Autoren benennen selbst zwei ungelöste Punkte: die Annahme der Populationsgeschlossenheit und die Abgrenzung der effektiv beprobten Fläche, von der die Dichteangabe direkt abhängt.
Redaktionelle Zusammenfassung von JAGDNAVIGATOR auf Basis der genannten Arbeit —
kein Originaltext der Autorinnen und Autoren. Grundlage ist
das Abstract der Arbeit.